Asylserie Geflohen vor der Armut

Diana Nägele, 05.01.2016 00:00 Uhr
Sie sind aus Gambia geflohen: Essa Sanyang, Musa Balajo, Suleyman Njie und Ibra Sillah. Foto: Büttner / ZVW
Sie sind aus Gambia geflohen: Essa Sanyang, Musa Balajo, Suleyman Njie und Ibra Sillah.Foto: Büttner / ZVW

Korb. In Gambia gibt es keinen Krieg, trotzdem sehen viele Bewohner ihr Leben in Gefahr. So auch die Bewohner in der Korber Unterkunft. Sie werden unterdrückt, verfolgt, einige saßen im Gefängnis ein. Ihr einziger Ausweg: die Flucht als einzige Hoffnung – die Hoffnung, zu überleben.

Essa Sanyang schaut auf sein Mobiltelefon, tippt immer wieder Nachrichten ein. Das Telefon hilft ihm nicht nur, hier in Deutschland sich mit anderen zu vernetzen, sondern es ist auch das Mittel, um mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Kontakt zu bleiben. „Ich vermisse sie“, sagt er. Aber im Moment hat der 36-jährige Gambier keine Wahl, sagt er. „Wäre ich geblieben, wäre ich jetzt wahrscheinlich schon tot.“

„Wenn Frieden in Gambia herrsche, wären wir alle geblieben“, ergänzt Musa Balajo. Gambia, an der Westküste Afrikas gelegen, sei ein sehr schönes Land mit einer tollen Landschaft. „Wir lieben unser Land“, sagt Musa Balajo. „Jeder von uns liebt seine Heimat“, wirft Essa Sanyang ein. Und würde sich die Lage dort von einem Tag auf den anderen verbessern, blieben sicherlich die wenigsten in Deutschland. Der Grund hierfür sei eigentlich eine einzige Person: Diktator Yahya Jammeh. Er kam 1994 nach einem Putsch an die Macht. Seither übt er seine Macht und den Einfluss auf alles und jeden aus, wie es ihm gerade passt. Wer nicht pariert, wird inhaftiert, berichten die jungen Männer.

Von 90 Flüchtlingen, die in der Korber Unterkunft leben, stammen sieben aus Gambia. Fünf von ihnen berichten von ihren Erfahrungen, ihrem Schicksal, von dem, was sie erlebt haben und wovor sie Angst haben, dass es sich einmal wiederholen könnte, weil sie in Deutschland keine Zukunft haben könnten. Eine Tatsache, die sie verdrängen. Spricht man dies an, ist ihnen die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben. Erschrocken reißen sie die Augen auf, tauschen entsetzte Blicke.

Die Gambier erzählen davon, warum sie nach Deutschland gekommen sind. „Nicht wegen dem Geld“, sagt Musa Balajo. „Ich bin seit acht Monaten hier und verdiene kein Geld“, obwohl er es unbedingt möchte, das ist ihm anzumerken.

Die Zustände in Gambia scheinen weit entfernt zu sein, so unwirklich. „Wie bei uns vor 200 Jahren“, bringt es Manfred Schmidtmann auf den Punkt. Er ist Sprachhelfer, Mitglied im Korber Freundeskreis Asyl, wie auch Marlen Schwarz. Sie beide unterstützen die Flüchtlinge wie viele andere Korber Ehrenamtliche auch, damit sie im Alltag in Deutschland besser zurechtkommen, obwohl sie wissen, dass die Chancen für Gambier auf Asyl recht gering sind. In Gambia herrscht kein Krieg wie in Syrien. Doch das, was die Männer von ihrer Heimat berichten, scheint ebenso grausam zu sein, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut.

Essa Sanyang ist Polizist von Beruf. Mehrere Monate lang sei er im Gefängnis gesessen. Seine Frau und seine Kinder waren zu schwach für die Reise. Denn zunächst floh er nach Libyen. „Dort herrscht Krieg. Da kann man nicht bleiben“, sagt er. Also wanderte er weiter wie viele über Sizilien nach Europa. „Es war eine schreckliche Reise.“ Zurzeit arbeitet er im Rebblick als Küchenhilfe, schält Gemüse, wäscht Salat. „In Deutschland schaut die Regierung nach den Leuten, nach den Bedürfnissen“ – ein Grund, warum die Bundesrepublik sein Ziel gewesen ist.

