Alfdorf Wein abseits von Trauben

Christian Siekmann, 26.11.2016 00:00 Uhr
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Michael Hochleitern stellt in Hintersteinenberg Fruchtweine, vor allem Met, her. Aus dem Himbeer-Wein könne man einen Wein-Cocktail zaubern. Foto: Habermann / ZVW
Michael Hochleitern stellt in Hintersteinenberg Fruchtweine, vor allem Met, her. Aus dem Himbeer-Wein könne man einen Wein-Cocktail zaubern.Foto: Habermann / ZVW

Alfdorf-Hintersteinenberg. „Man muss in einem kleinen Ort etwas tun“, sagt Michael Hochleitner überzeugt. Viele in Hintersteinenberg hätten ein sinnvolles Hobby. Er auch. Seit rund drei Jahren wohnt er dort, seit mehr als einem Jahr stellt er edle Frucht- und Honigweine her. „Wein abseits von Trauben – regional, handgemacht und hochwertig“, sagt der Inhaber der Privatkellerei stolz und zeigt, dass er nicht nur seine edlen Tropfen auf der Zunge, sondern auch das Marketing im Blick hat. Eine Kostprobe.

Video: Michael Hochleitner aus Alfdorf zeigt, wie er seinen Himbeer-Fruchtwein "Junge Charlotte" herstellt.

Er kredenzt eine „freche Lotte“. Wenn seine Frau Freundinnen zu Besuch habe, frage niemand mehr nach Hugo. „Versuchen Sie meine ‚Himbene‘: Himbeerwein-Schorle auf Eis mit Zitronenverbene“. Der Redakteur lässt sich nicht lange bitten, gibt vor, er hätte Ahnung, riecht, schwenkt das Glas fachmännisch und probiert. Das schmeckt hervorragend. „Meine Passion und Nebengewerbe ist die Herstellung hochwertiger Frucht- und Honigweine, zumeist und nach Möglichkeit aus regionalen Zutaten“, schildert der 34-Jährige, der schon immer gerne Wein getrunken hat. „Es ist auch der Versuch, die zu Unrecht verpönten Frucht- und Honigweine in ein besseres Licht zu rücken“. Nicht nur sein Met schmeckt, sagt Hochleitner überzeugt. „Vielleicht erfindet meine ‚Ein-Mann-Kellerei‘ gerade nach dem beliebten Craft-Beer den Craft-Wine?“

Hochleitner präsentiert sich als akribischer Weinhersteller, der Klartext spricht, selbstbewusst auftritt und sich dabei selbstkritisch gibt. Er trinkt gerne Met, aber nur guten Met! Doch, oh weh, mehrheitlich sei das doch „völlige Plörre“, was man beim Discounter kaufen könne: „überzuckertes Zeug, ein geist- und seelenloses Monster! Meine Weine entfalten im Glas ein wundervolles Bouquet, sind dabei herrlich leicht, aber intensiv bis sehr stark im Geschmack. Fruchtig, aber nicht unbedingt lieblich und mit einem harmonischen sauren Abgang“, sagt er und blickt auf eine Flasche „Barulinger Waldfruchtwein“.

Bei Mittelalter-Fans die Nummer 1

Er sei ein „bekennender Fan württembergischer Weine“, doch, bei „meinem Waldfruchtwein werden Sie nahezu alle sechs Beerensorten herausschmecken können.“ Vor allem der Met, also „Honig-Frucht-Wein“, hat es dem Alfdorfer angetan. Dafür bekam er stets gute Kritiken. Er baute seine Produktion aus und firmiert nun als „Privatkellerei Michael Hochleitner“. Er setzt Apfel hinzu, das bringe Säure. Man habe seinen Met schon mit einen hochwertigen fruchtigen Weißwein mit einer Honignote im Abgang verwechselt, sagt die Ein-Mann-Kellerei aus Hintersteinenberg. Ein befreundeter Mittelalter-Fan, der durch Europa tourt, habe ihm gesagt, sein Met aus Alfdorf sei bei ihm und seinen Freunden die Nummer 1. Darauf könne er sich ruhig etwas einbilden, habe ihm der Freund gesagt. Seinen „Ur-Met“ stelle er nach einem Rezept von 1320 her, mit Hallertauer Hopfen und Salbei.

