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Führerschein Fahren lernen - mal frustrierend, mal spaßig

Jessy Beraldo, Maria Turcan, vom 26.01.2012 19:59 Uhr
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Jessy Beraldo mit ihrem Fahrlehrer. Foto: ZVW
Jessy Beraldo mit ihrem Fahrlehrer. Foto: ZVW

Jessy Beraldo erzählt, wie es ihr bei Theorieunterricht und Fahrstunden ergangen ist...

„Du musst das Rechts-vor-links-Gebot beachten, Vorfahrt gewähren, achte auf dein Tempolimit, lass die Kupplung langsam kommen, schalte rechtzeitig, schnall dich immer an...!“ Das alles und noch viel mehr muss ich mir gleichzeitig merken können. Und ich dachte immer, Autofahren macht Spaß.

Doch manchmal denke ich mir, fahre ich doch lieber mit dem Bus. Der hat mich bis jetzt immer überall hingebracht und ich hatte keine großen Schwierigkeiten dabei. Aber wenn ich mich mit diesen ganzen Schildern rumschlagen muss und damit, was sie bedeuten, wenn ich da nicht reinfahren und dies und das nicht machen darf - dann ist das einfach viel zu viel!

Trotzdem will ich aber meinen Führerschein haben, das gehört einfach zum Leben. Vor allem will ich ihn, bevor ich 18 werde, denn dann kann ich mit 18 auch alleine durch die Gegend düsen. Außerdem würde ich mich durch ein Auto, das ich selber fahren kann, noch selbstständiger fühlen. Klar, mit der Bahn und dem Bus ist man auch selbstständig. Doch man muss sich an die vorgegebenen Zeiten halten, und mit meinem eigenen Auto entscheide ICH, wann ich wohin gehen will und welchen Weg ich nehme.

Also habe ich mich im September auf den Weg zu einer Fahrschule gemacht. Ich habe A&B Company in Waiblingen gewählt. Das „A&B“ steht für Ade und Baumholzer, die Gründer der Fahrschule. Viele meiner Freunde hatten dort schon ihren Führerschein gemacht und ich hatte von ihnen nur Positives darüber gehört. Außerdem war es mir wichtig, dass ich eine Fahrschule finde, die in meiner Nähe ist, und die an vielen Tagen in der Woche Theorieunterricht anbietet. Mit dem Theorieunterricht ist es ein bisschen wie mit Chemie und Physik in der Schule. Diese Fächer will ich auch schnellstmöglich loswerden.

Der Altersunterschied in der Fahrschule

A&B Company schien also genau das Richtige für mich zu sein. Ich hab mich angemeldet und bin gleich dageblieben. Obwohl der Unterricht an sich ein wenig trocken war, hat er manchmal sogar Spaß gemacht. Vor allem waren nicht nur Jugendliche dabei, sondern auch Ältere, die einen Lkw- oder Motorradführerschein machen. Wie ich schnell bemerkte, bietet die Fahrschule viele Führerscheinklassen und jeder ist versorgt. Einige wollten sogar einen Traktorführerschein erwerben. Ich wusste nicht mal, dass man einen Führerschein braucht, um Traktor zu fahren. Im Urlaub bin ich auch immer ohne gefahren.

Der Unterricht fand nicht wie in der Schule mit Büchern statt und es stand auch kein Lehrer an der Tafel und hielt einen Vortrag. Wir hatten eine Art Smartboard, auf dem die verschiedenen Lektionen mit einem Beamer projiziert wurden. Zur Veranschaulichung wurden Videos und Animationen zu bestimmten Situationen gezeigt. Nach meiner ersten Theoriestunde blieb ich fleißig, ging viermal die Woche zum Unterricht und hatte somit meine zwölf Stunden schon in drei Wochen fertig, während Freunde von mir, die schon lange vor mir angefangen hatten, weiterhin den Theorieunterricht besuchen mussten.

Dann ging’s zur Sache, endlich durfte ich fahren. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hatte zwar in den USA schon heimlich mit dem Auto meiner Freundin das Fahren „gelernt“, aber das war ein Automatikwagen und mit Schaltung war ich noch nie gefahren. Meinem Fahrlehrer Andy hatte ich das zwar gesagt, aber er hatte es vergessen und dachte, ich könne schon mit Schaltung fahren. Also war die erste Fahrstunde ein totales Erlebnis.

Der richtige Fahrspaß kommt beim Schalten

Oh Mann, ich weiß noch, wie er sagte: „Jetzt schalte in den dritten Gang!“ Ich dachte nur: „Wie schalte ich überhaupt, wo ist der dritte Gang, wie sieht der aus, wie mache ich das? Aaahhh.“ Irgendwann war ihm klar, dass ich mit der Schaltung überhaupt nicht umgehen kann. Wir sind also auf den Parkplatz gefahren und er hat mir erklärt, was Schalten überhaupt ist.

Und dann ging’s schon wieder auf die Straße. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass meine Erfahrung mit Autofahren sich auf die USA beschränkt, wo alle Straßen und Autos doppelt so breit sind wie hier. In Deutschland hingegen kam ich mir in dem „kleinen“ Mini Countryman winzig vor. Und wie die alle um mich herumgerast sind, hallo? Ich lerne gerade erst zu fahren, seht ihr das große „Fahrschule“-Schild nicht?