Keine Meinungsfreiheit

Suleyman Njie ist Farmer von Beruf. Der 23-Jährige arbeitete auf den Ländereien der Familie. Präsident Yahya Jammeh wollte ihn zur Arbeit auf den staatlichen Anlagen zwingen. Nachdem er dies verweigerte, musste er zwei Monate ins Gefängnis. Als er wieder draußen war, sei er geflohen, wonach seine Eltern in Gefangenschaft genommen wurden, als Druckmittel, um ihn zur Rückkehr zu zwingen. „Ich bin nicht zurückgekommen“, sagt der 23-Jährige mit starrem Blick, seine Augen wirken emotionslos. „Man sollte eigentlich frei sein und tun können, was man möchte“, sagt er. In Gambia sei das aber nicht so. Es herrscht keine Meinungsfreiheit.

Bakawsu Juwara ist Straßenbauarbeiter, abends helfe er auf der Farm der Familie aus. Warum er sich zur Flucht gezwungen sah, liege daran, dass er mit dem vorherigen Präsidenten verwandt sei. Alle, die dem aktuellen Präsidenten Yahya Jammeh nicht in den Kram passen, werden aus dem Weg geschafft.

Ibra Sillah ist in erster Linie vor der eigenen Familie geflohen. Von ihr wird er nicht geduldet und spricht von Anfeindung. Ein Monat lang sei er im Gefängnis gesessen. Er spricht von seiner Heimat, in welcher Bestechung und Korruption weit verbreitet sind, wie er sagt.

„Wenn ein anderer Präsident an der Macht ist, kehren viele zurück“, sind sich die Männer einig. „Wir haben viele Länder durchkreuzt – und zwar nicht, um unmittelbar wieder zurückzumüssen“, sagt Essa Sanyang. „Gambia ist ein kleines Land“, sagt Musa Balajo. „Zu klein, dass es sich verschiedene Gruppen miteinander teilen.“

Eigens finanziert

Bevor Musa Balajo seine Heimat Gambia verlassen hat, habe er sich einmal mit einem Freund getroffen und sich über die aktuelle Lage in Gambia unterhalten. „Eigentlich sollte man gegen die Politik demonstrieren.“ Doch keiner darf frei seine Meinung sagen. „Man würde gleich ins Gefängnis kommen.“ Eigentlich sei sein Ziel ein afrikanischer Nachbarstaat gewesen. Doch es gibt kaum einen Ort, an dem man sich sicher fühle.

Musa Balajo (20) will wie viele andere in Deutschland bleiben, sich integrieren und hier arbeiten. Den Schlüssel sieht er in der Sprache, weshalb er zum Sprachunterricht, den der Korber Freundeskreis Asyl anbietet, einen Sprachkurs an der VHS besucht. Die Kursgebühr bezahlt er selbst, genauso wie das Busticket nach Waiblingen.

