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„Der Hobbit“ im KinoZusammen ist man weniger allein

Nikolai B. Forstbauer, vom 12.12.2012 09:00 Uhr
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Wer ist wer in Mittelerde? Klicken Sie sich durch die Hauptfiguren in „Der Hobbit“. Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment
Wer ist wer in Mittelerde? Klicken Sie sich durch die Hauptfiguren in „Der Hobbit“.Foto: 2012 Warner Bros. Entertainment

Stuttgart - Bilbo ist zurück, Bilbo Beutlin. Der Halbling, der Herr unter dem Berg, jener alte Sonderling, der seinem Neffen Frodo den größten aller Zauberringe hinterlässt. Munter geht Bilbo durch die vielen sorgsam eingerichteten Räume seines tief in den Berg ­gebauten „Hauses“ – und wer J.R.R. Tolkiens Beschreibung des gemütlichen Hobbit­-Lebens im Auenland kennt oder Peter Jacksons Verfilmung des Tolkien-Epos „Der Herr der Ringe“, fühlt sich sofort zu Hause. Umso mehr, als die Ordnung in Bilbo Beutlins Welt einen doppelten Boden ahnen lässt – Bilder, Töne und Worte, die buchstäblich tiefer ­gehen.

Hier läuft der Film im Kino

Bilbos 111. Geburtstag soll gefeiert werden, und Frodo, der Held des Ringe-Dramas , ist aufgeregt. Ob wohl Gandalf kommt und eines seiner Feuerwerke zelebriert? Bilbo ­lächelt. Ja, sagt er, Gandalf, der große Zauberer, wird kommen. So wie damals, 60 Jahre zuvor, als er plötzlich vor Bilbo stand. Aber diese Geschichte ist noch nicht erzählt.

Das Bauern-Idyll der Hobbits ist bedroht

So bruchlos Peter Jackson in den ersten Minuten an die Szenerie von „Der Herr der Ringe“ anschließt, so verblüffend präzise er Tolkiens Erzählung auch nun wieder folgt – bis hinein in den ersten Satz „In einem Loch im Boden, da wohnte ein Hobbit“ und eine kurze Abhandlung über die Bedeutung des Grußes „Guten Morgen“ –, so deutlich macht er doch von Beginn an, dass er mehr vorhat, als mit Tolkiens „Hobbit“ die ­Vorgeschichte von „Der Herr der Ringe“ zu erzählen. Auch deshalb, weil er ja die Kinobesucher auf seiner Seite hat. Nur zu gut wissen sie, dass das Bauern-Idyll, wie es die Genremalerei des 19. Jahrhunderts erfand, und J. R. R. Tolkien es für sein 1937 als ­Kinderbuch angelegten „Hobbit“ zurecht­schrieb, bedroht ist. Die Erwartungen ­wilder Verfolgungen, donnernd aufgeladener Rückblenden und schwermütiger ­Beschwörungen legendärer Figuren und ihrer mit Eigenleben versehenen Schwerter werden in den 166 Minuten des ersten „Hobbit“-Teiles nicht enttäuscht.

Umso weniger, als Peter Jackson nicht nur auf die Tiefenräume des 3-D-Erlebnisses setzt, sondern mit der Verdichtung auf 48 Bilder pro Sekunde (24 sind seit 80 Jahren der ­Standard) eine Bildqualität anstrebt, die man bisher im Kino nicht gesehen hat. Jedoch – „Der Hobbit“ ist nicht wegen seiner Technik (die noch dazu Voraussetzungen verlangt, die nicht alle Kinos bieten können) sehenswert, sondern trotz des von Jackson eröffneten Wettlaufs um das schärfste, tiefste, schnellste Bild.

Zu verdanken ist dies zuvorderst Martin Freeman. Droht er ­zunächst unter dem ­Ansturm einer von Thorin Eichenschild (dem Richard Armitage nicht die Tiefe von Viggo Mortensens Aragorn in „Herr der Ringe“ geben kann) angeführten Schar Zwerge in den Hintergrund gedrängt zu werden, spielt er seinen Bilbo zunehmend in den Mittelpunkt. Mehr noch: Peter Jackson setzt im ersten Teil seiner als Trilogie angelegten „Hobbit“-Verfilmung deutlich auf das Zusammen- und Gegenspiel von Freemans Bilbo und – wie schon in „Herr der ­Ringe“ – Ian McKellen als Zauberer ­Gandalf.

