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FamilienforumSchlaf, Mama, schlaf!

Andrea Wüstholz, vom 25.06.2012 19:39 Uhr
Sind die Kinder noch ganz klein und oft nachts wach, kommen Eltern meist ganz gut klar mit nächtlichen Störungen. Schwieriger wird’s , wenn sich anhaltende Schlafprobleme entwickeln, obwohl die Kinder längst größer sind und durchschlafen. Foto: ZVW
Sind die Kinder noch ganz klein und oft nachts wach, kommen Eltern meist ganz gut klar mit nächtlichen Störungen. Schwieriger wird’s , wenn sich anhaltende Schlafprobleme entwickeln, obwohl die Kinder längst größer sind und durchschlafen.Foto: ZVW

Waiblingen. Hin und wieder schläft jeder Mensch schlecht. Brenzlig wird’s erst, sofern sich eine anhaltende Schlafstörung entwickelt. Eltern geraten allzu leicht in den Teufelskreis, denn fast kein Kind schläft von Anfang an durch.

In den ersten Monaten wachen manche Babys alle zwei, drei Stunden auf. Eine Zeitlang stecken Eltern das weg; stillenden Müttern beschert die Natur ohnehin tiefen Schlaf zwischen den Wachphasen des Kindes. Schläft das Kind sehr lange nicht durch, bleibt Müttern oder Vätern im schlechtesten Fall eine Schlafstörung, die selbst dann hartnäckig erhalten bleibt, wenn die Kinder längst im eigenen Bett selig durch- und morgens ausschlafen.

Der Schlafforscher Prof. Jürgen Zulley spricht von 88 verschiedenen Formen von Schlafstörungen und drei Gruppen. Gruppe 1: Betroffene schlafen zu wenig. Gruppe 2: Betroffene schlafen zu viel zum falschen Zeitpunkt. Gruppe 3: Schlafwandeln, Zähneknirschen oder Angstträume behindern den Schlaf. Ein- und Durchschlafstörungen gelten als die mit Abstand häufigste Form: Wer damit zu kämpfen hat, schläft nur sehr schwer ein oder wacht nach wenigen Stunden bereits wieder auf – um dann endlos grübelnd lange wach zu liegen. Lang anhaltender Schlafmangel macht krank und verkürzt laut Zulley sogar die Lebenserwartung.

Angst vor schlechtem Schlaf erzeugt einen Teufelskreis

Zulley hält eine Schlafstörung dann für behandlungsbedürftig, „wenn sie die Tagesverfassung beeinträchtigt, und das mindestens vier Wochen lang“. Je früher Betroffene gegensteuern, umso besser. Es könnte sonst ein Teufelskreis beginnen, der sich umso schwerer durchbrechen lässt, je länger er anhält. Denn allein die Sorge, oh je oh je, wenn ich wieder so schlecht schlafe, bewältige ich morgen dies und jenes wieder nicht – allein dieses Denken reicht, um die Schlafstörung zu manifestieren. Es reicht dann schon der Anblick des Bettes, und das Gehirn meldet: Anspannung!

Trotzdem: Nicht jedes Schlafproblem muss sich gleich zur echten Schlafstörung auswachsen. In der Schwerpunktkur „Schlafen lernen“ an der Klinik Maximilian in Scheidegg lernen Eltern zunächst, vorübergehende Schlafprobleme von Störungen zu unterscheiden – dies Wissen kann allein schon entlasten, erklärt Miriam Qammou-Engel, die Leiterin der psychosozialen Abteilung der Klinik: „Es kommt auf die individuelle Situation an.“ Auf Knopfdruck das Problem zu lösen, wird nicht gelingen. Viele kleine Schritte helfen (siehe Infobox).

Manche Eltern schlafen nicht gut, weil jede Nacht ein Kind ins Elternbett schlüpft. Diplom-Psychologin Miriam Qammou-Engel erforscht in diesen Fällen das echte Bedürfnis der Eltern. Mögen sie im Grunde sehr gern das Kind nachts neben sich haben? Das spürt der Nachwuchs – und kommt zielsicher angetrabt, auch wenn die Eltern sagen, jetzt geh aber zurück in dein Bett. Fühlen sich die Eltern dagegen ernsthaft gestört und wollen dem Kind unbedingt angewöhnen, im eigenen Bett zu schlafen, wird das auch gelingen.

Es klingt paradox, kann aber wirksam helfen: Wer seinem Empfinden nach zu wenig schläft, weil er nicht gut ein- oder durchschläft, kann die im Bett verbrachte Zeit begrenzen, etwa auf sechs Stunden: Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) rät, diese Methode unter Anleitung eines Experten zu testen. Es geht darum, den Schlafdruck zu erhöhen – und mit viel Disziplin das Programm durchzuziehen. Es dauert eine Weile, bis Körper und Gehirn umprogrammiert sind und lernen: Wenn ich im Bett liege, dann schlafe ich.

Also nie wieder Sex im Bett? Nein, nein, beruhigt die DGSM. Nur arbeiten oder streiten sollte niemand im Bett. Jürgen Zulley: „Wir alle können dann gut einschlafen, wenn wir entspannt sind, und zwar auch geistig, und dazu kann die Liebe durchaus beitragen.“

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