Alfdorf-Pfahlbronn Abtanzen in Dirndl und Tracht

ZVW, 22.01.2017 00:30 Uhr
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Dirndl übergestreift, und ab geht die Post: Im Pfahlbronner Bürgerzentrum wurde zu Rock, Pop und Schlager getanzt, bis die Sohlen glühten. Foto: SDMG
Dirndl übergestreift, und ab geht die Post: Im Pfahlbronner Bürgerzentrum wurde zu Rock, Pop und Schlager getanzt, bis die Sohlen glühten.Foto: SDMG

Alfdorf-Pfahlbronn. Es gibt eine gute und eine schlechte Seite zur Frage, ob ein Dirndl oder eine kurze Lederhose im Januar als Bekleidung sinnvoll ist. Zum einen zieht es ganz ordentlich um die dünn oder gar nicht bestrumpften Knie bei neun Grad Minus, in der Schlange vor dem Einlass. Zum andern, und das überwiegt definitiv beim fast durchgängig jungen Besuchervolk: endlich Gaudi! Und die ist nun mal am schönsten im stilgerechten Outfit, das nun erstmalig in 2017 aus dem Schrank geholt werden konnte.

Ein Fest für die wintermüden Augen ist es allemal. Dirndl-Vielfalt vom türkis-kariertem über knallrotem Satinstoff bis hin zum verträumten Rosenmuster. Hübsch umsäumt von Rüschen. Die fesche Schürze je nach Familienstand rechts oder links gebunden und auf dem Kopf verschiedene, kunstvoll und wohl auch recht zeitaufwendig geflochtene Zöpfe. Die Herrenwelt steht dem in nichts nach. Stramme „Wadeln“ lugen aus der Krachledernen hervor und auch die Farbgebung der Hemden ist alles andere als bescheiden. Wer nicht ganz so detailverliebt war, dem genügte eine Karobluse oder einfach ein Seppelhut. Der Großteil löste die Klamottenfrage allerdings auch recht simpel mit Jeans und Shirt.

Rund 60 Leute sind im Helferstab

Auch Adrian Ackermann setzt auf Zweckmäßigkeit. Er trägt eine Kombi aus Arbeitskleidung und Lederhose. Für den Leiter der Abteilung Fußball gibt es heute auch alle Hände voll zu tun. Ein Helferstab von über sechzig Leuten ist am Start. Begonnen hat der Dienst für Ackermann mit der Schneeräumung des Hintereingangs. Der Lastwagen der Band brauchte eine freie Zufahrt. Enden wird der Tag für ihn irgendwann am Sonntagmorgen erst nach dem kompletten Abbau. Vorerst aber, noch zur frühen Stunde um 21 Uhr, freut sich der Aktive über den regen Zulauf. Die „Happy Hour“ ist gerade vorbei. Dank installiertem Schwarzlicht reflektieren die Getränkebecher in hunderten von Händen, was ebenfalls hübsch anzuschauen ist und, da die Musi noch nicht spielt, schön zu Unterhaltung der Besucher beiträgt.

„Halli! Hallo! Elisabeth“. Kurz vor zehn legen, nicht weniger als acht Musiker, los. Ungewöhnlich das Bild von den drei Gitarristen breitbeinig geerdet in Lederhosen und mit E-Gitarre. Auch Schifferklavier und Klarinette sind Instrumente der „Dirndlkracher“. Die stimmgewaltige Sängerin („Laurinchen“) selbstverständlich im Dirndl. Ihr Genre: rockige Volksmusik. Textlicher Tiefgang spielt woanders.

Der Eröffnungssong gibt die Richtung gleich vor: Schunkeln, Schwelgen, Lebensfreude. Das Publikum muss noch nach vorne eingeladen werden, man drückt sich noch zaghaft an den Hallenwänden. Doch die Musiker sind Profis. Letztes Jahr unterhielten sie noch im Festzelt auf dem Cannstatter Wasen. Relativ mühelos schwappt die Bierzelt-Seligkeit ins Bürgerzentrum über. Mit schwingender Leichtigkeit geht es weiter im Repertoire mit „walking’ on sunshine“, „Einst ging ich am Ufer der Donau entlang“ aus rechtlichen Gründen leicht abgewandelt, wie Sänger Roman augenzwinkernd moderiert. Die Fischerin vom Bodensee wirft ihre Netze aus und Sehnsüchte kommen auf bei „Ich war noch niemals in New York - Ich war noch niemals richtig frei“. Beinahe greifbar wie die uralten Evergreens und Schlager noch in heutigen Zeiten das jugendliche Publikum spürbar erreichen und ihre musikalische Unsterblichkeit manifestieren. Die Musiker animieren zur kollektiven Achterbahnfahrt: Hände nach oben, Linkskurve, Rechtskurve und nach hinten. Die Pfahlbronner Bobfahrer sind mit Spaß dabei und das mit Sicherheit noch bis früh um zwei. So lange ist Schankerlaubnis erteilt und so lange regiert die bayrisch, schunkelnde, lebensfrohe Leichtigkeit in Pfahlbronn.

Auf der Anfahrt

Die Parkplatzsituation wirkt um das Bürgerzentrum in Pfahlbronn relativ entspannt.

Das Elterntaxi wird zahlreich genutzt. Viele Eltern setzen Ihre Sprösslinge samt Freunden kurz vor der Halle ab.

Clever auch eine Delegation aus Mutlangen. Gleich neun Partylustige und allesamt Mitglieder des dortigen Musikvereins entsteigen einem Sprinter mit dem Schriftzug „Mutlanger Partybus“. Sie sind zum zweiten Mal in Pfahlbronn. Den Bus für Wochenendunternehmungen haben sie privat finanziert und so viel verraten sie: „Er fährt fast jedes Wochenende, der Fahrer wird jeweils auserkoren“.

Und da ist dann noch das Paar aus Schorndorf. Sie haben ihre erwachsenen Kinder hergefahren und bleiben aber dann da und feiern mit. „Die Musik gefällt uns sehr gut“, versichert das Paar mittleren Alters, das schon zum vierten Mal beim Dirndl- und Lederhosenball ist. Allerdings blieb die Tracht zu Hause: karierte Bluse/Hemd genügt vollkommen.

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