Altkleidersammlung 146 ungenehmigte Container in Stuttgart

Jürgen Bock, 03.10.2012 10:00 Uhr
  Foto: Montage: StN
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Zahlen belegen die Vorwürfe. „In Leipzig hat ein Unternehmen die Stadt mit 300 Containern zugepflastert“, erzählt Voget. Als Krönung versah der illegale Anbieter die Behältnisse mit dem Aufdruck „Genehmigt“. In Stuttgart hat das Ordnungsamt in diesem Jahr bereits 146 ungenehmigte Container von der Straße geholt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 77, 2010 gar nur 24. „Das hat stark zugenommen“, weiß Andrea Kolbe von der Straßenverkehrsbehörde.

Auf die Verantwortlichen warten Geldstrafen – eigentlich. Denn sie lassen sich meist nicht blicken und nur schwer ermitteln. Nur zwei der Container sind in diesem Jahr abgeholt worden. „Offenbar kommt es die Täter billiger, sie einfach bei uns stehen zu lassen“, sagt Andrea Kolbe. Also werden die Behälter von der Stadt verschrottet.

Nur vier Organisationen dürfen in Stuttgart Container aufstellen

Container aufstellen dürfen in der Landeshauptstadt nur vier Organisationen: die Malteser, die Aktion Hoffnung, die Arbeiter-Samariter und die Aktion Friedensdorf. Bei den Sammlungen an der Haustür sieht das anders aus. Dort durfte bis zum Sommer jeder um Kleidung bitten. Das hat sich geändert. Am 1. Juni ist das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten. Seither müssen Sammlungen angezeigt werden. Falls es Bedenken gibt, kann die Stadt Verbote aussprechen. Bisher ist das noch nicht passiert.

Doch auch karitative Träger sind nicht frei von Vorwürfen. Oft wird beklagt, die billigen Kleider aus Europa zerstörten die heimische Textilindustrie besonders in Afrika. „Wir stellen uns dieser kritischen Diskussion“, sagt Vaas, „schließlich haben wir als kirchlicher Verein kein Interesse, unsere eigenen entwicklungspolitischen Bemühungen zu konterkarieren.“ Studien hätten ergeben, dass es lokal negative Auswirkungen geben könne. Die würden aber durch Jobs für Händler, Schneider oder Wäscherinnen aufgewogen. Voget spricht von „Wertschöpfungsketten“ – und warnt vor chinesischen Billigprodukten, die ansonsten den afrikanischen Markt überschwemmen könnten.

Die fünf Kleidungsstücke haben ihre lange Reise inzwischen beendet. Sie sind bei neuen Besitzern angekommen, in Rumänien oder Afrika. Alle sind verkauft worden, im Normalfall gleich mehrfach. Zwei davon immerhin für gute Zwecke. Der Lieblingspulli wird in Russland aufgetragen. Der Kleiderschrank ist leerer, die Tasche von manchem illegalen Geschäftemacher deutlich voller.

 
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