Vor rund 13 Monaten hat er ein Gewerbe angemeldet und seine Produktionsstätte im Haus ausgebaut. „Es ist eine Nische“, sagt er über die Fruchtwein-Kellerei. Er müsste schon viel Überzeugungsarbeit leisten, denn „jeder rümpfe bei Met und Fruchtweinen die Nase“. Er habe als Weingenießer und Autodidakt einen Met genau nach seinem Geschmack hergestellt. „Ich liebe gute Weine. Ich will einen Wein, der dem typischen Viertelesschlotzer schmeckt!“ Er weiß, dass regionale Sachen im Kommen sind. Auch darum hat er sich einen eigenen Online-Shop gebaut. „Ich verlasse klassische Pfade“, hält er fest, obwohl er mit dem Himbeer-Wein „Junge Charlotte“ einen klassischen Damen-Wein im Angebot habe. Seine Frucht-Weine verkauft er an Dorfläden und will nun vermehrt auf Märkten aktiv werden.

Met könne man kühl im Sommer oder warm im Winter genießen

Met sei vor allem ein Geschenkwein, sagt er, nicht unbedingt ein Konsumwein – obwohl er das ja ändern will. Sein Met sei komplex, vielfältig, fruchtig und habe im Abgang ein „wundervolles Honigaroma“. Zusätzlich könne man sagen, dass er gesund ist oder sogar „gesund macht! Ob kühl im Sommer oder warm im Winter, ob jung ob alt; er ist gesund und lecker“, redet sich der junge Weinkenner in Begeisterung.

Und nun kredenzt er den Met. „Der riecht eher nach Wein“, wundert sich der Redakteur. „Das ist meine Absicht“, freut sich Michael Hochleitner. Das sei ein „anspruchsvoller Met“. Dutzende Flaschen stehen in seiner Küche zum Verkauf bereit. Auf dem Boden stehen Fässer, in denen neuer Met reift. „Nicht jede Flasche schmeckt gleich“, sagt er. Er verwende Blatt-, keinen Blütenhonig. „Süß, etwas herb, fruchtig und süffig“ müsse der Wein sein. Laufe etwas schief, was in letzter Zeit kaum noch der Fall gewesen sei, dann verschenke er die Weine und trinke sie selbst.

Chemie, Physik, Leidenschaft und Durst

Denn er sei extrem selbstkritisch, es sei schwer, dass er seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden könne, sagt er über sich. „Beim Wein ist das anders.“ Mit seinem Wein ist er meistens sehr zufrieden. Streng nach Rezept müsse er nicht mehr vorgehen. Das habe er mittlerweile raus. Die Weinherstellung habe viel mit Chemie und Physik zu tun, und natürlich Leidenschaft und auch mit Durst auf gute Tropfen. Dabei mag der 34-Jährige auch gutes Bier. „Ich bin wohl der einzige Weinmacher, der während des Weinmachens ein Bier trinkt“, sagt er.

Dann zeigt er, wie er seine Weine herstellt. Das Gesundheitsamt habe alles abgenommen. Er bereitet einen Himbeerwein vor. 300 Gramm Himbeeren kommen bei ihm in eine Flasche. In einem Bottich schwimmen bereits Himbeeren. Dann gibt er Maische hinzu, hier ein paar Kilo frische Himbeeren. Dann nimmt er „technische Feineinstellungen“ vor, unter anderem Antigeliermittel, und schaut, dass sich das „harmonische Dreieck aus Restsüße, Säure, Alkoholgehalt“ einstellt. Nun fügt er Hefenährsalz und später Zucker und Hefe hinzu, damit durch alkoholische Gärung die Alkoholbildung beginnt. Danach wird die Maische abgepresst. Zwischen den einzelnen Schritten liegen natürlich mitunter mehrere Tage. „Bei meinem Ur-Met kann es Monate dauern, bis er in die Flasche kommt.“

Spritzig herb wie Bier

Danach stehen wieder einzelne Arbeitsschritte an, unter anderem das Abpressen der Maische, die Sterilfiltration mit Schichtenfilter oder, beim Met, eine Kaltsterilisation. Damit würden beim Met die wertvollen Inhalte des Honigs nicht abgetötet. Ist irgendwann alles fertig, wird der Wein abgefüllt, verkorkt, verkapselt, gelagert, etikettiert, verkauft – und dann natürlich getrunken. „Mein Met schmeckt im Abgang „spritzig herb wie Bier – aber es bleibt Wein“ – ein Wein, abseits von Trauben, wie Michael Hochleitner auf seiner Internetseite stolz ankündigt – und bald weitere Sorten in sein Sortiment aufnehmen will.

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