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FamilienforumVideo: Den Datenkraken ins Auge sehen

Andrea Wüstholz, vom 05.02.2013 00:00 Uhr
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Medienpädagogin Christa Rahner-Göhring gehört nicht zu jenen, die stets nur von Risiken reden.  Foto: Büttner / ZVW
Medienpädagogin Christa Rahner-Göhring gehört nicht zu jenen, die stets nur von Risiken reden. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Eltern könnten Jugendlichen Facebook verbieten. Oder sie könnten es lassen, weil Verbote eh zu nichts führen. Weit sinnvoller wär’, sich mit der Thematik zu befassen. Dann wird schnell klar, wie viele Spuren der Mensch im Netz hinterlässt. Worauf es zu achten gilt, darum ging es gestern Abend im Zeitungshaus.

Medienpädagogin Christa Rahner-Göhring gehört nicht zu jenen, die stets nur von Risiken reden. Das Internet und soziale Netzwerke bieten zu viele Vorteile, machen zu viel Spaß, als dass Menschen je wieder auf sie verzichten wollten. Aufs Wie kommt es an: „Nutzen Sie diese Medien, aber lassen Sie sich nicht von ihnen benutzen“, riet die Referentin gestern Abend vor rund 70 Gästen im Zeitungshaus.

Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren. Zum Beispiel Google schreibt jede Suchanfrage mit und speichert sie zusammen mit der IP-Adresse, das ist jener Code, der einen Computer seinem Besitzer zuordnet. So kann Google im Lauf der Zeit eine riesige Datenmenge zusammentragen, aus der sich hervorragend Interessenprofile zusammenstellen lassen. Solche sind für Werbetreibende bares Geld wert. Google oder Facebook stellen also ihre Dienste mitnichten kostenlos zur Verfügung. Der Nutzer zahlt mit seiner Registrierung – also mit seinen Daten. Umso mehr Google-Dienste, zum Beispiel google-Mail oder Picasa, ein Mensch nutzt, umso mehr weiß der Konzern. Einfach mal ausprobieren: Im „Dashboard“ ist aufgelistet, welche Kenntnisse sich Google über seine Nutzer angeeignet hat, abrufbar unter www.google.com/dashboard.

„Alle dürfen, bloß ich nicht!“

Nicht um Google, eher um Facebook dürften sich heftige Diskussionen in Familien drehen. „Alle dürfen, bloß ich nicht!“ – ein Standard-Argument bereits unter Zehnjährigen. Das Problem: Ihnen und auch ihren Eltern dürften des Öfteren Detailkenntnisse fehlen. Nur eine Kleinigkeit, die üble Folgen haben kann: Wer in einem Internet-Café im Urlaub Facebook nutzt und sich danach nicht abmeldet, öffnet seinem Nachfolger an diesem Computer Tür und Tor. Facebook selbst loggt nicht aus.

Oder gefälschte Profile: Jugendliche könnten in Facebook allzu leicht Fremde als Freunde akzeptieren – nicht ahnend, dass sich hinter der 13-jährigen Pferdefreundin jemand ganz anderes verbirgt.

„Was in Facebook eingestellt wird, bleibt nicht im stillen Kämmerlein“, betont Christa Rahner-Göhring. Facebook speichert alles, und wer die Einstellungen für seine Privatsphäre dort nicht selbst kontrolliert und seinen Wünschen entsprechend ändert, der gibt seine Daten offen preis.

Das gefällt Tante Anna – vielleicht dir auch?

„Soziale Werbung“ funktioniert inzwischen als Geschäftsmodell wunderbar: Klickt eine Person bei einem Produkt, einem Restaurant oder was auch immer auf „gefällt mir“, erfahren das befreundete Facebooknutzer. Aha, die Anna geht dort gern essen – das klick ich auch mal an: So funktioniert soziale Werbung, und zwar weit über ein einzelnes soziales Netzwerk hinaus: Konzerne kooperieren, und deshalb weiß Amazon, welches Buch Tante Anna gekauft hat – vielleicht gefällt dir das auch?

„Immer mehr Menschen nutzen immer mehr dieser Dienste“, so die Referentin. Niemand kann die Informationsflut noch überblicken – weshalb Menschen gern soziale Netze und damit die Meinungen und Vorlieben anderer als Filter nutzen.

Servieren allerdings Internetkonzerne jedem genau das, was er der Auswertung des Konzerns zufolge sehen will, entsteht leicht ein „Tunnelblick“. Vor diesem Hintergrund kommen Bürger nicht umhin, „Informationskompetenz“ zu entwickeln: Wie ist diese und jene Info zu bewerten?

Stimmt schon, das ist alles hoch kompliziert. „Ich möchte Sie ermutigen: Begleiten Sie Ihre Kinder bei allen Schritten im Netz“, so die Referentin. Es geht nicht darum, technisch alles zu durchblicken – da sind die Kinder eh schneller. Was Kindern aber fehlt, ist das Bewusstsein für die Konsequenzen dessen, was sie tun. „Das haben Sie!“, appellierte Rahner-Göhring an Erwachsene: „Stärken Sie Ihren Kindern den Rücken.“ Starke Kinder können besser mit Gefahren umgehen. „Verbote helfen nicht“, davon ist die Referentin überzeugt. Jugendliche nutzen diese Dinge dann eben beim Kumpel. Damit ist dann die Chance vertan, mit ihnen im Gespräch zu bleiben. (Ein weiterer Bericht folgt morgen).

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