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FamilienforumDas Spiel auf dem Smartphone

Petra Neef, vom 27.08.2012 17:10 Uhr
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Kirstin Hofkens. Foto: Schneider/ ZVW
Kirstin Hofkens.Foto: Schneider/ ZVW

Waiblingen. Nicht genug, dass Eltern sich Gedanken darüber machen müssen, wie viel Fernsehen am Tag sie ihren Kindern zugestehen – jetzt quengeln die Kleinen auch noch, weil sie das Smartphone in die Hände kriegen wollen. Denn auch da tun sich wunderbare virtuelle Welten auf. Die Beinsteinerin Kirstin Hofkens, selbst Entwicklerin von Kinder-Apps, gibt auf ihrer Homepage Tipps.

Arme Eltern! Es ist noch nicht allzu lange her, da gehörte das Thema Fernsehen zu den Hauptstreitpunkten in einer Familie. Ab welchem Alter darf ein Kind fernsehen? Wie lange und welche Sendungen? Heute kommt noch die Auseinandersetzung rund um Smartphone und Tablet-Computer hinzu. Denn längst haben diese Medien die Hosentaschen und Tische der Großen erobert und die Kleinen wollen teilhaben an der schönen virtuellen Welt, die so viel Spaß verspricht.

Und ihr Wunsch nach Spaß wird bedient: Längst hat auch die Industrie das Wirtschaftspotenzial, das in den Kleinsten unserer Gesellschaft steckt, erkannt und entwickelt Apps, also Anwendungen für Smartphones und Tablets, speziell für sie. Aber ist die Nutzung dieser Apps pädagogisch wertvoll oder womöglich gar schädlich?

Die Beinsteinerin Kirstin Hofkens entwickelt selbst Kinder-Apps fürs Smartphone. Das heißt: Sie selbst will damit Geld verdienen. Andererseits aber steckt sie im Elterndilemma, denn auch ihre fünfjährige Tochter Iduna hat längst die virtuelle Welt entdeckt. Und so testet sie Apps – auch mit ihrer Tochter – und stellt diese in ihrem Blog auf www.iphonekinderapps.de vor. „Wie gern Iduna eine App spielt, oder ob sie schnell davon gelangweilt ist, beeinflusst meine Bewertungen enorm.“

Kirstin Hofkens' besonderes Augenmerk liegt auf dem Lernfaktor: Apps zum Lesen-, Rechnen-, Schreiben-, aber auch Malenlernen, auch Kinderbuch-Apps. Sehr viel weniger bespricht sie reine Spiele-Apps, die nur dem Zeitvertreib dienen. Wichtig ist ihr eine kindgerechte grafische Umsetzung und eine einfache Navigation. „Die App sollte einige Varianten bieten, also nicht zu schnell durchgespielt sein, und dazu motivieren, dranzubleiben, was bei Lern-Apps oft nicht so einfach ist.“

Kirstin Hofkens, als Profi, weiß qualitätvolle Apps wohl von Schlechtem zu unterscheiden. Wer auf ihre Homepage geht, findet zumindest mal einen Wegweiser durch den Angebotsdschungel. Doch gibt’s auch so etwas wie Stiftung Warentest oder spezielle Auszeichnungen, Garantiesiegel für Kinder-Apps? „Das kidSAFE® Seal“-Programm ist ein neues „Gütesiegel“-Programm, mit dem kinderfreundliche Websites und Apps zertifiziert werden“, sagt Kirstin Hofkens. Aber: „Dies gibt keinerlei Hinweise darauf, ob eine App pädagogisch wertvoll ist, sondern sagt nur, dass im Spielebereich kein In-App-Purchase, also Zusatzfunktionsangebot, getätigt werden kann oder es keine Links nach außen gibt.“

Kirstin Hofkens weiß um die Gefahr, die von Smartphones und Tablet-Computern ausgeht: „Kinder sind von Smartphones und Tablets genauso wie von Spielekonsolen, dem PC oder dem Fernseher magisch angezogen und finden selbst kein rechtes Maß.“ Sie rät, die Zeit, die die Kinder an all diesen Medien verbringen dürfen, zusammenzuzählen und zu limitieren. Auch müssten die Eltern stets wissen, was die Kinder gerade spielen.

„Im Prinzip sollten die gleichen Regeln wie fürs Fernsehen gelten.“ Bei ihr zu Hause gibt’s Fernsehen nur am Wochenende und iPhone und iPad unregelmäßig, zwei- oder dreimal die Woche, stets auf maximal 20 Minuten limitiert.

Kleinkinder am Tablet-Computer?

Kirstin Hofkens ist der Meinung, dass Kleinkinder bereits mit neun bis zwölf Monaten unter Aufsicht mit dem Smartphone oder Tablet-Computer spielen können – eine Ansicht, der jener vieler Entwicklungsforscher widerspricht. Doch sie sagt: „Es gibt wirklich sehr nette Apps für dieses Alter.“ Natürlich gebe es nichts, was sich nicht auch auf herkömmlichem Wege lernen lasse. „Aber ich denke, dass es das Beste ist, dass Kinder auf so vielen unterschiedlichen Wegen wie nur möglich dasselbe lernen, und es sich so am besten festigt. Hauptsache ist, sie sind mit Begeisterung dabei, und das ist mit iPad und Co garantiert.“

Und sie sagt: „So spannend die interaktiven Bilderbücher und Spiele auf Smartphone und Co auch sein mögen: Wer mit einem Kind auf dem Schoß hin und wieder ein echtes Buch mit raschelnden Seiten durchblättert und dabei vielleicht sogar in eigenen Kindheitserinnerungen schwelgt, spürt spätestens nach ein paar Sätzen: Kein Smartphone der Welt kann das ersetzen.“

Info

Das Unternehmen von Kirstin Hofkens bietet zurzeit drei unterschiedliche Babyphone-Apps für jeweils unterschiedliche Anforderungen an. Eine davon - BabyPhone Duo (VoIP) - basiert auf Internettelefonie. Diese App wird demnächst erscheinen und viele Vorteile, wie zum Beispiel eine Zwei-Wege-Kommunikation und Kamerafunktion, haben. Mit dieser App gehört das Unternehmen zu einem von zehn Finalisten um den Innovationspreis Rems-Murr, der im Oktober entschieden wird.

 

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