Familienforum Stressfrei von der Windel weg

Petra Neef, 20.08.2012 17:11 Uhr
Das Töpfchen-Thema beschäftigt die ganze Familie. Foto: Bernhardt/ZVW
Das Töpfchen-Thema beschäftigt die ganze Familie.Foto: Bernhardt/ZVW

Waiblingen. Bloß kein Stress: Kinder werden nicht früher sauber, wenn sie früh auf dem Töpfchen sitzen. Am meisten helfen Geduld und Gelassenheit.

Es bringt nichts, ein Kind drängen zu wollen: „Das Alter, in dem Kinder trocken und sauber werden, wird durch die individuelle Reifung bestimmt. Ein früher Beginn und eine hohe Intensität der Sauberkeitserziehung beschleunigen die Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle nicht“, so der Schweizer Kinderarzt Remo Largo. In seinem Buch „Kinder verstehen - Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ schreibt auch der Kinderarzt Herbert Renz-Polster: „Die Fähigkeit, Urin und Stuhl eine Zeit lang zurückzuhalten und dann willentlich zu entleeren, erfordert ein fein abgestimmtes Zusammenspiel des sensorischen, autonomen und des motorischen Nervensystems. Viele dieser Leistungen können nicht geübt werden, sondern stellen sich dann ein, wenn das Nervensystem über die dazu notwendige Reife verfügt. Und die hängt stark von der allgemeinen körperlichen Entwicklung und damit auch stark vom Alter des Kindes ab.“

Grundsätzlich gilt bei der Sauberkeitserziehung: unterstützen, aber keinen Druck ausüben. Auch Herbert Renz-Polster ist der Meinung: „Eltern sollen Vorbild sein. Kinder, die sehen, wie es geht, wollen selbst gerne aufs Töpfchen – und manche Kinder nehmen ihr Vorbild so ernst, dass sie sich gleich aufs richtige Klo setzen wollen.“

Abgeschlossene Klo-Türen sind für Kinder so etwas wie ein großes Fragezeichen und im Grunde ein Entwicklungshemmnis. Auch ein kindgerechtes Klo und klogerechte Kleidung helfen mit, Kindern den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

Viele Kinder fühlen sich auf dem Erwachsenenklo wohler, wenn sie einen kleinen Hocker zum Raufklettern, einen bequemen Kloaufsatz und einen Handgriff zum Festhalten vorfinden. „Wenn ein Kind sich selbst dafür interessiert, aufs Töpfchen oder Klo zu gehen, und es sich in einer vollen Windel unwohl fühlt, ist der optimale Zeitpunkt, um rasch sauber zu werden. Umso mehr die Eltern ein Kind drängen, umso eher verweigert das Kind dies aus Protest. Dies kann schlimmstenfalls zu schmerzhafter Verstopfung führen, die ein Kinderarzt behandeln muss.“

Bei den meisten Kindern setzt die Kontrolle über die Entleerung von Blase und Darm ungefähr zeitgleich ein. Einige Kinder entwickeln noch vor dem Gespür für den Harndrang ein Gefühl dafür, wann sie ihr großes Geschäft verrichten müssen. Dennoch fällt vielen Kindern das „Pipimachen“ in die Toilette anfangs leichter als die Darmentleerung. Psychologen sprechen davon, dass die Kinder lernen müssen, loszulassen. Es kann helfen, den Windelinhalt gemeinsam mit dem Kind in die Toilette zu leeren, um den Zusammenhang deutlich zu machen. Und bei jedem erfolgreichen Geschäft gilt: loben, loben, loben. Ein Kind soll erkennen, dass nichts Ekelhaftes geschieht, sondern es sich um einen völlig normalen, natürlichen Vorgang handelt.

Auf dem manchmal langen Weg weg von der Windel geht natürlich hin und wieder etwas daneben, zum Beispiel, wenn die Kinder ins Spiel versunken sind. Das Kind regelmäßig an Klo oder Töpfchen zu erinnern, kann helfen.

Buchtipps:

Kinderbücher wie diese können die Kleinen motivieren, sich von der Windel zu verabschieden:
  • Der kleine Klo-König, Sandra Grimm und Clara Suetens, Ravensburger Buchverlag, 5,95 Euro.

  • Pipileicht! Mein Töpfchenbuch, Regina Schwarz und Martina Kohl, Ravensburger Buchverlag, 7,95 Euro

  • Moritz Moppelpo braucht keine Windel mehr, Hermien Stellmacher, Ars Edition, 7,99 Euro.

 

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