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FamilienforumSag mir, wann bist du geboren?

Andrea Wüstholz, vom 26.12.2012 00:00 Uhr
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Seit Tausenden Jahren interessieren sich Menschen dafür, welchen Einfluss die Stellung der Gestirne zum Zeitpunkt der Geburt auf einen Menschen haben könnte. Foto: ZVW
Seit Tausenden Jahren interessieren sich Menschen dafür, welchen Einfluss die Stellung der Gestirne zum Zeitpunkt der Geburt auf einen Menschen haben könnte.Foto: ZVW
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Waiblingen.

Gebärende haben anderes zu tun, als im entscheidenden Moment auf die Uhr zu schauen. Das übernehmen Hebammen. Um welche Uhrzeit ein Kind zur Welt kommt, registriert das Standesamt minutengenau. Diese Information könnte später eine gewichtige Rolle spielen.

„Um halb zehne rum.“ - „Frühmorgens“ - „Um zwei in der Nacht ging’s los“: Solch unpräzise Mütter-Antworten helfen keinem weiter. An den Geburtsverlauf erinnern sich Frauen meist ziemlich genau. An die genaue Uhrzeit nicht unbedingt. Jede zweite Geburtszeit, welche die Mutter nennt, ist fehlerhaft; bis zu zwölf Stunden betragen die Abweichungen, behauptet der umstrittene Astrologe Dr. Peter Niehenke, über den abenteuerliche Geschichten im Internet kursieren.

Marielle Korn, leitende Hebamme an den Krankenhäusern Waiblingen und Schorndorf, schaut im Moment einer Geburt auf die Funkuhr im Kreißsaal. Fragt sich nur: Wann gilt ein Kind als geboren? Wenn der Kopf zu sehen, die Nabelschnur durchtrennt oder die Plazenta geboren ist? Zwischen diesen Phasen kann viel Zeit vergehen.

In der Fachwelt herrscht in diesem Punkt Einigkeit, sagt Marielle Korn: Ein Kind gilt – auch bei Kaiserschnittgeburt – als geboren, sobald sein ganzer Körper draußen ist. Diesen Zeitpunkt notiert die Hebamme als Geburtsuhrzeit. Als abgeschlossen gilt eine Geburt allerdings erst in jenem Moment, da die Plazenta vollständig den Körper der Mutter verlassen hat.

Ist doch wurscht, um welche Uhrzeit ein Kind zur Welt kommt – Hauptsache, Mutter und Baby geht’s gut. Das kann man so sehen. Muss man aber nicht. Für Astrologen spielt die Uhrzeit eine zentrale Rolle. Über Astrologie kann jeder denken, was er will. Der Check macht schlicht Spaß: Trifft zu, was Astrologen diesem und jenem Sternzeichen an Eigenschaften zuordnen – oder darf das alles getrost in die Humbug-Kiste?

Feststeht: Ein genaues Geburtshoroskop lässt sich nur ermitteln, sofern die Geburtsuhrzeit bekannt ist. Solch ein Horoskop liefert weit mehr Informationen als Wischi-Waschi-Prophezeiungen in Frauenzeitschriften à la: Im Sternzeichen Löwe Geborene müssen nächste Woche mit Turbulenzen im Liebesleben rechnen.

Ein Geburtshoroskop leitet sich daraus ab, wie die Planeten vom Geburtsort aus gesehen zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen am Himmel standen. Wer solch ein Horoskop ohne Hilfe einschlägiger Internetportale aufstellen möchte, muss eine Menge Tabellen durchforsten, den Breiten- und Längengrad seines Geburtsortes bestimmen und seine Geburtsuhrzeit kennen, natürlich Sommerzeit-bereinigt. Nur so lässt sich der Aszendent herausfinden. Damit bezeichnen Astrologen jenen Tierkreisgrad, der in einem ganz bestimmten Moment am Himmel aufsteigt. Alle vier Minuten ändert sich dieser Grad. Damit nicht genug: Das „Himmelsmittezeichen“ spielt zudem eine gewichtige Rolle. Dieser mathematische Punkt, in der Fachsprache „Medium coeli“ genannt, bezeichnet die höchste Stelle im Horoskop und liefert aus Astrologen-Sicht Informationen über Berufung und Ziele eines Menschen.

Auf eine lange Tradition darf je nach Sichtweise dieses Wissensgebiet oder dieser Schnickschnack immerhin verweisen. Bereits um 1500 v. Chr. verzeichneten Menschen Auf- und Untergänge von Planeten. Erste Berechnungen zur Bewegung der Himmelskörper datieren um das fünfte vorchristliche Jahrhundert, berichten Julia und Derek Parker in ihrem Buch „Astrologie“. Den Geburtszeitpunkt definieren die beiden Autoren erstaunlich unkonkret: „Üblicherweise ist dies der Moment, in dem das Baby den ersten Schrei tut oder in dem es abgenabelt wird.“

Wenn das so ist, spielt die Sichtweise einer Hebamme eine erhebliche Rolle. Denn in der Geburtshilfe gehen die Ansichten darüber, wann der richtige Zeitpunkt fürs Abnabeln ist, erheblich auseinander. Jutta Eichenauer aus Backnang, Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg, plädiert dafür, die Trennung erst zu vollziehen, wenn die Nabelschnur nicht mehr pulsiert – sofern Mutter und Kind wohlauf sind. Die Nabelschnur erhält ihre Dienste noch eine kurze Zeit nach der Geburt aufrecht. Bis zu zehn Minuten lang pulsiert sie noch, erklärt Jutta Eichenauer.

Ein Arzt wartet in einer Geburtsklinik womöglich nicht so lang. Als Grund nennen Geburtshelfer einen Zusammenhang zwischen dem Gelbsucht-Risiko fürs Kind und dem Zeitpunkt des Abnabelns. Oder die Nabelschnur stört schlicht, weil Mediziner eilig ihre Untersuchungen abwickeln wollen.

Wer seine Geburtsuhrzeit erfahren möchte, kann beim Standesamt seines Geburtsortes gegen Gebühr Auskunft erhalten. An Kliniken gehen ebenfalls öfters Fragen zur Geburtsuhrzeit ein, erzählt Marielle Korn. Sie muss bei jeder Geburt viel mehr aufschreiben als nur die Uhrzeit. Die Dokumentation des gesamten Geburtsverlaufs bleibt in der Krankenakte der Mutter, schon allein für den Fall, dass später Haftungsfragen auftauchen. 30 Jahre lang bewahren Kliniken diese Akten auf. Viel länger archivieren Kliniken meist ihre Geburtenbücher. Darin sind der Name der Mutter, Art der Geburt und wiederum die Uhrzeit vermerkt. Nachfragen kostet nichts.

@www.zvw.de/familienforum

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