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ConsenseJeder dritte Euro ist nachhaltig

olm, vom 01.07.2012 14:57 Uhr
Auf der Consense in Stuttgart wurde über nachhaltiges Bauen diskutiert. Auf der Fachmesse konnten sich die Experten über neue Materialien und Verfahren informieren. Foto: Dalcolmo
Auf der Consense in Stuttgart wurde über nachhaltiges Bauen diskutiert. Auf der Fachmesse konnten sich die Experten über neue Materialien und Verfahren informieren.Foto: Dalcolmo

Stuttgart - Seit fünf Jahren ist die Consense, Internationale Fachmesse und Kongress für nachhaltiges Bauen, Investieren und Betreiben, eine feste Größe im Terminkalender von Architekten, Planern, Ingenieuren und Investoren. Gastgeber ist neben der Messe Stuttgart die DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.

Im fünften Jahr ihres Bestehens sieht sich die DGNB mit ihrem Zertifizierungssystem bei den Bauherren in Deutschland angekommen und etabliert, betonte Präsident Professor Manfred Hegger bei der Kongresseröffnung am Dienstag. Das sieht auch Dr. Peter Mösle so, Geschäftsführer bei dem DGNB-Gründungsmitglied Drees & Sommer. Der Verein habe in den zurückliegenden Jahren viel erreicht. Vor allem sei es gelungen, die unterschiedlichen Strömungen und Interessen zu bündeln.

Unter heutigen Bedingungen hätte vermutlich kein anderes System mehr die Chance, derart breit in der Branche verankert zu sein, so der Experte. Denn der Zeitpunkt der Gründung der DGNB traf genau in eine Zeit, in der die Experten der Immobilien- und Baubranche gerade über die Rahmenbedingungen für mehr Nachhaltigkeit in Architektur und Technik diskutierten. Bis zu der Gründung der DGNB fehlte aber genau dafür eine Plattform in Deutschland, in der dieses Wissen und die notwendige Kompetenz hätten gebündelt werden können.

Von Anfang an sah die DGNB ihre Hauptaufgabe darin, Wege und Lösungen für nachhaltiges Planen, Bauen und Nutzen von Bauwerken zu entwickeln und zu fördern. Dazu gehören vor allem der Auf- und Ausbau eines Zertifizierungssystems für nachhaltiges Bauen sowie die Vergabe von Zertifikaten für Neubauten und Bestandsimmobilien.

„Eine kleine Revolution mit dem Mut zum Scheitern"

Mit Blick auf die Zukunft stellt Manfred Hegger klar, dass man auf dem Weg zu einer besseren Umwelt erst am Anfang stehe und noch viele dicke Bretter zu bohren habe. Das sieht Rick Fedrizzi, Präsident des World Green Building Council, ähnlich. Für ihn ist Nachhaltigkeit deshalb auch kein Selbstzweck. Es gehe vielmehr darum, sich die Lebensqualität zu erhalten, indem man neue Methoden einsetzt.

Der Council, der nach Toronto und Singapur jetzt in Stuttgart zu Gast war, ist ein weltweites Netzwerk von Non-Profit-Organisationen, das sich für eine nachhaltige Umwelt einsetzt. Zugleich ist er die größte internationale Organisation, die weltweite Maßstäbe für nachhaltiges Bauen setzt. Dazu gehört vor allem, die Schlüsselindustrien im Bausektor für eine Umstellung in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen.

Denn nach Ansicht von Experten ist der Energieverbrauch bei der Produktion von Baustoffen um ein Vielfaches höher, als er beim Heizen oder Kühlen entsteht. Während Werner Sobek, Präsident des DGNB von 2008 bis 2010 und Gastredner der Consense, schon „eine kleine Revolution mit dem Mut zum Scheitern braucht”, um etwas zu verändern, setzt Manfred Hegger auf die Aus- und Weiterbildung. Erstmals wurden dazu in diesem Jahr die Universitäten mit ins Boot der Consense geholt. Speziell auf Studierende ausgerichtet präsentierten Experten in der Consense University in kurzen Vorlesungen zentrale Aspekte des nachhaltigen Bauens. Auf der sogenannten Stage - einer Bühne inmitten der Aussteller - gab es für die Besucher zudem die Möglichkeit, direkt mit den internationalen Experten in Kontakt zu kommen.