Martin Freeman spielt Bilbo mit Respekt

Wer kann wem in welcher Weise vertrauen? Und warum? Diesen Fragen entlang macht Peter Jackson das Kinderbuch, das der „Hobbit“ einst war, zur bruchlosen, ja durch eigene Erzählstränge und Figuren ­geweitete ­Vorgeschichte des „Herrn der ­Ringe“. Die Zwerge, die von Gandalf zu ­Bilbo Beutlin geführt werden, wollen dem Drachen Smaug jenen Schatz wieder entreißen, den der fliegende Riese ihnen einst ­mit vernichtendem Feuer genommen hat. ­Gandalf hat ihnen in Bilbo Beutlin einen Meisterdieb versprochen – und das, obgleich der doch so gar nichts mehr zu haben scheint von der abenteuerlustigen mütterlichen ­Linie, den Tuks. Bilbo aber macht sich. Er hat nicht die Kraft der Menschen, nicht den Mut der Zwerge, nicht das Wissen der Elben – aber er vertraut. Martin Freeman spielt ihn mit Respekt, er nähert sich, umkreist die ­Figur, bis er schließlich seinen Hobbit ganz zu jenem Abenteurer macht, der gerade deshalb geachtet wird, weil er zweifelt.

Zusammen ist man weniger allein – das ist die Botschaft von Bilbos (unerwarteter) ­Reise, und Freeman sorgt dafür, dass man ihm und seiner Schar auch dann folgt, wenn Jackson es gar zu eilig hat mit seiner Folge von Schar­mützeln mit allerhand wilden ­Wesen. Ob Trolle, Orks oder Goblins – Jackson bietet, was der digitale Verwandlungsschrecken hergibt. Einer aber ist der Star dieser Riege: Gollum. Hobbit einst wie ­Bilbo, verliert die Krötengestalt in den ­Goblin-Höhlen seinen Schatz, einen goldenen Ring. Den einen Ring, dessen Besitzer die Welt knebeln kann. Den einen Ring, den Sauron, das personifizierte Böse, braucht, um endgültig zu siegen. Tolkien-Einsteiger brauchen hierfür jedoch einen Hinweis – und Peter Jackson liefert ihn mit der Ahnung eines Schattens.

Allein Gollum lohnt schon einen Kinobesuch

Zurück aber in Gollums Höhle. Es ist ja Bilbo, der dessen Schatz findet. Wie aber geht es hinaus, zurück ans Licht, zurück zu den verlorenen Gefährten? Ein Rätselduell soll helfen, und allein, um hier (wie in „Herr der Ringe“) den zum in sich gespaltenen Höhlenwesen degenierten Gollum im Bewegungsprofil von Andy ­Serkis zu erleben, lohnt den Kinobesuch.

Wunderbar auch Sylvester McGuy als leicht verwirrter Zauberer Radagast. Ihn macht Jackson zum von Tolkien nicht vorgesehenen Botschafter der schlechten Nachricht. Er übergibt Gandalf, was es nicht mehr geben darf – ein Schwert aus Mordor, Saurons Reich des Bösen. Wartet in Peter Jacksons Traumfabrik vielleicht noch mehr Tolkien-Stoff? Bis 2014 folgen wir nun, auf den Klangwogen Howard Shores, einem Halbling. Obwohl wir doch alles wissen, ­obwohl am Ende nur eine Geschichte fertig ­erzählt, ein Buch fertig geschrieben ist. Die Macht, die dies möglich macht, macht hier ernst mit ihren Möglichkeiten. Die Macht? Heißt Kino.

„Der Hobbit“ ist ab 12 Jahren freigegeben und läuft in den den Stuttgarter Kinos Cinemaxx (City+SI)­, Corso, Gloria und Ufa.

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