
Auf einen Klick
Debating: Reden als Wettbewerb. Den Gegner niederquatschen, aber mit Stil. Und das Ganze auf Englisch. Eine Nahaufnahme.
Langsam macht sich Nervosität im Team breit. Wurde das Thema der Debatte richtig verstanden? Sind keine wichtigen Aspekte vergessen worden? Wie wird die Gegenseite das Thema definieren?
Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit. Letzte Unstimmigkeiten im Team werden geklärt, englische Vokabeln nachgeschlagen.
Der Zeitrichter erhebt sich und erklärt die Spielregeln. Wie üblich, acht Minuten Redezeit für jede der ersten drei Reden der Teams. Jeweils vier Minuten für die letzte Rede der Mannschaften. Die sechs Debattanten nutzen die Zeit der Erklärungen derweil anderweitig. Sie kennen die Regeln ohnehin, konzentrieren sich lieber auf das, was gleich kommen wird.
„Hello ladies and gentlemen, welcome to this debate. The motion of today’s debate is that this house believes that free trade is good for the developing world.“
„Freier Handel ist für Entwicklungsländer gut“. Au Backe.
Die ersten drei Sprecher haben alle etwas unterschiedliche Aufgaben. In der ersten Rede der Proposition wird das Thema definiert. Des Weiteren werden eigene Argumente präsentiert. Der erste Redner der Opposition muss zusätzlich die präsentierten Argumente widerlegen. Ebenso die zweiten Sprecher der Teams. Die dritten Sprecher dagegen widerlegen erneut alle Argumente, deutlich detaillierter diesmal.
In den letzten Reden der beiden Teams, die jeweils von einem der vorigen Redner gehalten werden, distanziert sich der Sprecher etwas von der Debatte. Er fasst sie zusammen und hebt den Standpunkt des Teams hervor. World Schools Debating ist eine Form der Debatte in englischer Sprache, die an den British Parliamentary Style angelehnt ist nd die bei nationalen und internationalen Debattierwettbewerben für Schüler weite Verbreitung gefunden hat.
Nach Ende der Debatte ziehen sich die Wertungsrichter zurück. Sie bewerten das Gesehene und Gehörte und entscheiden, welches Team stärker war. Die Bewertung erfolgt in drei Kategorien. Zum einen wird der Stil, also das Auftreten und die Formulierungen, bewertet. Für die Entscheidung von größerer Bedeutung sind jedoch der Inhalt der Argumente und die Strategie. Hier zählen insbesondere die Struktur der Reden und die Eingliederung in das Gesamtbild des Teams. Es wird also nicht nur bewertet, was jemand sagt, sondern auch wie und in welcher Reihenfolge.
Beim Debating ist die eigene Meinung nicht gefragt. Jedes Teammitglied muss dazu fähig sein, sich unabhängig von persönlicher Neigung und Vorliebe in einen Standpunkt eindenken zu können. Ebenso gefragt sind ein großer Wortschatz, Überzeugungsfähigkeit, ein breit gefächertes Allgemeinwissen und Spontaneität.
Debating bedeutet auch Stress. Was tun, wenn die Argumente der Gegenseite einfach zu überzeugend sind? Zustimmen? Das geht im Debating nicht. Nicht umsonst wird das Debating auch manchmal von Rhetorikliebhabern als „Kunst des an die Wand Redens“ gesehen. Das Eingeständnis, dass man von den Argumenten der Gegenseite begeistert ist, kann man sich erst nach der Debatte machen. Auch die Geschwindigkeit, mit der manche Debatten vonstatten gehen, ist beeindruckend. Besonders, da Englisch für die meisten Schüler nicht Muttersprache ist.
So schult diese Redekunst nicht allein den Wortschatz, sondern im Besonderen das Gefühl, strukturiert zu denken und zu schreiben.
In the end, I declare this debate closed.
|
|
Marie-Kristin Döbler hat den Film über Colin Clarks Erinnerungen an Marilyn Monroe gesehen.
|
|