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Fasching in Waiblingen Die Hexen tauchen aus der Rems: „D’ Remshexa send haußa!“

Waiblingen. Des Nachts am Dreikönigstag war es endlich wieder so weit! Mit lauter Guggamusik wurden die Waiblinger Hexen aus ihrem Tiefschlaf geweckt und tauchten bejubelt von einer Menge Narren aus den eisigen Wassern der Rems auf. Jetzt dürfen sie wieder ihren Schabernack treiben. „Ab heute beben die Mauern der Stadt!“, verkündeten sie frech, um sich danach schon mal im Schlosskeller aufzuwärmen.

Banges Warten in gespannter Atmosphäre bei grausiger Kälte. Auch der Mond hat neugierig seine Sichel hoch über den Remsauen ausgefahren. Die Närrinnen und Narren in ihrem bunten Häs schnallen die blechernen Becher vom Gürtel und wärmen sich mit Heißem oder Prozentigem.

Eisschollen werfend tauchen die Hexen aus der Rems auf

Die christlichen Feste sind erst mal vorbei, und jetzt drängen die alten heidnischen Traditionen nach ihrem kurzen Recht. Mehr als zehn Monate waren die Hexen verbannt. Versteckten sich im Tiefschlaf im Morast und unter den Kieseln der Rems. Kratzende Schnarchlaute wehen noch über die Gefilde. Doch ach, das Flüsslein um die Schwaneninsel ist zugefroren. Haben die Hexen den Weckruf der Waiblinger Guggamusiker und den „Gmender Altstadtfegern“ mit ihren ohrenbetäubenden Schalmeien und Trommeln überhaupt gehört? Drang der aufmunternde Krach bis unter die Eisschicht? Oder wird Fasnet dieses Jahr ausfallen? Doch nein! Ein Klirren ist da plötzlich zu vernehmen. Ein näher kommendes Schnaufen. Und ja! Tatsächlich! Im Dunkel kommen sie näher. Tauchen aus der Rems auf. Werfen grell splitternde Eisschollen vor sich her. Und steigen schließlich unter Beifall der staunenden Menge aus den Wassern. Andere, noch schlaftrunken, werden von den Kindern aus ihren Verstecken in den umliegenden Gebüschen geholt und dann im Triumphzug über die Brücke geleitet. Da sind sie also! Und der alte Neidkopp begrüßt die Schönen.

Schlachtruf der Hexen: „Mir schlofat tags ond tobat nachts!“

Aber was haben sie sich in ihren wirren Träumen wohl ausgedacht für die nun anbrechende närrische Zeit? Sie reiben sich die krummen langen Nasen auf ihren „Larven“ genannten Masken, äugen noch etwas scheu herum und versprechen dann so einiges. „Hört, Hexen, hört auf mich! Euer Meister spricht. Ab heute beben die Mauern der Stadt. Pfleget unsern jährlichen Brauch, steiget aus den Fluten herauf, tauchet auf!“

Und dann heißt es im Jubel endlich: „D’ Remshäxa send haußa!“ Und damit beginnt wieder die Zeit, die das Unterste zuoberst kehrt, in der der Alltag aus den Angeln gehoben wird. „Mir schlofat tags ond tobat nachts“, erklingt der Schlachtruf. Und mit ohrenbetäubender Musik zieht der große Zug der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft und ihrer törichten Mitbürger in die Altstadt ein.

Runter in den warmen Schlosskeller, wo dann mit ersten frechen Amtshandlungen die sture Bürokratie der Obrigkeit parodiert wird. Die „Hexataufe“ findet statt, bei der die Novizinnen nach dem Probejahr mit einem Ritual in die Gemeinschaft aufgenommen werden: In vollem Häs mit dicken Handschuhen müssen Schuhbändel rausgelöst werden. Die Langsamste muss sie zur Strafe auch wieder einfädeln. Und nach dem Taufspruch wird die Aufnahme dann mit „Hexapisse“ besiegelt. Helau!

Die Hexe Karlheinz
Als eine der beiden aus der Rems auftauchenden Hexen am Seil vorbeischwamm, mit dem sie ans Ufer gezogen werden sollte, rief einer hilfreich ins Wasser runter: „Karlheinz! Doher! Do isch’s Seil!“

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