Wer Handfesteres zum Beispiel über Gerüche aus Baustoffen erfahren wollte, konnte sich aktuelle Informationen im Forum holen. Auch im fünften Jahr ihres Bestehens wächst die DGNB kontinuierlich weiter. Heute gehören 1100 Organisationen und 500 ehrenamtliche Mitarbeiter der DGNB an, deren Sitz in Stuttgart ist. Über 750 nachhaltige Projekte wurden seit dem Jahr 2007 weltweit mit dem DGNB-Zertifikat ausgezeichnet oder sind derzeit zur Zertifizierung angemeldet.

Im ersten Jahr kamen gerade einmal 586 Fachleute, in diesem Jahr rund 2400 Besucher

Der Marktanteil der DGNB für die Zertifizierung nachhaltiger Gebäude und Stadtquartiere beträgt in Deutschland laut Hegger inzwischen 90 Prozent. Waren 2009 erst 21 Prozent aller Bürogebäude in Deutschland zertifiziert, sind es heute bereits 29 Prozent. „Das bedeutet, dass jeder dritte verbaute Euro in Deutschland in ein Green-Building-Gebäude gesteckt wird, rechnet der DGNB-Präsident auf der Eröffnungspressekonferenz der Consense vor.

So wurden im 1. Quartal 2012 laut DGNB 273 Gebäude in Deutschland nach DGNB zertifiziert und 25 nach dem amerikanischen LEED-System. Das ganze Thema Nachhaltigkeit entwickele sich immer mehr auch zu einem enormen Wirtschaftsfaktor. Die Messe sei dabei als „führende Kompetenzplattform” ein wichtiges Instrument, die Ziele der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen darzustellen, so Hegger weiter. Umfragen zufolge schätzen die Kongress- und Messebesucher bei der Consense vor allem dem kurzen Draht zu den Experten und Ausstellern.

Das schlägt sich auch in den Besucherzahlen nieder: Kamen im ersten Jahr gerade einmal 586 Fachleute zur Consense, waren es in diesem Jahr rund 2400 Besucher. Ein Erfolgsrezept der Consense sei dabei auch die Verbindung von Fachmesse mit hochkarätig besetztem Kongress, so der DGNB-Präsident. Das wird nicht von allen so gesehen. Wiederholt wurde von Fachbesuchern und auch Ausstellern bemängelt, die Fachmesse sei eher eine Aneinanderreihung von Infoständen und würde jedes Jahr weniger werden. Probleme mit der Akzeptanz der Fachmesse sieht man auch bei der DGNB. Deshalb wird seit Jahren versucht, mit zusätzlichen Anziehungspunkten wie in diesem Jahr dem „Forum” und dem „Stage” die Fachmesse visuell attraktiver zu gestalten. Abwanderungsgerüchten eines Teils der Consense - etwa als Teil der Bau in München - erteilte DGNB-Pressesprecher Martin Prösler aber kategorisch eine Absage, zumal der Termin für die nächste Consense 2013 in Stuttgart schon feststehe.

Ein Höhepunkt von Fachmesse und Kongress ist jedes Jahr die Verleihung von DGNB Zertifikaten und Vorzertifikaten für besonders herausragend geplante Objekte und Quartiere. In diesem Jahr wurde das Stadtquartier Think K - Alte Messe von Fürst Developments mit dem Vorzertifikat in Gold ausgezeichnet. Insgesamt erhielten 13 Objekte im Rahmen der Consense ein DGNB Zertifikat oder Vorzertifikat.

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