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Erkennen - Aktivieren - Abspeichern Pferdehaltung mit RFID-gesteuerter Fütterungsautomatik

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Schorndorf. Stress sieht anders aus. Im Bewegungsstall der Familie Rost in Schornbach stehen die Pferde gemächlich an – ja, man könnte fast sagen, gesittet – , um ans Futter zu gelangen. Ist eine Futter-Station frei, öffnet sich das Tor per Lichtschranke. Ein Lesegerät identifiziert jedes Pferd an dessen RFID-Band an der Fessel und ein IT-System legt die individuelle Fütterungsmenge fest.

Video: Der Bewegungsstall der Familie Rost aus Schornbach. Mangus Rost erklärt den Futterautomat.

Langsam schließt sich die Futterbox. Die braune Stute scheint die Schließ-Automatik schon zu kennen, ganz ruhig frisst sie weiter vom Heu in der vergitterten Box, mit geneigtem Kopf und Ausfallschritt – der natürlichen Fresshaltung der Pferde wie beim Weiden, bis der Verschluss-Schieber keinen Platz mehr lässt und ganz nach unten gefahren ist. „Im IT-System ist für jedes Pferd hinterlegt, dieses oder jenes darf soundso viel Minuten am Tag fressen. Das legen wir in Absprache mit den Besitzern fest“, erläutert Magnus Rost.

Das Flügeltor öffnet sich per Lichtschranke

Als die braune Stute in die Rauf-Futter-Station gekommen ist, hatte sich zunächst das Flügeltor per Lichtschranke geöffnet und hinter ihr wieder geschlossen, damit kein anderes Tier mit hineindrängt. „In Fußhöhe hat dann ein Lesegerät mit Antenne den RFID-Transponder im Band an einer Fessel des Pferdes erkannt und die Fresszeit individuell festgelegt, wie es im IT-System für dieses Pferd hinterlegt ist.“ Wenn ein Pferd keine „Fress-Berechtigung“ (mehr) hat, bleibt die Futterbox verschlossen.

Den im Bereich der Halsmuskulatur injizierten Pflicht-RFID-Mikrochip (zur Identifizierung im Zusammenhang mit dem Equidenpass) zu verwenden, sei nicht möglich. Denn mit EU-Verordnung von 2008 müssen „nur“ alle ab dem 1. Juli 2009 geborenen Equiden so einen Mikrochip tragen. „Wir haben hier auch ältere Pferde, die haben keinen.“ Auch könnten solche für die Nahfeldkopplung (NFC) vorgesehenen Pflicht-Mikrochips nicht ohne weiteres für eine Fütterungsautomatik aus einigen Zentimetern Entfernung ausgelesen werden.

Im Schnitt fressen die Tiere sechs bis acht Stunden Heu am Tag

Links öffnet sich ein Ausgangsgatter und die braune Stute trottet nach draußen in den unteren Bereich des Bewegungsstalls. „Für dieses Tier könnte jetzt zum Beispiel auch festgelegt worden sein, dass, wenn es zwischen 13 und 15 Uhr aus der Futterstation herauskommt, ein anderes Gatter zu einem anderen Bereich aufgeht, wo die Tiere noch Heuraufen oder ein offenes Heuhaus vorfinden.“ Im Schnitt fressen die Tiere sechs bis acht Stunden Heu am Tag, halten sich aber nicht ewig im Heuhaus oder an den Heuraufen auf, weil sie ihrem Bewegungsdrang folgen und auch Sozialkontakte pflegen, sagt Rost.

Auf der 3600 Quadratmeter großen Fläche, wovon rund 3000 effektiv nutzbar sind, befinden sich zwei weitere automatische Rauf-Futter-Stationen sowie eine Kraftfutter-Station, die ganz ähnlich wie die für Heu funktioniert, nur mit bodennah herausschwenkender Futterschüssel. „Um dort hinzukommen, müssen die Tiere ganz außenrum laufen.“ Es gibt zudem Tränken, drei Liegehallen und Eingewöhnungsboxen. Gegenüber: die Reithalle mit Sattelbereich, Umkleide, Spinten und Geschirrablagen.

Welches Pferd hat wann und wie viel gegessen? 

„Wir haben 30 Pferde zur Pension. Jedes Pferd hat so durchschnittlich rund 100 Quadratmeter für sich. Das ist extra viel Platz, der auch eine sehr große Ruhe reinbringt, weil die Tiere Auslauf haben“, sagt Magnus Rost. Hier könnten die Tiere so artgerecht wie möglich leben und Herdenverhalten mit Untergruppen an den Tag legen, miteinander spielen oder sich aber aus dem Weg gehen, wenn sich einzelne Tiere nicht grün sind.

Im Technikraum neben der Reithalle erklärt Magnus Rost am Computer das IT-System. Browserbasierte Listen lassen sich anklicken, „auf denen ich nachschauen und überprüfen kann, welches Pferd wann und wie viel gegessen hat. Ich kann aber auch gezielt für einzelne Pferde die Fress-Statistiken aufrufen und Tagessummen einsehen. Auch kann ich überprüfen, ob die Zugänge zum Heuhaus und den Heuraufen gefunden wurden.“ Die Fresszeiten lassen sich an diesem Computer freilich ebenso einstellen.

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