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GlobalIns Ausland - zufällig oder geplant

Birgit Heitfeld, vom 11.08.2012 12:47 Uhr
Arik Meyer (rechts) verwirklicht gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen aus Berlin, Patrick Bernhard und Lydia Schültken sowie dem Chilenen José Tomás Albornoz (Zweiter von links) in Chile seine Business-Idee. Foto: privat
Arik Meyer (rechts) verwirklicht gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen aus Berlin, Patrick Bernhard und Lydia Schültken sowie dem Chilenen José Tomás Albornoz (Zweiter von links) in Chile seine Business-Idee.Foto: privat

Berlin - Ende 2009 räumte Arik Meyer (38) seinen Schreibtisch in Berlin als Gründer und Geschäftsführer bei „Audible.de”, einem Download-Portal für Hörbücher. Er packte seinen Rucksack für ein zweijähriges Sabbatical. „Die meiste Zeit reiste ich in Ostasien und Südamerika. Ich wollte in jedem Land etwas Neues lernen, Dinge tun, die ich noch nie getan hatte,” sagt der 38-Jährige. Gegen Ende der Auszeit verbrachte er dann drei Monate in Kalifornien. Dort entdeckte er sein Faible für Improvisationstheater - und auch eine neue berufliche Spur. „Eher zufällig stolperte ich über eine Info zu einem Vortrag in Palo Alto”, sagt Meyer, „über ein Programm für Entrepreneurs namens Start-up Chile.” Das Konzept: Menschen mit Talent und Ideen können, sofern ihr Plan überzeugt, ihr Unternehmen in Chile starten und erhalten dafür rund 30 000 Euro „Venture Capital” vom Staat - und ein Visum. Chiles großes Vorbild ist Silicon Valley.

Arik Meyer musste nicht lange überlegen. Eine Business-Idee hatte sich während seiner Reise schon herauskristallisiert. „Ich habe immer TED-Videos zum Frühstück geguckt und das als Quelle entdeckt, um mich zu inspirieren und weiterzubilden. Da sind tolle Inhalte - aber wie finde ich die guten?” Meyer wollte eine Software entwickeln, um TED (Technology, Entertainment, Design) stärker auf den individuellen Nutzer und seine Interessen zuzuschneiden. „Die Verknüpfungen fehlen.” Die Seite ted.com hat ihren Ursprung in der jährlichen Konferenz gleichen Namens, wo ausgesuchte Experten diverser Fachrichtungen exklusives Wissen austauschen. Die Vorträge auf dem Bildungskanal dauern maximal 18 Minuten. Die Idee des „personalisierten TED” überzeugte die Juroren. Arik Meyer verwirklicht sie momentan - und gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen aus Berlin, Patrick Bernhard und Lydia Schültken, kann er nebenbei das südamerikanische Land zwischen Anden und Pazifik erkunden. Mit im Team: der Chilene José Tomás Albornoz. „Unser Programmiergenie”, sagt Arik Meyer. Um „etwas zurückzugeben”, organisierte Meyer für chilenische Studenten ein Event zum Thema „Umgang mit Risiko”.

Multikulturelles Flair in Dubai

In Chile, sagt er, gebe es keine „Kultur des Scheiterns”. Fehlschläge hätten ein sehr negatives Image - statt als Erfahrung oder Etappe auf dem Weg zum Erfolg interpretiert zu werden, wie etwa in den USA. Während Chile beginnt, aktiv High Potentials anzulocken, um das Land zu internationalisieren und wettbewerbsfähig zu machen, ist Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten bereits ein Drehkreuz für Kosmopoliten. Das multikulturelle Flair reizte Juliane Schreilechner: Während ihres Touristikstudiums in Australien hatte die gebürtige Hagenerin bereits eine in Dubai lebende Freundin besucht und war auf der Stelle von der Metropole und der dortigen Aufbruchstimmung fasziniert. Nach ihrem Diplom bewarb sie sich deshalb in Deutschland bei einem „Cabin Crew Recruitment Day” von Emirates Airlines und durchlief bei der Bewerbung zwei Tage in einem Assessment-Center.

Heute fliegt die 29-Jährige als Flugbegleiterin in der Business-Class - im Oberdeck des Airbus A380. „Ob Korea, Argentinien oder Bangladesch - 80 Prozent der Mitarbeiter bei Emirates sind Ex-Pats”, sagt Juliane Schreilechner, „ich habe eine Leidenschaft für Sprachen und Kulturen.” Arabisch kann sie ein paar Brocken. „Man braucht es hier eigentlich nicht,” sagt die Deutsche, die seit vier Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt. „Anfangs musste ich mich an den Jetlag-Stress gewöhnen.” 18 Destinationen bedient Emirates mit dem Airbus A380, zum Beispiel New York, Toronto oder München. Pro Monat hat Juliane Schreilechner durchschnittlich acht freie Tage vor Ort. Um einen Job in Dubai zu finden, sei es sinnvoll, Unternehmen zu kontaktieren, denn die einstellenden Firmen haben eine Schlüsselfunktion beim Antrag für Visum und Arbeitserlaubnis. Steuern zahlt Schreilechner in Dubai keine.

Sprachkenntnisse allein reichen nicht

„Erfolg bemisst sich in kleinen Schritten, und oft braucht man auch eine Portion Frustrationstoleranz”, sagt Martin Amtmann. Der Maschinenbau-Ingenieur ist im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Junior-Consultant nach Mexiko-Stadt entsandt worden. „Die Lernkurve ist sehr steil”, sagt der 31-Jährige zu seiner ersten Karrierestation nach dem Diplom in Stuttgart. „Reines Ingenieurwissen ist längst nicht genug. Natürlich ist es sehr hilfreich - bei Themen wie Qualitätssicherung und Normierungsprozessen.” Mexiko ist als „sunbelt country” eines der Länder mit der intensivsten Sonneneinstrahlung. 2009 beschloss die Regierung eine Energiesektorreform, um die schwindenden Ölreserven durch alternative Energien auszugleichen. „Wir helfen dabei, diesen Reformprozess zu unterfüttern”, sagt Amtmann. Bereits während des Studiums in Stuttgart kam er durch ein Praktikum mit der GIZ und mit Mexiko in Berührung. Als Studienschwerpunkte hatte er Technologiemanagement und Energiesysteme gewählt. Sein derzeitiges Aufgabengebiet ist breitgefächert. In Zusammenarbeit mit Behörden, Unternehmen, Verbänden und Wohnungsbaugesellschaften arbeitet er als Teamleiter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit daran, die Rahmenbedingungen für den Solarmarkt gesetzlich zu beeinflussen und zu verändern. Vor allem in der Kommunikation machte Amtmann einschneidende Erfahrungen. „Die Menschen hier sind extrem freundlich.

Die Arbeitsweise in Mexiko ist ganz anders. Der knappe, gezielte, sachliche Schriftverkehr ist viel unwichtiger als bei uns. Infovermittlung erfolgt direkt - und über private Gespräche. Das soziale Leben ist sehr wichtig, um auch inhaltlich etwas zu erreichen”, so sein Resümee. Und: „Mit Sprachkenntnissen allein kommt man nicht weit genug. Man muss die Codes verstehen, die mexikanischen Mythen und Nationalhelden, die Geschichte kennen, um all die Zwischentöne zu dechiffrieren.” Wer auf eigene Faust ausreisen oder auswandern will, muss sich selbst um Sprach- und Marktkenntnisse, Versicherungen und Visum kümmern. Das Raphaelswerk in Hamburg zum Beispiel hilft Menschen mit konkreten Abwanderungsgedanken beim Ausloten ihrer Erwartungen.

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