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BauwirtschaftPolitik muss verlässlich sein

olm, vom 17.06.2012 15:07 Uhr
Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg erwartet verlässliche Rahmendaten von der Landespolitik. Foto: Mierendorf
Die Bauwirtschaft in Baden-Württemberg erwartet verlässliche Rahmendaten von der Landespolitik.Foto: Mierendorf

Stuttgart - Bernhard Sänger kennt beide Seiten. Als Unternehmer leitet der 64-Jährige seit dem Jahr 1982 im Freiburger Ortsteil Ebnet das mittelständische Bauunternehmen Bernhard Sänger mit 20 Mitarbeitern. Kommunale Erfahrung hat der neue Präsident der baden-württembergischen Bauwirtschaft aber auch. Seine Heimatgemeinde Ebnet wählte ihn im Jahr 2009 zum ehrenamtlichen Ortsvorsteher. In dieser Funktion muss Sänger zusammen mit dem Ortsbeirat darüber entscheiden, ob die Ortsdurchfahrt erneuert wird oder die in die Jahre gekommene Mehrzweckhalle energetisch saniert wird. „Wollen tät' ich viel, aber es muss auch machbar sein”, lässt er sich zitieren und gibt damit auch den roten Faden für die nächsten drei Jahre seiner Amtszeit als Präsident in einem der einflussreichsten Interessenvertretungen der Bauwirtschaft mit rund 1600 Mitgliedsbetrieben und 37 000 Mitarbeitern in Baden-Württemberg vor.

 „Heute will sich keiner mehr die Hände dreckig machen”

Bernhard Sänger sieht sich in seinem neuen Ehrenamt in erster Linie als Realist. „Lieber eins nach dem anderen als alles auf einmal wollen und dann gar nichts haben”, ist seine Devise. Er will in seiner Amtszeit Prioritäten setzen und ein Präsident mit Maß und Ziel sein. Ganz oben auf seiner Agenda stehen dabei verlässliche politische Rahmenbedingungen. Die vermisst der 64-Jährige im Land. Es könne nicht angehen, dass zum Beispiel bei den durchaus sinnvollen Landesvorschriften für die energetische Sanierung jedes Jahr etwas Neues draufgepackt werde. Dadurch werde das Bauen immer teurer. Schon heute wären sich die Gutachter nicht einig, was überhaupt noch sinnvoll ist, kritisiert er. Die derzeitige Entwicklung im Hochbau sieht Sänger mit gemischten Gefühlen. Einerseits würde der durch die derzeit niedrige Zinssituation und die Kapitalflucht in Betongold ausgelöste private Wohnungsbau der Branche guttun. „Die Bauunternehmen im Land müssen derzeit nicht jeden Auftrag um jeden Preis annehmen”, so Sänger. Allerdings seien die ausgehandelten Preise immer noch schlecht und der Wettbewerb teilweise ruinös. Auf der anderen Seite fehlt es der Baubranche an allen Ecken und Kanten an Facharbeitern. Vor allem tut sich die Branche schwer, qualifiziertes Personal zu finden. Glaubt man den Voraussagen der Statistiker, werden allein im deutschen Bauhauptgewerbe bis im Jahr 2020 rund 10 000 qualifizierte Facharbeiter fehlen. „Heute will sich keiner mehr die Hände dreckig machen”, versucht sich Bernhard Sänger in der Ursachenforschung. Für den Bauingenieur war immer klar, auf dem Bau arbeiten zu wollen.

„Die Baulandverdichtung ist auch für uns ein ganz wichtiges Thema”

„Ich wollte im Leben nie wie ein Architekt nur Striche ziehen.” Deshalb kann er es auch nicht verstehen, wenn Lehrer ihren Schülern immer noch davon abraten, ein Bauhandwerk zu erlernen. Zumal der Ruf der Branche sich in den letzten Jahren deutlich verbessert habe. „Heute werden auf dem Bau Sprudel und Saft getrunken. Alkoholisiert zu arbeiten, kann sich heute keiner mehr leisten”, sagt er.

Sänger glaubt zu wissen, das sich der Mangel an Fachkräften in einigen Jahren auf das Lohnniveau auswirken wird. „Qualifizierte Facharbeiter werden dann wie Studiendirektoren bezahlt”, ist er sich sicher. Bis es aber so weit ist, rührt das Bauhauptgewerbe weiter eifrig die Werbetrommel für ihre Branche auf Ausbildungsmessen und in Schulen. Erste Erfolge scheinen sich bereits abzuzeichnen. So sei die Nachfrage nach einer Ausbildung zum Baugeräteführer fast genauso beliebt wie eine Lehre als KfzMechaniker, heißt es aus dem Verband.

Mehr Sorgen bereitet dem neuen Präsidenten indes die Entwicklung beim Straßenbau im Land. Die Ankündigung der grün-roten Landesregierung, zugunsten der Sanierung bestehender Straßen keine neuen Straßenbauprojekte mehr im Land anzugehen, halte er für falsch. Sie bedrohe zudem einen wichtigen Wirtschaftszweig, da die Straßenbauer aufgrund des hohen Spezialisierungsgrades nicht auf andere Baugewerke ausweichen könnten. Für falsch hält Bernhard Sänger auch den Weg, den ländlichen Raum weiter auszudünnen, in dem immer weniger Bauland ausgewiesen wird. „Die Baulandverdichtung ist auch für uns ein ganz wichtiges Thema”, erklärt er. Man dürfe sich dann aber auf der anderen Seite auch nicht darüber wundern, wenn aufgrund des immer knapper werdenden Angebots die Preise steigen und normale Familien sich kein Eigenheim mehr leisten können. Hier sei die Politik in der Pflicht, maßvoll neue Flächen zu schaffen, um den Wohnhausneubau zu fördern.

Kritik kommt vom neuen Präsidenten auch an der Verordnungswut aus Brüssel. Zu viel Bürokratie belaste die mittelständischen Bauunternehmen. Unpraktikable Arbeitsschutzvorschriften oder überzogene Dokumentations- und Meldepflichten würden erhebliche Beeinträchtigungen der Produktivität und des Betriebsablaufs nach sich ziehen, so Sänger.

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