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Asylserie Geflohen vor der Armut

Sie sind aus Gambia geflohen: Essa Sanyang, Musa Balajo, Suleyman Njie und Ibra Sillah. Foto: Büttner / ZVW

Korb. In Gambia gibt es keinen Krieg, trotzdem sehen viele Bewohner ihr Leben in Gefahr. So auch die Bewohner in der Korber Unterkunft. Sie werden unterdrückt, verfolgt, einige saßen im Gefängnis ein. Ihr einziger Ausweg: die Flucht als einzige Hoffnung – die Hoffnung, zu überleben.

Essa Sanyang schaut auf sein Mobiltelefon, tippt immer wieder Nachrichten ein. Das Telefon hilft ihm nicht nur, hier in Deutschland sich mit anderen zu vernetzen, sondern es ist auch das Mittel, um mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Kontakt zu bleiben. „Ich vermisse sie“, sagt er. Aber im Moment hat der 36-jährige Gambier keine Wahl, sagt er. „Wäre ich geblieben, wäre ich jetzt wahrscheinlich schon tot.“

„Wenn Frieden in Gambia herrsche, wären wir alle geblieben“, ergänzt Musa Balajo. Gambia, an der Westküste Afrikas gelegen, sei ein sehr schönes Land mit einer tollen Landschaft. „Wir lieben unser Land“, sagt Musa Balajo. „Jeder von uns liebt seine Heimat“, wirft Essa Sanyang ein. Und würde sich die Lage dort von einem Tag auf den anderen verbessern, blieben sicherlich die wenigsten in Deutschland. Der Grund hierfür sei eigentlich eine einzige Person: Diktator Yahya Jammeh. Er kam 1994 nach einem Putsch an die Macht. Seither übt er seine Macht und den Einfluss auf alles und jeden aus, wie es ihm gerade passt. Wer nicht pariert, wird inhaftiert, berichten die jungen Männer.

Von 90 Flüchtlingen, die in der Korber Unterkunft leben, stammen sieben aus Gambia. Fünf von ihnen berichten von ihren Erfahrungen, ihrem Schicksal, von dem, was sie erlebt haben und wovor sie Angst haben, dass es sich einmal wiederholen könnte, weil sie in Deutschland keine Zukunft haben könnten. Eine Tatsache, die sie verdrängen. Spricht man dies an, ist ihnen die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben. Erschrocken reißen sie die Augen auf, tauschen entsetzte Blicke.

Die Gambier erzählen davon, warum sie nach Deutschland gekommen sind. „Nicht wegen dem Geld“, sagt Musa Balajo. „Ich bin seit acht Monaten hier und verdiene kein Geld“, obwohl er es unbedingt möchte, das ist ihm anzumerken.

Die Zustände in Gambia scheinen weit entfernt zu sein, so unwirklich. „Wie bei uns vor 200 Jahren“, bringt es Manfred Schmidtmann auf den Punkt. Er ist Sprachhelfer, Mitglied im Korber Freundeskreis Asyl, wie auch Marlen Schwarz. Sie beide unterstützen die Flüchtlinge wie viele andere Korber Ehrenamtliche auch, damit sie im Alltag in Deutschland besser zurechtkommen, obwohl sie wissen, dass die Chancen für Gambier auf Asyl recht gering sind. In Gambia herrscht kein Krieg wie in Syrien. Doch das, was die Männer von ihrer Heimat berichten, scheint ebenso grausam zu sein, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Armut.

Essa Sanyang ist Polizist von Beruf. Mehrere Monate lang sei er im Gefängnis gesessen. Seine Frau und seine Kinder waren zu schwach für die Reise. Denn zunächst floh er nach Libyen. „Dort herrscht Krieg. Da kann man nicht bleiben“, sagt er. Also wanderte er weiter wie viele über Sizilien nach Europa. „Es war eine schreckliche Reise.“ Zurzeit arbeitet er im Rebblick als Küchenhilfe, schält Gemüse, wäscht Salat. „In Deutschland schaut die Regierung nach den Leuten, nach den Bedürfnissen“ – ein Grund, warum die Bundesrepublik sein Ziel gewesen ist.

Keine Meinungsfreiheit

Suleyman Njie ist Farmer von Beruf. Der 23-Jährige arbeitete auf den Ländereien der Familie. Präsident Yahya Jammeh wollte ihn zur Arbeit auf den staatlichen Anlagen zwingen. Nachdem er dies verweigerte, musste er zwei Monate ins Gefängnis. Als er wieder draußen war, sei er geflohen, wonach seine Eltern in Gefangenschaft genommen wurden, als Druckmittel, um ihn zur Rückkehr zu zwingen. „Ich bin nicht zurückgekommen“, sagt der 23-Jährige mit starrem Blick, seine Augen wirken emotionslos. „Man sollte eigentlich frei sein und tun können, was man möchte“, sagt er. In Gambia sei das aber nicht so. Es herrscht keine Meinungsfreiheit.

Bakawsu Juwara ist Straßenbauarbeiter, abends helfe er auf der Farm der Familie aus. Warum er sich zur Flucht gezwungen sah, liege daran, dass er mit dem vorherigen Präsidenten verwandt sei. Alle, die dem aktuellen Präsidenten Yahya Jammeh nicht in den Kram passen, werden aus dem Weg geschafft.

Ibra Sillah ist in erster Linie vor der eigenen Familie geflohen. Von ihr wird er nicht geduldet und spricht von Anfeindung. Ein Monat lang sei er im Gefängnis gesessen. Er spricht von seiner Heimat, in welcher Bestechung und Korruption weit verbreitet sind, wie er sagt.

„Wenn ein anderer Präsident an der Macht ist, kehren viele zurück“, sind sich die Männer einig. „Wir haben viele Länder durchkreuzt – und zwar nicht, um unmittelbar wieder zurückzumüssen“, sagt Essa Sanyang. „Gambia ist ein kleines Land“, sagt Musa Balajo. „Zu klein, dass es sich verschiedene Gruppen miteinander teilen.“

Eigens finanziert

Bevor Musa Balajo seine Heimat Gambia verlassen hat, habe er sich einmal mit einem Freund getroffen und sich über die aktuelle Lage in Gambia unterhalten. „Eigentlich sollte man gegen die Politik demonstrieren.“ Doch keiner darf frei seine Meinung sagen. „Man würde gleich ins Gefängnis kommen.“ Eigentlich sei sein Ziel ein afrikanischer Nachbarstaat gewesen. Doch es gibt kaum einen Ort, an dem man sich sicher fühle.

Musa Balajo (20) will wie viele andere in Deutschland bleiben, sich integrieren und hier arbeiten. Den Schlüssel sieht er in der Sprache, weshalb er zum Sprachunterricht, den der Korber Freundeskreis Asyl anbietet, einen Sprachkurs an der VHS besucht. Die Kursgebühr bezahlt er selbst, genauso wie das Busticket nach Waiblingen.

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