Die Kupplung und ich wollten am Anfang überhaupt nicht zusammenarbeiten. Ich ließ sie immer zu schnell los und das Auto ging aus. Ich hatte einen richtigen Kampf und gehöre nicht zu den geduldigsten Menschen auf dieser Welt. Mein Fahrlehrer wunderte sich über meine Verärgerung und ermutigte mich: „Irgendwann schaffst du das auch noch!“ Ja klar, dachte ich mir, das wird niemals klappen.

Der Sinn und Zweck der Extrapedale

Sechs Fahrstunden später war mein Tempolimit ein Problem. Mittlerweile waren die Kupplung und ich endlich Freunde geworden. Prompt wurde ich am Steuer viel selbstbewusster. Das führte dazu, dass ich nicht mehr auf die Schilder geachtet habe, immer schneller wurde und nicht mehr nach rechts oder links geschaut habe. Ich wollte einfach fahren. Gott sei Dank ist ein Fahrschulauto mit Extrapedalen auf der Beifahrerseite ausgestattet, so dass mein Fahrlehrer immer rechtzeitig eingreifen konnte, wenn ich versuchte, mich in den Tod zu fahren.

Nachdem ich mit meinen Übungsstunden fertig war, konnte ich schon ziemlich gut fahren. Sogar die Vorfahrtsregel und das Rechts-vor-links-Gebot beherrschte ich langsam. Davon hatten die also immer gelabert im Theorieunterricht. Erst jetzt wurde mir einiges klarer.

Nur das mit der Kommunikation während dem Fahren bereitet mir manchmal Probleme. Ich kann zwar gut zuhören, was mir mein Fahrlehrer so erzählt, aber wenn er mir manchmal Fragen stellt, muss ich länger nachdenken. Dabei sind es ganz einfache Fragen, die er mir stellt, und doch krieg ich es nicht hin, alles gleichzeitig zu machen. Bin wohl doch nicht so multitaskingfähig, wie ich dachte. Ich kann auch nicht antworten, wenn ich in eine scharfe Kurve fahre oder schalten muss, weil mein Gehirn höchste Konzentration braucht. Über die langsamen Fahrer vor mir und die ständig auf Rot wechselnde Ampel kann ich mich jedoch immer aufregen, ebenso über Fußgänger, die sich nicht entscheiden können, ob sie nun die Straße überqueren wollen oder nicht. Ja, da wird man schon manchmal aggressiv.

Endlich weiß ich, was man als Autofahrer über Fußgänger denkt. Anders herum kann ich mich auch in die Fußgänger hineinversetzen, zu denen ich ja auch lange genug gehört habe. Wenn beide Parteien etwas besser auf die Bedürfnisse des anderen eingehen würden, wäre das Fahren viel friedlicher. Es sind aber auch nicht nur Fußgänger, über die ich mich manchmal ärgern muss, sondern auch andere Pkw-Fahrer. Klar ärgert man sich manchmal gegenseitig und fährt extra langsam, wenn der Hintermann meint, er müsse zu dicht auffahren. So bin ich schon mal in ganz brenzlige Situationen gekommen, in denen mein Herz kurz stehen geblieben ist.

Mit dem Bleifuß über die Autobahn

Und doch liebe ich das Fahren. Es ist einfach geil! Erst letztens hab ich meine Autobahnstunden gehabt, drei Stunden am Stück. Jedes Mal, wenn kein Tempolimit vorhanden war und ich so viel Gas geben konnte, wie ich wollte, war das ein tolles Gefühl. Ich steuere das Auto ganz allein und ich bin der Chef. Laut Andy gehöre ich sowieso zu der Sorte Fahrschüler, die sich nicht viel sagen lassen, sondern einfach losfahren. Dass ich ab und zu dumme Fehler gemacht habe, vor denen mich Andy gerade noch davor gewarnt hatte, lag nur daran, dass ich es selbst ausprobieren wollte. Obwohl es manchmal dickköpfig von mir war, habe ich daraus gelernt und mache diese Fehler nicht mehr. Nur ab und zu mal nehme ich anderen noch die Vorfahrt, weil sie mir zu langsam sind. Dann hupen sie zwar böse, aber das ist mir egal. In der Prüfung werde ich das natürlich nicht machen.

Mittlerweile ist das Fahrenüben schon zu meinem Hobby geworden und ich freue mich immer riesig darauf. Deshalb werde ich es auch sehr vermissen, wenn ich meinen Führerschein endlich in der Hand halten werde. Obwohl Andy mich manchmal ärgern will, wenn ich in Kurven fahre und er sich so stark mit Armen und Beinen festhält, damit es für andere Verkehrsteilnehmer aussieht, als wäre ich die schlimmste Fahrerin überhaupt.

Allen, die mit dem Fahrenlernen anfangen wollen, kann ich nur raten: Zieht es einfach durch und verschwendet nicht zu viel Zeit mit den Theoriestunden. Übrigens kann man bei A&B Company auch zweigleisig vorgehen. Ihr könnt euch für die Theoriestunden anmelden und gleichzeitig auch schon Praxisstunden nehmen. So lernt ihr das, was ihr gerade in der Theorie gehört habt, in der Praxis anzuwenden. Außerdem verfügt die Fahrschule immer über die neusten Automodelle, damit sie mit unserem Jugendkult mithalten kann.
 

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