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FamlienforumLasst die Kinder an die Luft

Andrea Wüstholz, vom 13.08.2012 17:50 Uhr
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Waldbande-Kinder wissen, wie sich Körperkontakt mit einem Felsen anfühlt. Foto: ZVW
Waldbande-Kinder wissen, wie sich Körperkontakt mit einem Felsen anfühlt.Foto: ZVW

Korb. Das freilaufende Kind in der Natur entwickelt sich zur aussterbenden Spezies. Der Naturphilosoph Andreas Weber empfindet das als „zivilisatorische Katastrophe“. Lasst sie raus, fordert er. Ein Pädagogenpaar aus Korb folgt seinem Vorschlag: Carola Wolfinger und Wolfgang Liedtke gründeten die „Waldbande“.

Eine Woche lang verbrachte eine Kinderschar jeden Tag auf dem Kleinheppacher Kopf – und keins der Kinder hatte einen Zeckenbiss zu beklagen. Hätte sich ein Saugvieh an junger Haut verbissen, hätten die Eltern das bemerkt. Nach einem Waldtag suchen sie die Kinder nach den potenziellen Krankheitsüberträgern ab.

Eltern fürchten Zecken oder Stürze vom Baum. Angst mag einer der Gründe sein, warum Kinder sich heute weniger in der Natur aufhalten, fern von Erwachsenen. „Betreten verboten“-Schilder schrecken zudem ab. Computerspiele lenken ab, Hausaufgaben fressen Zeit, Leistungswille zählt.

Diplom-Sozialpädagogin Carola Wolfinger ist sich bewusst, selbst die Waldbande bleibt ein inszeniertes Angebot. Dennoch: Die Bande holt Kinder dorthin, wo sie hingehören. In die freie Natur. Carola Wolfinger und ihr Partner Wolfgang Liedtke, von Haus aus Sportlehrer, möchten eine Waldbande-Gruppe etablieren, die sich dauerhaft trifft, jede Woche wahrscheinlich freitagnachmittags oder samstags, im Sommer je vier, im Winter je drei Stunden. Die Waldbande steht Kindern vom Grundschulalter an offen, und die beiden Pädagogen laden außerhalb der wöchentlichen Treffen zu Waldwochen in den Ferien ein. Bisher verbrachten die Kinder die Nächte während der Waldwoche zuhause. Das kann sich ändern, zumindest teilweise: Nächstes Mal werden die Kinder eine Nacht unter freiem Himmel schlafen, kündigt Carola Wolfinger an.

Kein Computerspiel ermöglicht diese Erfahrungen


Sie und ihr Partner, beide im Hauptberuf als Angestellte in Lohn und Brot, wollen Kindern Erfahrungen ermöglichen, die kein Computerspiel der Welt, kein Arbeitsblatt im Bio-Unterricht und keine Fernsehsendung vermitteln kann. In der Natur muss der Mensch sein, um sie zu fühlen. „Wir sind auch Natur“, bringt es Carola Wolfinger auf den Punkt. „Nur haben wir das manchmal vergessen. Deshalb geht es uns manchmal so schlecht.“ Sie selbst spürt Ruhe und Entspannung in der Natur, eine Ahnung von Freiheit auch.

„Natur provoziert Aufmerksamkeit, die nicht anstrengt.“ Das Zitat stammt vom Erziehungswissenschaftler Prof. Ulrich Gebhard, Autor des Buches „Kind und Natur“. Gebhard geht in seinem Werk der Frage auf den Grund, wie sich Naturerleben auf die psychische Entwicklung von Kindern auswirkt: überaus positiv.

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