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Kommentare (33)
Malschaun • vor 9 Monaten
Na klar die sind alle so qualifiziert das Sie in 5 Jahren alle Millionäre sind !!!
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Rita • vor 9 Monaten
Überschrift, Geflohen vor der Armut, da kann ich nur lachen. Immer und überall heißt es, Deutschland ist ein, sogar das reichste Land. Ist ja dann zwangsläufig so, dass alle andern Arm oder Ärmer sind!! Und logischerweise von überall her die Lawinen rollen. Reich sind wir nur geworden, durch Innovation, Fleiß, Arbeit und den rechtschaffenden Menschen von überall her. Aber Gewiss nicht durch das dummgelabere von unseren Volksvertretern. Und ganz schnell kann man arm werden. Arm an politischer Intelligenz und Weitsicht sind wir schon.
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Britta • vor 9 Monaten
Gemäß geltendem Recht ist allen sogen. Flüchtlingen die "Einreise" nach Deutschland von einem unserer Nachbarländer, die ausnahmslos sichere Drittstaaten sind, zu verweigern. Wie kann man so schön auf der Homepage des BAMF nachlesen: "Wenn ein Ausländer bereits einen anderen Staat erreicht hat, in dem er gleichfalls Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten kann, ist ihm die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland bereits an der Grenze zu verweigern. Denn wer aus einem "sicheren Drittstaat" einreist, kann sich nicht mehr auf das Grundrecht auf Asyl berufen (§ 26a AsylVfG)." Für die Masseneinwanderungspläne der "unseligen Globalisierer" zur Zerstörung von Deutschland als Staat und den Deutschen als Volk, wurde nicht "nur" die Demokratie faktisch abgeschafft, sondern auch die Rechtsstaatlichkeit.
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Leser Britta • vor 9 Monaten
Wenn es Paragrafen gibt kann man doch dagegen klagen oder? Gibt es nicht fähige deutsche Anwälte, die sich wie im finanziellen Anlagebereich, eine Schutzgemeinschaften aufbauen können. Sozusagen im "Sinne des deutschen Volkes"?
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drWaschbaer • vor 9 Monaten
Wenn man über die gesamte politische Situation in unserem Land nachdenkt erkennt nur noch ein allmächtiges, politisches Wirrwar! Jede Partei beharrt auf ihren Standpunkt, koste es was es wolle! Da wird nach meiner Betrachtung gestritten auf Teufel komm raus, ob man Recht hat oder nicht! Gute Gesetzesvorlagen sind da, werden aber leider nicht zügig umgesetzt. Die Forderung des Staates, an die Migranten muss lauten, Sie müssen sich integrieren, dass verlangen wir von ihnen und das ist ihre Bring Pflicht! Wer sich gegen diese Forderung stellt, der gehört auf dem gleichen Weg zurückgeschickt, auf dem man "unser Land" geflutet hat! Es fehlt ein hartes Durchgreifen unseres Staates, gegen diese Personen die hierzulande deutsche Gesetze mit Füssen treten und unsere Justiz verhöhnen. Bei uns darf sich der Migrant auch in alle Öffentlichkeit auf den Marktplatz stellen um rumbrüllen, ich fi… alle Deutschen, dieser Clip ist auf YouTube zu finden! Dann klatschen sich diese Banditen vor lachen noch auf ihre Bäuche, über die Dummheit ihrer Gastgeber! Wer ein aufmerksamer Zeitungsleser ist, musste leider feststellen, dass sich die Kölner Verhältnisse, wenn auch nicht so massiv wie auf der Domplatte, im ganzen Land zugetragen haben. Es wird von der Politik zurzeit sehr viel beschönigt, getäuscht, getrickst und relativiert, was sehr verwerflich ist. Wenn man in der freien Wirtschaft mit so einer Zielstrebigkeit arbeiten würde, wie zurzeit in der Politik, dann würden wir uns nur noch über Firmenpleiten unterhalten. Straffällige Asylantragsteller, die verlegt man einfach in andere Einrichtungen! Der deutsche Bürger der sein Parkknöllchen nicht bezahlen will, der kann laut Gesetz letztendlich auch in Beugehaft genommen werden. Aber Politiker, Hochmut, kommt bekanntlich vor dem Fall und der Tag kommt mit unseren Regionalwahlen!
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Gerd Quast • vor 9 Monaten
An Schreiber Anonym: wie soll man noch sinnvoll differenzieren, wenn sich allgemein eine Art Unmut einstellt und die Unvoreingenommenheit mittlerweile der Angst gewichen ist? Woher soll man noch wissen wer mit welchen Absichten hier ist? Fakt ist doch dass extrem viele Straftaten von Ausländern/Immigranten begangen werden. Und von den Politikern ist doch kein einziger in der Lage es besser zu machen. Nur eins ist mir klar: Mekel sollte schleuningst weg.
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drWaschbaer Gerd Quast • vor 9 Monaten
Sehr geehrter Herr Quast, ich bitte doch um Ihr Verständnis, wenn es einige Kommentatoren vorziehen, in der heutigen Zeit Anonym zu bleiben! Dafür gibt es bestimmt wichtige Gründe! Leider ist es eine traurige Tatsache, dass Menschen versuchen ihre politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen! Ich persönlich lehne rechte, genau so wie linke Gewalt strickt ab. Wer anfängt mit brüllen oder sich mit gewaltbereiten Aktionen, versucht durchsetzen, der ist weit weg von Demokratie und hat keine positiven Argumente mehr! Es ist furchtbar, dass Deutsche, durch einen von außen kolportierten Konflikt, anders denkende, den Schädel einschlagen! Quelle MDR, vom 16.01.2016: In Oschersleben wurde am Samstagnachmittag eine Gruppe von Rechten nach der Rückkehr aus Magdeburg von mutmaßlichen Linksautonomen angegriffen. Mehr als 20 Vermummte gingen am Bahnhof mit Eisenstangen, Baseballschlägern und Holzlatten unvermittelt auf ihre Opfer los, berichtete die Polizei. Einer der Rechten erlitt dabei schwere Kopfverletzungen und musste notoperiert werden. Drei weitere wurden verletzt. Die Täter flüchteten! Die Polizei ermittelt wegen besonders schweren Landfriedensbruchs. Bereits am Freitagabend waren bei einer Demonstration der linken Szene in Magdeburg vier Polizisten verletzt worden, Beamte wurden mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Auch Einsatzfahrzeuge und Hauswände wurden beschädigt. Die Polizei leitete 15 Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung ein! Gewalt erzeugt immer Gegengewalt, das war noch nie anders! Sind wir jetzt soweit, dass sich Deutsche untereinander, wegen der importierten merkelschen Flüchtlingskrise, die Köpfe einhauen? Immer nach dem Motto: Willst du nicht mein Bruder sein, dann schlage ich Dir den Schädel ein?
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