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FamilienforumSchlafe, mein Kindlein, schlaf ein

Heidrun Gehrke, vom 11.12.2012 00:00 Uhr
Na also - geht doch. Foto: Fotolia
Na also - geht doch.Foto: Fotolia

Schorndorf. „Verwöhnen und erziehen im ersten Lebensjahr – was Eltern alles richtig machen“ hieß der Vortrag von Sozialpädagogin Sabine König, dem gut 30 Mütter, Väter und Tagesmütter im Familienzentrum Schorndorf lauschten. Die Familientherapeutin und Familien-Supervisorin gab Ratschläge, wie „wir die Mäuschen in die Spur kriegen“.

Nicht nur Sprechen, Schreiben oder Rechnen wollen gelernt sein. In den ersten Lebensmonaten muss zunächst einmal das Schlafen gelernt werden. Die Eltern helfen dem Baby dabei: Über Rituale und indem sie dem Neugeborenen Zeit geben. „Zum Lernen gehört auch die Zeit, das Gelernte setzen zu lassen“, sagt Sabine König, die auf Einladung des Schorndorfer Tageselternvereins und der VHS im Familienzentrum sprach. Sie empfiehlt, über Schaukeln und Streicheln das Kind in den Schlaf zu begleiten und so zu versuchen, ihm die Schlafphasen beizubringen.

Klingt einfach, sieht in der Praxis allerdings häufig ganz anders aus. Beispiel: Eine Mutter unter den Zuhörern berichtet von ihrem sechs Monate alten Sohn, der zweimal pro Nacht schreit. Sabine König legt ihr einen Test nahe: „Wenn Sie ins Bett gehen, machen Sie den Kleinen wach und versuchen Sie, ihn zu stillen.“ Manchmal funktioniere es auf Anhieb, viele Babys schlafen danach wunderbar durch. Wenn’s mit dem Schlafen nicht klappt, könne auch gemeinsames ritualisiertes Einschlafen helfen: Mama legt sich hin, in die Nähe des Babys und schläft mit ihm ein. Wenn das Baby wach wird und schreit – einfach liegen bleiben, nicht darauf reagieren. Wenn es erneut kommt – wieder ruhig liegen bleiben. „So lange, bis es merkt, dass Sie ganz sicher sind, dass jetzt geschlafen wird.“

Jedes Kind schläft auf seine ihm eigene Weise

Wichtig sei „der neugierige, offene Blick“ für das Kind, um ihm ein Regelwerk zu vermitteln, an dem es erkennt, wann Zeit zu schlafen ist. Jedes Kind schläft nun mal anders – Patentrezepte gebe es daher keine, betont Sabine König, die eine Praxis für Säuglings- und Kleinkindfragen betreibt. „Sätze wie ‚so und so muss ich mit meinem Kind umgehen’“ führten ihrer Meinung nach in die Irre. „Es geht darum, herauszufinden, wie ich mein Kind erreichen kann.“ Für Babys sind Tag und Nacht gleich. Damit sie wissen, wann sie schlafen müssen, brauchen sie Rituale und „Schlaftraining“.

Der Wechsel von aktiver Zeit und Schlafzeit gehe leichter in Fleisch und Blut über, wenn für Dunkelheit gesorgt und das Kind regelmäßig hingelegt wird. Wenn es einmal „abgelegt“ sei und dann hochgeholt wird, werde der kleine Kreislauf unter Umständen zu sehr „hochgepusht, so dass es hinterher noch länger braucht, bis er wieder runterkommt“. Also besser das optimale „Schlaffenster“ des Kindes erwischen, wenn das Kind die optimale „Bettschwere“ erreicht hat, um einzuschlafen. Das Stillen könne in der Anfangszeit als Konstante eingesetzt werden, um so in den Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden. Wichtig sei, sogenannte „Versuchsschleifen“ von Anfang an zu vermeiden. Das Kind darf nicht das Gefühl haben, dass sich die Eltern durch sein Gebrüll wachhalten lassen – „sonst probieren sie es immer wieder“.

Die Grenze zwischen Verwöhnen und Erziehen sei fließend. Erziehung sei nicht etwas ganz Großes und Besonderes, sondern „es ist unser alltägliches Tun mit dem Kind“. Unverzichtbar sei, dass sich das Kind an den Lebensrhythmus der Erwachsenen gewöhnt. Tagesmütter müssten herausfinden, wie die Strukturen zu Hause sind, um die eigenen darauf abzustimmen. Das heißt: unabdingbare Liebe ja, aber dem Kind über „wertschätzende Handlungen“ Grenzen setzen. Zum Beispiel, indem man dem bockenden und brüllenden Kind signalisiert: „Es ist okay, dass du jetzt brüllst, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass ...“ Oder konkret: Das Kind soll spüren, dass es in Ordnung ist, zu brüllen und zu protestieren, dass es damit aber nichts an der Entscheidung von Mama und Papa ändern kann, dass jetzt geschlafen wird. „Das Kind durch die Wut begleiten“, nennt Sabine König den Prozess.

Manchmal sei nächtliches Brüllen gar kein richtiges Wachsein. Etwa, wenn das Baby einen Nachtschreck erlebt und das Gefühl von Wegsacken durchlebt. Manchmal sei des Rätsels Lösung auch denkbar simpel: Kinder, die schreien, könnten damit auch ihren Unwillen, im Bett zu schlafen, zum Ausdruck bringen. „Viele Kinder können oder möchten einfach nicht im Bett schlafen“, berichtet König. Sie findet das nicht schlimm. Zumal dann recht einfach Abhilfe geschaffen werden könne: „Legen Sie es einfach in den Kinderwagen und betten Sie es dort“, manchmal habe die Schreierei dann schlagartig ein Ende.

Und wenn’s allzu dicke kommt: Auch Ohropax seien nicht zu verachten. „Wir können das Schreien zwar nicht abstellen, aber der Ton tut nicht mehr so weh.“

Nächtlicher Hunger

Babys, die ausschließlich gestillt werden, haben nachts Hunger, denn die Muttermilch ist nach kurzer Zeit verdaut.

Häufiges nächtliches Schreien kann auch, so Sabine König, auf eine Veränderung der Stillphase hinweisen.

Mit dem Schreien signalisiert das Baby etwas ganz Natürliches – „nämlich: „Bitte, Brust, produziere ab jetzt eine andere Qualität“.

Meist ebbt die nächtliche Unruhe nach 14 Tagen ab – so lange braucht die Stillende, bis der Körper die benötigte Milchqualität produziert.

 

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