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FamilienforumRichtig reden rettet die Liebe

Andrea Wüstholz, vom 06.11.2012 00:00 Uhr
Geht’s noch?  Foto: Fotolia
Geht’s noch? Foto: Fotolia

Waiblingen. Dieses Kribbeln im Bauch ... endet zwangsläufig irgendwann. Motzen zwei sich nur noch an, leidet die Liebe und leiden die Kinder. Gut wär’, die beiden könnten reden lernen. So schwer ist das gar nicht. Einfache Regeln helfen.

„Warum immer ich“ – „Typisch, du machst nie“ – „War ja klar, dass du schon wieder“ – „Würdest du nicht die ganze Zeit.., dann.“

Den Kurs „Gesprächstraining für Paare“ veranstaltet die Familienbildungsstätte Waiblingen in Kooperation mit dem Katholischen und dem Evangelischen Bildungswerk Rems-Murr am Samstag, 17. November und am Sonntag, 18. November, jeweils 9 bis 18.30 Uhr. Die Kosten: 125 Euro pro Paar. Sollten sich mehr Paare für den Kurs interessieren, als teilnehmen können, stellt die FBS eine Warteliste auf und bietet neue Termine an.

Für Paare, die schon lange zusammen sind, gibt’s ein gesondertes Training. Es nennt sich KEK – konstruktive Ehekommunikation. Bei Bedarf nimmt die FBS diesen Kurs neu ins Programm.

Es soll Paare geben, die reden so miteinander. Das heißt, sie reden gar nicht miteinander. Sie liefern sich einen Schlagabtausch, bombardieren sich mit Vorwürfen und hören dem anderen nicht zu. Dialog geht anders. Dialog heißt: Einer spricht, der andere hört zuerst zu, bevor er aufgreift, was sein Gegenüber gesagt hat. Die beiden wechseln während des Gesprächs die Sprecher- und die Zuhörerrolle, spinnen den Gesprächsfaden immer weiter – und erfahren so eine Menge über die Befindlichkeit des anderen.

Solche Gespräche zu führen können Männer wie Frauen lernen. Die Familienbildungsstätte (FBS) widmet einem Gesprächstraining für Paare ein ganzes Wochenende: „Wenn es in der Ehe Probleme gibt, dann leiden Kinder ganz massiv darunter“, erläutert die stellvertretende FBS-Leiterin Eva Belzner, weshalb die Bildungseinrichtung das EPL-Training bereits zum zweiten Mal in ihr Programm aufgenommen hat. EPL steht für „Ein partnerschaftliches Lernprogramm“.

Angela Warmbrunn ist ausgebildete EPL-Trainerin und wird den Kurs zusammen mit einer Kollegin begleiten. Eheberatung oder Therapie kann und soll dieser Kurs nicht ersetzen. EPL versteht sich als Präventivangebot für Paare, die noch keine Jahrzehnte zusammen sind und sich für ein gutes Miteinander ins Zeug legen wollen, lange bevor die Karre tief in den Dreck rutschen könnte.

Es geht drum, wie Partner miteinander reden

Angela Warmbrunn wird sich während des Kurses auf keinen Fall in inhaltliche Auseinandersetzungen der Paare einmischen. Ihr geht’s schlicht um die Art und Weise, wie zwei miteinander reden. Paare üben das ganz konkret während des Kurses zu zweit in separaten Räumen. Zwischendurch tauschen sich alle in der Gruppe aus, doch die meiste Zeit verbringen die Paare zu zweit und im Austausch mit ihrer Trainerin. Aus diesem Grund können am Training maximal vier Paare teilnehmen. Zwei Trainer, vier Paare – hier lehnt sich keiner schweigend zurück. Zumal Kommunikationstraining nur nützt, sofern es sich im Alltagsstress bewährt.

Angela Warmbrunn mag am Lernprogramm die klare Struktur: Paare lernen, in die Rolle des Sprechers und des Zuhörers zu schlüpfen und die Regeln, die zu jeder Rolle gehören, einzuhalten. „Richtig“ zuhören geht so: Offene Fragen stellen, aufnehmen, was der andere sagt und diese Inhalte zusammenfassen. Über diesen letzten Punkt stolpern Paare oft, berichtet Angela Warmbrunn; es wirkt zunächst befremdlich und gekünstelt, wenn der Zuhörer wiederholt, was sein Partner ihm zuvor auseinandergesetzt hat. Dennoch hält die Trainerin diese Zusammenfassung für einen zentralen Bestandteil des Trainings. Sie spiegelt Wertschätzung wieder, und anhand der Zusammenfassung erkennen beide, ob sie aneinander vorbeireden oder wirklich erfasst haben, was gemeint ist. Im ersten Fall helfen offene Fragen weiter. Sie klingen in etwa so: Wie meinst du das? Woran denkst du genau?

Fürs „richtige“ Verhalten in der Sprecherrolle gibt’s ebenfalls Regeln: Beim Thema bleiben, konkrete Beispiele nennen, keine Rundumschläge starten, ganz bei sich bleiben, das heißt: „Ich ärgere mich, weil...“ klingt in den Ohren des anderen ganz anders als „Du machst immer...“. Der Sprecher soll sich öffnen und ehrlich von seinen Gedanken, Gefühlen, Wünschen, Bedürfnissen erzählen. Das erfordert Mut. Und schafft Nähe.

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