Frauen bei der Polizei Was Handy-Daten Ermittlern verraten

Jutta Pöschko-Kopp, 12.08.2016 00:00 Uhr
Kriminalkommissarin Sabrina Krüger-Voigt. Foto: Palmizi / ZVW
Kriminalkommissarin Sabrina Krüger-Voigt.Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Fotos, Adressen, Kalender, E-Mails und Chats: Auf vielen Handys finden sich die wichtigsten Daten eines Menschen. Genau deshalb spielen Mobiltelefone auch bei der Aufklärung von Verbrechen eine immer wichtigere Rolle. Sabrina Krüger-Voigt spürt Daten auf Handys und Rechnern auf und rettet sie, auch wenn diese verschlüsselt oder längst gelöscht wurden.

Video: Kriminalkommissarin Sabrina Krüger-Voigt ist zuständig für "Cybercrime".

Nach dem Mord an der Betreiberin des China-Restaurants „Asien-Perle“ in Backnang arbeitete die Kriminalpolizeidirektion Waiblingen mit Hochdruck an der Aufklärung des Mordes. Involviert war auch Kriminalkommissarin Sabrina Krüger-Voigt, die im Team der Kriminalinspektion 5 – zuständig für Cybercrime – Daten sicherte. Insgesamt 20 Kollegen der Kriminalinspektion 5 teilen sich die Arbeitsbereiche IT-Beweissicherung, Cybercrime-Ermittlung und Datenanalyse. Zusammen bilden sie ein Team, das einen ganz speziellen Bereich bei der Polizei abdeckt und deshalb auch auf einer Wellenlänge ist: „Alle haben eine hohe Motivation“, sagt die 26-Jährige. „Das merkt man auch am Klima. Es ist außergewöhnlich.“

Profundes Wissen und Erfahrung sind wichtig

Wer Daten aufzuspüren und zu sichern weiß, auch wenn sie verschlüsselt oder längst gelöscht wurden, braucht ein profundes Know-how. Tatsächlich war Sabrina Krüger-Voigt von Technik schon immer fasziniert. Schon während ihres Polizeistudiums in Villingen-Schwenningen habe es nach einem Praktikum für sie festgestanden, dass sie genau in diesem Bereich arbeiten wollte. Nur übergangsweise war sie nach ihrer Ausbildung im Streifendienst eingesetzt, bevor sie zur IT-Beweissicherung wechseln konnte. Dort eignete sie sich in einem achtwöchigen Einführungslehrgang das Basiswissen an – der Rest, sagt sie, ist Erfahrung. Genau deshalb sei auch die Teamarbeit besonders wichtig: „Wir brauchen den Wissenstransfer. Vier Augen sehen mehr als zwei.“

Immer mehr Rechner und Handys werden als Beweismittel sichergestellt und landen auf den Tischen des Arbeitsbereichs IT-Beweissicherung. Dort werden die Daten ausgelesen und die Festplatte der Computer gesichert. Als Dienstleister für die ermittelnden Kollegen sind Sabrina Krüger-Voigt und ihre Kollegen unter anderem bei Betrugsdelikten und im Bereich von Kinderpornografie im Netz gefragt. „Wir machen eine Eins-zu-Eins-Kopie der Festplatte“, erklärt sie. Damit würden keine Daten verändert. Bilder und Videos oder andere Daten werden an die ermittelnden Kollegen weitergegeben, die dann auch für deren inhaltliche Auswertung zuständig sind. Stichwort Mobilfunkforensik: Immer häufiger landen die kleinen Telefone auf dem Schreibtisch der Kriminalkommissarin. Weil auf den Handys oft die wichtigsten Daten der Menschen gespeichert sind, werden sie für die Ermittler immer wichtiger. Die Geräte werden immer günstiger, die Speicher im größer – auch deshalb nehme die Zahl der digitalen Beweismittel zu.

