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Die Rollen vor dem DFB-Viertelfinale am kommenden Mittwoch scheinen klar verteilt. Das Heimteam, der VfB Stuttgart, ist gegen den Rekordmeister aus Bayern krasser Außenseiter. Von den acht Partien im DFB-Pokal gewannen die Bayern sieben Mal. Die Buchmacher trauen sogar dem Zweitligisten Greuther Fürth in dem Auswärtsspiel gegen den Erstligisten Hoffenheim wesentlich mehr zu, als den Jungs mit dem Brustring. Ist es also hoffnungslos? „Nein“, sagt der Lukas (16) aus Rommelshausen. Der Stuttgartfan, der bereits als Baby einen Strampelanzug mit rotem Brustring trug, hält einen Heimsieg für nicht ausgeschlossen. Bayern-Fan Boris Müller (19) aus Weilstadt geht hingegen fest davon aus, dass seine Mannschaft ins Halbfinale einzieht. Es ist mehr als nur ein Fußballspiel. Ist es Hass, Verachtung oder gesunde Rivalität? Hat der VfB überhaupt eine Chance?
Lukas: Es war schon immer so: Die Bayern haben traditionell so Hassfiguren. Also Uli Hoeneß, zum einen, weil ich den mit seinem Presswurstgesicht nicht ausstehen kann, zum anderen, weil er für die Spielereinkäufe zuständig war - jetzt ist er ja anderen Standes. Außerdem kann ich den Herrn Van Buyten nicht ausstehen. Das ist gleiche wie mit dem Maik Franz (Früher Karlsruhe SC, heute Hertha BSC). Das sind so Grobmotoriker in der Abwehr, die in die Gegner reinspringen und langmonatige Verletzungen für nichts und wieder nichts riskieren.
Boris: Also ich kann den Bobic nicht leiden. Dem seine Interviews sind unter aller Kanone. Ich schau mir immer Sport im Dritten an. Was der beispielsweise nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Bayern (11. November 2011) von sich gelassen hat. Wenn man wie der Molinaro von hinten reingrätscht, dann ist das eben eine gelbe Karte und in dem Fall eben gelb-rot. Da muss man nicht noch die Schiedsrichter irgendwie rund machen.
Lukas: Der kommt eben aus'm Halschlag. Der ist eben speziell. Sehr emotional, es ist vermutlich schwierig mit ihm klar zu kommen. Das war schon als Spieler so, – ich hab das zwar nicht mehr erlebt, aber ich hab die Videos gesehen. Der ist schon ziemlich krass drauf, um das mal vorsichtig zu sagen. Ich mag ihn trotzdem. Bobic ist ein toller Sportdirektor, gerade weil er aus Stuttgart kommt und den Verein kennt.
Boris: So die richtigen Spitzen von seinen des VfBs vermisse ich ein bisschen. Die Rivaltität ist nicht mehr das, was es einmal war. Früher war es heftiger, auch in der Presse. Da hat man sich Wochen davor schon auf die Schippe genommen. Dennoch ist am Mittowoch ein besonders Spiel. Es geht darum: wer hat die Vormachtsstellung hier im Süden. Die Vergangenheit hat gezeigt: Die Spiele sind hochbrisant. Es geht zur Sache, auch von der Aggressivität her.“
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Kleine Info am Rande: Es fahren Sonderzüge nach dem Spiel:
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Lukas: Es freut einen immer sehr , wenn Bayern gegen schwache Mannschaften verliert. Es ist ja auch so, die Ersatzbank von Bayern stärker ist als die erste Elf vom VfB.
Boris: Beim VFB ist eben das Problem, dass sie gegen Bayern 110 Prozent bringen, – dann gewinnen sie eben manchmal. Das ist so bei kleinen Mannschaften. Im Spiel gegen Bayern geben sie alles, da hauen sie sich voll rein. In den nächsten Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner verlieren sie eben dann.
