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DrehortHappy End im Wohnzimmer

olm, vom 03.06.2012 15:17 Uhr
Heute Wohnzimmer, morgen schon Motiv für eine Verhörszene. Das Bild zeigt die Aufnahmen zu einer Folge der ZDF-Vorabendserie „Soko Stuttgart“. Foto: Markus Fenchel
Heute Wohnzimmer, morgen schon Motiv für eine Verhörszene. Das Bild zeigt die Aufnahmen zu einer Folge der ZDF-Vorabendserie „Soko Stuttgart“.Foto: Markus Fenchel

Stuttgart - Paul Sebastian Moreau war schon in vielen Schlafzimmern in Stuttgart. Manchmal hat es ihm aber auch ein dunkler Keller in der Landeshauptstadt angetan. Der Locationscout sucht im Auftrag von Filmproduktionen nach interessanten wie außergewöhnlichen Drehorten für einen neuen „Tatort”- Krimi, ein Fernsehspiel oder einen großen Kinofilm. Am Anfang steht immer das Briefing der Produktionsfirma. Manchmal sind die Vorstellungen sehr detailliert, die Regisseur und Szenenbildner von den Drehorten haben. Ein anderes Mal bekommt Locationscout Moreau einfach nur das Drehbuch mit der Bitte zugeschickt, geeignete Vorschläge zu unterbreiten.

„Netzwerken ist in diesem Metier ganz wichtig”

Seit 2003 betreut der Marbacher Scout Filmproduktionen bei der Suche nach Locations. Die Arbeit setzt viel Einfühlungsvermögen voraus. „Wenn du nicht verstehst, was der Regisseur will, bleibt die ganze Motivauswahl ein Lotteriespiel.” In der Regel präsentiert Paul Sebastian Moreau seinen Auftraggebern mehrere Vorschläge für jede benötigte Filmimmobilie. Manchmal kann der Locationscout, der in Ludwigsburg Dokumentarfilm und Regie studiert hat, auf sein eigenes Locationarchiv zurückgreifen. Das eine oder andere Mal helfen ihm auch seine Kontakte zu Architekten oder Stadtverwaltungen. „Netzwerken ist in diesem Metier ganz wichtig.” Oft setzt sich Paul Sebastian Moreau aber auch in sein Auto und fährt die Gegend ab. „Wenn man sich in einer Stadt auskennt, weiß man in etwa, in welchen Straßen die infrage kommenden Immobilien stehen könnten”, sagt er. Manchmal ist es aber auch purer Zufall, der ihm eine neue Location vor Augen führt. Gefällt ihm ein Haus, kann es auch schon mal passieren, dass er spontan an der Haustür klingelt oder einen freundlichen Brief in den Briefkasten steckt, wenn niemand zu Hause ist. Die Reaktionen der Hauseigentümer sind unterschiedlich. Manche freuen sich, dass sich das Fernsehen für ihr Haus als Filmkulisse interessiert, und laden spontan zu Kaffee und Kuchen auf der Terrasse ein. Andere wiederum machen die Haustür erst gar nicht auf oder lassen den Locationscout ins Leere laufen. Manche Hausbesitzer haben einfach ein ungutes Gefühl dabei, einen Fremden in ihr Haus zu lassen.

Die Überlassung des eigenen Hauses für Filmaufnahmen kann sehr lukrativ sein

Andere befürchten ein undurchsichtiges Haustürgeschäft, ist die Erfahrung des Locationscouts, obwohl er eigentlich nicht den Eindruck eines Vertreters macht. Für Moreau ist seine Arbeit deshalb immer auch Beziehungsarbeit. Zuerst müsse das Vertrauen da sein, dann seien die Menschen auch gegenüber den geplanten Dreharbeiten aufgeschlossen, sagt er. Die Motive, warum Menschen einer Filmproduktion ihr Haus überlassen, sind dabei ganz unterschiedlich. „Für manche Leute - zumindest in der Landeshauptstadt - ist das Geld gar nicht mal so ein großer Anreiz”, ist eine Erfahrung von Moreau. Dabei kann die Überlassung des eigenen Hauses oder Gartens für Filmaufnahmen durchaus lukrativ sein. Unter Umständen werden pro Tag die gleichen Sätze bezahlt, die normale Mieter für einen ganzen Monat entrichten müssten.

Was aber letztendlich tatsächlich für die Überlassung der Immobilien an den Vermieter von der Filmproduktionsfirma bezahlt wird, hängt dabei von vielen Faktoren wie Produktionsart oder Dauer der Dreharbeiten ab. Manchmal wird auch nachts gedreht. Dann müssen unter Umständen die Bewohner im Hotel untergebracht werden. Oder das Haus muss komplett neu möbiliert werden, weil die Einrichtung nicht zu den im Film handelnden Personen passt. „Das passiert aber eher selten”, beruhigt Moreau.

An einem durchschnittlichen Filmset arbeiten bis zu 50 Personen

Die Auswahl, welches Haus letztendlich für die Dreharbeiten angemietet wird, trifft der Regisseur. Gemeinsam mit dem Szenenbildner werden unter Umständen vor Ort „trocken” - also ohne Stab, Schauspieler und Technik - einzelne Szenen durchgespielt. „Dabei wird überprüft, inwieweit sich die Immobilie für die gewählten Drehszenen eignet und was unter Umständen verändert werden muss”, erklärt Moreau. „Manchmal passen die Stühle nicht, das Bild an der Wand ist zu modern, oder die Wandfarbe ist nicht filmgeeignet”. Dann werden kurzerhand Stühle getauscht, Bilder abgehängt oder Wände neu gestrichen. Nach dem Dreh kommt alles wieder an den angestammten Platz, verspricht Moreau. „Manchmal merkt man gar nicht, dass wir da waren.” Der Locationscout bleibt während der gesamten Dreharbeiten auch der Ansprechpartner für die Hausbesitzer. Das sei schon deshalb wichtig, weil viele Menschen gar nicht wissen, was so ein Dreh überhaupt bedeutet.

An einem durchschnittlichen Filmset arbeiten bis zu 50 Personen, erklärt Moreau. „Da kann es in dem Haus schon mal ein bisschen eng werden.” Und nicht nur da: Neben der Filmcrew gehört zum Dreh die Fahrzeugflotte, mit Materialwagen, Catering für Crew und Schauspieler, Maske und Wohnmobilen für die Schauspieler. „Da sind schnell 400 Meter Straße belegt.” Vor allem dort, wo öfter gedreht wird, seien die Nachbarn nicht immer begeistert, ist eine Erfahrung von Moreau.

Wer sein Haus für Filmaufnahmen zur Verfügung stellt, muss keine Angst haben, dass künftig Scharen von Besuchern an seinem Wohnsitz vorbeipilgern. Gefilmt wird immer so, dass man weder das Straßenschild sieht, noch das Objekt einem bestimmten Straßenzug zuordnen kann, erklärt Moreau.

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