Abends studiert sie an der Fernuni

Abends nach dem Job hat die 26-Jährige noch lange nicht genug von Computern. In ihrer Freizeit studiert sie in einem Fernstudiengang an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen „Digitale Forensik“: ein Studiengang über sieben Semester, der für Strafverfolgungsbehörden konzipiert sei, den aber auch Leute aus der Wirtschaft absolvierten. Wie in jedem Studium werden Hausarbeiten und Prüfungen verlangt, wobei die mündlichen Prüfungen per Chat am Bildschirm ablaufen. Zwischen 15 und 20 Stunden investiert sie pro Woche in das Studium, dazu kommen alle sechs Wochen Präsenzwochenenden. Auch wenn sich der „Master of Science“ am Ende laufbahnrechtlich wohl nicht auswirken wird, macht ihr das Studium viel Spaß – „auch weil ich alles sofort anwenden kann“, wie sie begeistert erzählt.

Dass sie einmal bei der Polizei landen würde, konnte sie sich schon früh vorstellen. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr wurde sie direkt in den Gehobenen Dienst der Polizei eingestellt. Nach neun Monaten bei der Bereitschaftspolizei ging sie zum Polizei-Studium nach Villingen-Schwenningen, das sie 2014 beendete. Ein Traumberuf? „Voll und ganz“, bestätigt Sabrina Krüger-Voigt. „Ich bin am richtigen Ort. Und ich fühle mich rundum wohl.“ Völlig falsch sei die Vorstellung mancher Leute, dass ihre Arbeit eigentlich gar nichts mit der Polizei zu tun habe: „Es hat sehr viel damit zu tun.“ Und es sei unheimlich abwechslungsreich: „Wir sind nicht auf einen Deliktsbereich festgelegt, sondern bekommen es mit allen Fällen zu tun.“

Polizeibeamtinnen

Seit mehr als 100 Jahren gibt es Frauen bei der Kriminalpolizei, aber erst seit 1987 sind sie bei der Schutzpolizei zugelassen.

Voraussetzung für den mittleren Polizeidienst ist ein mittlerer Bildungsabschluss (zum Beispiel Realschule), für den gehobenen Polizeidienst braucht es Abitur, Fachhochschulreife oder fachgebundene Hochschulreife.

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Kommentare (4)
traurig aber wahr • vor 7 Monaten
Private Fortbildung um für den Job / Kampf gegen die Kriminalität gewappnet zu sein. Sowas gibt's nur beim Bund & Land als Arbeitgeber.
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Uschi traurig aber wahr • vor 7 Monaten
das gibt es auch in mittelständischen Unternehmen hier im Kreis. Das ist meine eigene Erfahrung.
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IT • vor 7 Monaten
"Dort eignete sie sich in einem achtwöchigen Einführungslehrgang das Basiswissen an – der Rest, sagt sie, ist Erfahrung" Meinen Respekt hat die Dame, ganz klar. Aber innerhalb von acht Wochen einen Lehrgang absolvieren und dann gleich in den IT-Beweissicherungsdienst übergehen geht mal gar nicht. Sie mag ja recht damit haben, dass Erfahrung viel ausmacht, aber hierbei gehts nicht darum der lieben Tante einen E-Mail client einzurichten, sondern Straftäter dingfest zu machen. Dazu sollte man auch MD5, CRC32, Blowfish, DES und SHA256 auseinanderhalten können. Ich rechne ihr hoch an, dass sie in einem Fernstudium "Digitale Forensik" belegt. Das zeigt auch, dass sie sich für das Thema interessiert, aber ob ihre Kollegen in der IT-Beweissicherung es ihr gleichtun?
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Sabrina Krüger-Voigt IT • vor 7 Monaten
Vielen Dank für Ihre Anerkennung, das motiviert noch mehr! Ich gebe Ihnen recht, dass ein Acht-Wochen-Lehrgang nur an den Grundlagen kratzen kann. Deshalb gilt bei uns auch der Grundsatz, dass es mehrere Jahre dauert, in denen man das "alleine laufen" erst noch lernt. Somit geht eher selten einer unserer Berichte über den Tisch, ohne dass mehrere Kollegen daran beteiligt sind. Darüber hinaus besuchen wir natürlich auch nach diesem Grundlehrgang noch mehrere Wochen im Jahr fachspezifische Fortbildungen. Meiner Meinung nach liegt grundsätzlich der größte Mehrwert aber in einer guten Mischung aus Theorie und Praxis.
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