Lukas: Ich habe den VFB in den letzten Jahren eher als höhere Mannschaft gesehen, als er jetzt steht. Das ist derzeit eher nur Mittelmaß. Die haben zwar jetzt mehr Punkte geholt, als im letzten Jahr, doch insgesamt spielen sie nicht stark. Beim VfB gibt’s keine kleinen Gegner, der VfB ist ein klassischer Aufbaugegner. Gegen Hamburg beispielsweise war das so. Die Hamburger haben verheerend gespielt, kein Spiel gewonnen und gegen die verliert dann der VfB. Gut, die gewinnen dann natürlich auch mal gegen große Mannschaften. Das ist so ein Hin und Her. Die spielen immer bemüht, aber nie konsequent genug, trotzdem ist am Mittwoch ein Sieg möglich. Es ist nicht ausgeschlossen, die spielen daheim vor eigener Kulisse, es ist DFB-Pokal. Wenn sie das Spiel vollzählig zu Ende spielen könnten, wäre es ganz nett. Beim letzten Bundesligaspiel haben sein gegen Bayern ja 1:0 geführt (Torschütze: Christian Gentner), dann eine gelb-rote Karte (Christian Molinaro) kassiert und dann 1:2 (Doppeltorschütze: Mario Gomez) verloren…
Boris: Das ist ne billige Ausrede. Nach dem Platzverweis war der VfB tendenziell besser, davor war Bayern klar besser und der VfB hat gar nichts gemacht. An dem Tag hätte sich der VfB über mehrere Gegentore in der ersten Halbzeit nicht beschweren können. Und ich bin mir sicher, das wird am Mittwoch eine Klatsche für den VfB. Das hat man auch schon letztes Jahr im DFB-Pokal (22. Dezember 2010, Endergebnis: 3:6) gesehen, das war im Achtelfinale. Bayern war nach 20 Minuten 2:0 in Führung und da waren beim VfB schon die Lichter aus. Ich denke, so wird das Spiel am Dienstag auch laufen. Dem VfB fehlt die Klasse, um da mitzuhalten. Wenn Bayern dann ernst macht und keinen rabenschwarzen Tag erwischt, ist für den VfB nichts zu holen.
Lukas: Mal schauen. Es ist eben immer die Sache. Wenn der VfB die Tore eben vorne schießt und zwar direkt zu Beginn und Bayern trifft nicht, und es steht dann eben 2:0 für den VfB, dann kann das richtig schwierig werden für die Bayern. Doch wenn es bis zur 40. Minute 0:0 steht und Bayern dann trifft, dann ist die Sache gelaufen. Gegen Bayern kann man nur gewinnen, wenn man die wenigen Chancen nutzt. Und klar kann man Vedad Ibisevic ansprechen. Vielleicht gibt es mit einem neuen Mann, einen neuen Ansporn.
Boris: Das erste Tor wird wahrscheinlich sehr entscheidend sein, weil man hat ja gesehen, wenn Bayern in dieser Saison mal im Rückstand ist, klappt es nicht so toll. Wie beispielweise neulich gegen Gladbach ( 3:1 für Gladbach). Aber ich denke trotzdem, dass den Bayern eine durchschnittliche Leistung reichen wird. Zumal ist Stuttgart gerade alles andere als in Bestform, ich würde fast schon sagen: der VfB ist derzeit Kanonenfutter. Wenn das Spiel in München wäre, wäre es für mich schon im Vorhinein gegessen, aber auswärts ist eben immer so eine Sache. Dann kommen eben noch die Fans, der zwölfte Mann ins Spiel. Gerade im Pokal hat das einen besondern Einfluss, auch durch den Druck auf den Schiedsrichter. Da weiß man nie, was passiert.
Lukas: Das Problem ist: der VfB hat den Ulreich im Tor. Die Abwehr geht davon aus, dass der eh hinten alles hält. Die machen zu wenig Druck nach vorne, spielen viel in den eigenen Reihen. Wenn sie dann mal nach vorne kommen, schießen die die Tore nicht, weil der Cacau gar nichts mehr trifft. Harnik spielt zwar gut, arbeitet viel, aber vorne hapert es am Abschluss. Und sonst hat der VfB eben keine konsequenten Stürmer. Okazaki hat außer dem Abstauber gegen Schalke nicht getroffen. Der Progrebnyak hat gar nichts getroffen. Gut, dass der endlich weg ist. Ich setze meine Hofnung auf den Ibisevic. Ich glaube zwar nicht, dass ein Mann alles rausreißen kann, aber es wäre gut, wenn einer mal die Tore schießt, das fehlt dem VfB derzeit am meisten.
Boris: Beim VfB hat man in letzter Zeit immer gehört: Ulreich ist der beste Mann. Das sagt alles über die Truppe aus. Wenn der Torwart der beste Mann ist, dann kann es insgesamt nicht gut gewesen sein.
