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FamilienforumVäter erziehen anders

Andrea Wüstholz, vom 27.11.2012 00:00 Uhr
Vätern wird nachgesagt, beim Spielen mehr Körpereinsatz zu bringen. Foto: Aaron Belford
Vätern wird nachgesagt, beim Spielen mehr Körpereinsatz zu bringen.Foto: Aaron Belford

Waiblingen. Schau einfach nicht hin, rät er gern ihr, sobald die Kinder mal wieder in Baumkronen hängen. Vätern wird nachgesagt, nicht bei jedem Pups gleich vor Angst zu erstarren wie manch eine Mutter. Mag sein, nichts als Klischees stecken dahinter. Sicher scheint dennoch: Väter erziehen anders.

Vor weniger als 100 Jahren stand in damals hochmodernen Erziehungsratgebern zu lesen: Die Kinder sollten am Abend vom Vater ferngehalten werden, damit er in Ruhe essen kann.

Vermutlich stritten sich Eltern damals nicht ganz so oft über Erziehungsfragen.

Heute kann’s zu Hause leicht mal laut werden, weil ihm nicht gefällt, wie sie mit den Kindern umgeht. Oder umgekehrt.

Zwei Streithähnen könnte die Einsicht helfen, dass Kinder von verschiedenen Sichtweisen ihrer Eltern profitieren. Sie sehen, aha, mit dieser und jener Situation kann man so umgehen – oder so. „Das ist doch super“, findet Albrecht Zoller von der Familienberatungsstelle des Landratsamtes in Waiblingen.

Als Erziehungsberater weiß er natürlich sehr genau, dass verschiedene Herangehensweisen für Kinder zwar von Vorteil sind, für Eltern leicht zum Riesenproblem werden können. Ein Beispiel: Sie verfügt, eine Viertelstunde noch Fernsehen, dann aus. Er kontert: Jetzt lass sie doch mal. Mach dich doch mal locker. In Streitfragen dieser Art wär’s besser, die beiden könnten hinter den Kulissen feste Regeln vereinbaren. Und diese dann gegenüber dem Nachwuchs in trauter Einigkeit vertreten.

Geht es drum, diese oder jene Verhaltensweise eines Kindes zu beurteilen, bedarf es nicht der Einigkeit, vielmehr des Respekts vor der Sichtweise des anderen. Ich mach alles richtig, du hast keine Ahnung, ich weiß, was für das Kind das Beste ist, du nicht – so kommt kein Elternpaar weiter. Vielleicht kann ein Vater, der noch immer meist weniger Zeit mit den Kindern verbringt als die Mutter, grade mit Hilfe eines distanzierteren Blickes einen guten Lösungsvorschlag finden. Er nimmt die Dinge anders wahr als sie, er fühlt anders, ihm sind andere Einzelheiten wichtig und er beurteilt anders, was er sieht: Das ist immer so, wenn zwei oder mehr Menschen aufeinandertreffen. Jeder bringt seine Prägung aus der eigenen Familiengeschichte mit, jeder hat andere Erfahrungen, andere Glaubenssätze, andere Haltungen verinnerlicht. So gesehen geht es nie darum, wer recht hat und wer nicht, weil kein Mensch diese Frage abschließend beantworten kann. Eher hilft schon die Frage weiter, weshalb sie und er auf diese Weise mit Konflikten umgehen oder warum einer von beiden Konflikte lieber vermeidet.

Männer erziehen anders als Frauen, bestätigt Albrecht Zoller und verweist auf entsprechende Forschung. Demnach lieben Männer „tendenziell eher“ lebhafte Spiele, und sie „fordern Kinder eher heraus, Neues zu wagen“. Sie seien – entgegen dem Klischee – gar nicht weniger einfühlsam: „Vielleicht nehmen sie andere Sachen wahr.“ Aggressives Verhalten unter Kindern beispielsweise: Mütter greifen eher früher ein, Männer lassen die Dinge eher länger laufen – um dann härter durchzugreifen.

Kinder registrieren all das im Detail. Keine Sorge, sie können damit gut umgehen. Probleme bereitet ihnen was ganz anderes: Lästert ein Elternteil beim Kind über den anderen, richtet sich das indirekt gegen das Kind selbst, weil es von zwei Menschen abstammt, nicht von einem. „Das Kind liebt beide“, betont Albrecht Zoller.

Es verbringt mehr Zeit mit beiden, als es einem Kind vor 100 Jahren vergönnt war. Damals kam keiner auf die Idee, Väter könnten in der Kindererziehung eine nennenswerte Rolle spielen. Erst in den 60er Jahren rückten Väter so langsam in den Blickpunkt, stellt Albrecht Zoller die geschichtlichen Zusammenhänge her. Heute ist sich die Fachwelt einig: Kinder brauchen beide Eltern. Und Väter „erziehen anders“, wie Zoller einen Infoabend überschrieben hat – mit dem Zusatz: „Auch gut“.

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