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FamilienforumSchule? Liebe Eltern, keine Panik!

Pia Eckstein, vom 10.09.2012 17:09 Uhr
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Schulanfang? Ein Rat an die Eltern: Nur keine Panik! Foto: Christian Schwier
Schulanfang? Ein Rat an die Eltern: Nur keine Panik!Foto: Christian Schwier

Waiblingen. Die erste Schulwoche und die Eltern sitzen bibbernd zu Hause: Wird alles klappen, die Lehrerin gut sein, der Unterricht nicht zu schwer, die Hausaufgaben nicht zu viel? Keine Panik, sagt der ehemalige Rektor Bernd-Günter Barwitzki: Während ihr angstschwitzt, haben die Kinder viel Spaß. Vertraut ihnen. Und der Kompetenz der Lehrer.

Aufgabe der Eltern

Eltern müssen die Emotionen, die Ängste, Sorgen und Freuden ihrer Kinder ernst nehmen. Und auch ihre Anliegen, auch wenn es in den Ohren von Eltern banal klingen mag.

Zuhören ist ganz wichtig“, sagt Barwitzki. Und die Zeit dafür müssen Eltern sich nehmen, ganz gleich, wie kaputt sie von der Arbeit kommen.

Denn hat ein Kind das Gefühl, dass das, über das es selbst nachdenkt, seine Eltern nicht interessiert, ist es zutiefst verletzt und frustriert.

So gut auch Sozialarbeit an Schulen sein mag: Die Eltern werden dennoch nicht davon entbunden, ihre Kinder zu bestätigen oder zu trösten.

Na, geht’s zum ersten Mal in die Schule? Oder steht ein neuer Klassenlehrer an, weil das Kind in die dritte Klasse kommt? Oder geht das Kind gar seit gestern in die weiterführende Schule? Ja, da steht das große Zittern an. Üblicherweise nicht bei den Kindern, sagt Bernd-Günter Barwitzki, der ehemalige Rektor der Neustädter Friedensschule. Die Kinder seien einfach nur neugierig. Aber den Eltern bricht gern der Angstschweiß aus.

„Liebe Eltern“, sagt Bernd-Günter Barwitzki, und er spricht aus jahrelanger Erfahrung, „bislang haben, bis auf wenige Ausnahmen, noch alle Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Bleibt also ganz ruhig“. Kinder hätten Freude am Lernen, sie wollten das Neue hinkriegen und sie würden das auch schaffen. Der eine schneller, die andere langsamer, aber üblicherweise packen sie das schon.

Und deshalb sollten Eltern ihre Angst zähmen. Sie sollten ihren Kindern vertrauen und sie ziehen lassen. Und sie sollten nicht so viel aufs Gerede geben. Die Gerüchte freilich wabern reichlich durch den Schulbezirk: Die Lehrerin ist voll chaotisch und kriegt nichts auf die Reihe, der Lehrer führt sich auf wie ein Drei-Sterne-General und in dieser Klassenstufe gibt’s Hausaufgaben, dass die Köpfe glühen. Ruhig bleiben, sagt Barwitzki, abwarten. Und niemals, wirklich niemals Schule oder Lehrer im Beisein der Kinder kritisieren. Nicht die Eltern müssen den Lehrer mögen, die Kinder müssen mit ihm auskommen. Und was der Lehrer sagt, ist sakrosankt. Das gilt beim Kind und andere kommen dagegen nicht an.

Wenn jetzt, sagt Barwitzki, die Eltern vor dem Kind sagen: Deine Lehrerin ist die reine Katastrophe, bräche im Kind das Urvertrauen zur Lehrerin zusammen. Die Folge: Die Kinder werden oft in der Schule respektlos, nehmen nichts mehr an – ein Unterrichten wird dann tatsächlich unmöglich.

Sollte es sich tatsächlich herausstellen, sagt Barwitzki, dass das Kind mit der neuen Situation, mit dem neuen Lehrer nicht zurechtkommt, dann müssen die Eltern aber schnell reagieren. „Zu oft“, sagt Barwitzki, „warten die Eltern, bis es zu spät ist“. Nach zwei bis drei Wochen sollten die Eltern, wenn das Kind deutlich mit seinen Leistungen abfällt, wenn es unglücklich ist oder nicht mehr zur Schule will, den Kontakt zum Lehrer suchen und „vertrauensvoll“ mit ihm zusammenarbeiten.

Stellt sich heraus, dass die ganze Klasse mit den Methoden des neuen Lehrers nicht zurechtkommt, dann, sagt Barwitzki, gibt’s das Mittel des pädagogischen Elternabends. Wird dieser notwendig, wendet sich der Elternsprecher an den Lehrer, schildert das Problem, bittet um einen Termin und an diesem sind nicht nur Eltern und Lehrer da, sondern eine dritte, neutrale, kompetente Person, die moderiert und beiden Parteien ihr Verhalten spiegelt.

Die Ängste der Eltern, sagt Barwitzki, sind oft skurril: Bekommt mein Kind genug Zuneigung, beispielsweise. „Nein, natürlich nicht“, sagt Barwitzki. „Das ist auch nicht die Aufgabe des Lehrers.“ Doch die Lehrerinnen und Lehrer seien heute pädagogisch bestens ausgebildet. Ein gutes Schulleben könne sich entwickeln, wenn die Eltern ihre Kinder erst mal selbst machen ließen. Wenn’s Probleme gebe, seien die besten Mittel, diese zu lösen „Offenheit, Vertrauen und Kommunikation“. Barwitzki bittet die Eltern: „Nehmt die Kompetenz des Lehrers in Anspruch“. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort „Kompetenz“.

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