Lukas: Das Problem ist, die spielen nie von Anfang an mit Druck. Die warten regelrecht auf das 0:1, zum Teil auf das 0:2. Und erst dann fangen sie an zu spielen. In den letzten Jahren, konnten sie dadurch oft die Spiele drehen. Dieses Jahr funktioniert das nicht, weil keiner mehr die Tore vorne schießt. Wir haben letztes Jahr mal 3:0 geführt und haben dann 3:3 gespielt, das habe ich überhaupt nicht verstanden. Dann liegst du mal 0:2 hinten und gewinnst 3:2. Das sind irgendwie Gegensätze. Aber das ist auch das schöne daran und der Unterschied zu den Bayern. Du weisst nie wie ein Spiel ausgeht, wenn du ins Stadion gehst. Du kannst jetzt nicht sagen: Ich geh' jetzt gegen Mainz ins Stadion, normalerweise müsstest du 3:0 gewinnen und dann verlierste überrraschend 1:5. Dann geht es gegen die Bayern und denkst es gibt ne 0:5-Klatsche –dann gewinnst du 2:1. Du weißt nie, wie es ausgeht. Tatsache ist eben, ich bin der Mannschaft so oder so treu. Ich glaube trotzdem, dass am Mittwoch andere Regeln gelten. Die Jungs sind hoch motiviert, es ist DFB-Pokal. Ich tipp den Standardtipp: 2:1 für den VfB.
Boris: Also ich glaube fest an ein torreiches Spiel und tippe auf ein 5:2 für Bayern.
Lukas: Wenn man realistisch ist, ist die Bundeliga-Saison für den VfB so gut wie gelaufen. Mit den Europacup-Plätzen wird es nichts.
Boris: Normalerweise ist der VfB ein Rückrundenteam, aber darauf kann man sich eben auch nicht verlassen. Der VfB hat schon mehr Qualität als andere Mannschaften, aber für Europa wird es wohl nicht reichen.
Lukas: Auf den ersten Blick war die Einkaufspolitik gar nicht so schlecht, aber dennoch haben die Jungs nicht richtig gezündet. Der Okazaki wirbelt zwar rum, aber es bringt irgendwie nicht so viel. Der Progrebnyak ist die ganze Zeit immer umgefallen. Der hat nichts getaugt und der Mannschaft nicht geholfen. Beste Männer sind für mich der Ulreich, der ist Weltklasse. Der ist für mich der beste Torwart der Liga –wundert mich, dass der noch nicht für die Nationalmannschaft nominiert. Und der Kvist spielt sehr gut, unauffällig, aber dafür effektiv. In den letzten Spielen hat er zwar auch nicht so hervorragend gespielt, aber insgesamt echt guten Fußball. Wenn der Molinaro einen guten Tag schlägt er tolle Flanken und wenn nicht, landen die Bälle eben im Publikum. Die Mannschaft stimmt schon einigermaßen, aber es gibt Nachbesserungsbedarf.
Boris: Das ist eben die schwäbische Mentalität. Man gibt nur das aus, was reinkommt und nicht mehr. Dadurch bleibt der VFB limitiert, die haben jetzt viel investiert in ihr Stadion. Die hätten auch ihr altes Stadion lassen können und in die Mannschaft investieren können. Ich fragen mich immer noch: Wohin sind die Khedira-, Träsch- und Gomez-Millionen? Wenn man in die Championsleague möchte, muss man in die Mannschaft investieren. Auch Bobic hat bei seiner Einkaufspolitik Fehler gemacht. Die Sache Mladen Petric (HSV). Da macht er rum wegen einer Millionen mehr. Sonst wäre der Petric zum VfB gewechselt, der wäre eine große Verstärkung gewesen.
Lukas: Da kommt wieder der Hass auf Bayern auf. Ich kann verstehen, wenn die Spieler vom VfB international wechseln, siehe Khedira. Aber beim Gomez war es hart. Der VfB kann nicht so viel Gehalt wie Bayern zahlen. Bayern hatte damals vier, fünf gute Stürmer, der VfB nur gerade mal einen, das ist dann schwierig für die Fans.
Boris: Gerade beim Gomez war es ein gutes Geschäft für beide Seiten. Der VfB hat immerhin 30 Millionen kassiert.
Lukas: Aber was machen sie mit der Kohle, die kaufen keine Stürmer mehr. Die haben jetzt den Cacau seit zehn Jahren und der trifft nicht.
Boris: Das Problem ist, wenn jeder weiß, dass du 30 Millionen hast, kommen eben diese Mondpreise für durchschnittliche Spieler zustande.
Lukas: Ich hoffe einfach, dass der Gomez am Mittwoch nicht trifft. Der wird sicherlich ausgepfiffen. Aber das ist eben die Klasse der Spieler bei Bayern, wenn die die ausgepfiffen werden, lassen die sich nicht raus bringen. Die sind da cleverer als die Stuttgarter. Ein Ribéry oder ein Robben lassen sich nicht irritieren, so ein Celozzi weiß nicht mehr, wo oben oder unten, geschweige der Ball ist. Der VfB ist ohnehin psychisch anfällig, der gewinnt nur, wenn alles stimmt. Das wird auch am Mittwoch entscheidend sein.
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