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Green BusinessJobs um Ressourcen und Energie

Anja Schreiber, vom 01.07.2012 15:03 Uhr
Der Offshore-Windkraft wird weiteres Wachstum prophezeit. Foto: dpa
Der Offshore-Windkraft wird weiteres Wachstum prophezeit.Foto: dpa

Stuttgart - Green Business liegt im Trend. Es wird laut einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zum wichtigsten Wirtschaftszweig Deutschlands avancieren. Bereits 2009 hatte das Green Business ein Volumen von 213 Milliarden Euro. Dieses Volumen könnte bis zum Jahr 2020 auf 467 Milliarden Euro anwachsen.

Das Green Business umfasst die unterschiedlichsten Bereiche. So gehören der Klimaschutz und die Luftreinhaltung genauso dazu wie der Gewässerschutz und die Abfall- und Recyclingwirtschaft. Auch der Einsatz von ressourceneffizienten und somit umweltschonenden Technologien und Produkten sind Teil dieser Branche. Gerade Betriebe im Maschinen- und Anlagenbau spielen dabei eine wichtige Rolle.

So kommt der „Strukturbericht Region Stuttgart 2011” zu dem Ergebnis, dass eine Mehrzahl der Maschinen- und Anlagenbauer in der Region Stuttgart entweder selbst spezifisch umwelttechnische Maschinen, Anlagen und Komponenten herstellt oder in den vergangenen Jahren bei den von ihnen hergestellten Produkten eine Effizienzsteigerung erreichen konnte.

Die Zahl der Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig ist um 50 Prozent gestiegen

Auch der Arbeitsmarkt im Bereich Green Business hat sich positiv entwickelt. „In den letzten Jahren ist die Zahl der Beschäftigten in diesem Wirtschaftszweig um 50 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit dagegen um 20 Prozent gesunken”, berichtet Marco Sauerwein von der Arbeitsagentur Stuttgart. Allerdings stagniert der öffentliche Stellenmarkt in diesem Wirtschaftszweig. Denn inzwischen haben Hochschulen auf die Nachfrage in diesem Bereich reagiert. Das heißt, einer verstärkten Nachfrage an Arbeitskräften mit diesen Kenntnissen steht jetzt auch ein stärkeres Angebot von Fachkräften gegenüber. Sauerwein ist sich sicher, dass die Umwelttechnik und der Umweltschutz in immer mehr Branchen Eingang finden werden. „In der Automobilindustrie ist dieses Thema genauso wichtig wie in der Baubranche, aber auch bei Banken und in Unternehmensberatungen spielt nachhaltiges Denken eine zunehmende Rolle.”

So wichtig der Umweltschutz und die Nachhaltigkeit für die Wirtschaft ist, so vielfältig sind auch die beruflichen Möglichkeiten, im Green Business zu arbeiten. „Die Industrie braucht Ingenieure der verschiedenen Fachrichtungen wie Verfahrenstechniker und Maschinenbauingenieure, aber auch Biologen, Chemiker und Techniker”, betont Sauerwein. Wichtig für den beruflichen Erfolg sei neben einer fundierten Ausbildung oder einem einschlägigen Studium das interdisziplinäre Denken.

„Wer heute in der Industrie zum Beispiel an der Reduktion des CO2-Ausstoßes mitwirkt, wird oft in interdisziplinären Teams arbeiten. Dort sind Soft Skills wie vernetztes Denken und gute Kommunikationsfähigkeit wichtig”, erklärt Sauerwein. Schließlich müssten Ingenieure und Techniker gemeinsam komplexe Aufgaben lösen. Dies stelle an die verschiedenen technischen Ausbildungsberufe hohe Anforderungen: „Auch Techniker wie etwa Mechatroniker oder Elektriker brauchen eine hohe Kommunikationsfähigkeit sowie die Fähigkeit zum ganzheitlichen Denken. Denn sie sind ebenfalls Teil eines ständigen Innovationsprozesses.”

2010 waren in der deutschen Windbranche etwa 100.000 Arbeitnehmer tätig

Sauerwein sieht nicht nur gute Jobchancen für Absolventen von Studiengängen und Ausbildungsberufen aus dem sogenannten Mint-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), sondern weit darüber hinaus. „Inzwischen gibt es wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge mit dem Schwerpunkt Ressourcen- und Energiemanagement. Das zeigt, wie wichtig das Thema auch für künftige Manager ist.”

Der Markt für Umwelttechnik wächst. Das zeigt sich auch bei der Mall Umweltsysteme GmbH aus Donaueschingen. Sie hat in den letzten vier Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter von 400 auf 460 aufgestockt. „Angesichts unseres jährlichen Wachstums von etwa fünf bis zehn Prozent werden wir auch weiterhin neue Mitarbeiter brauchen”, berichtet Markus Grimm, der Geschäftsführer des Unternehmens, das in der Regenwasserbewirtschaftung, der Abscheidetechnik, dem Waschwasser-Recycling, aber auch im Bereich Neue Energien tätig ist.

Dabei hat die Firma nicht nur Bedarf an Bau- und Maschinenbauingenieuren sowie Verfahrenstechnikern, sondern auch an Mitarbeitern in verschiedenen kaufmännischen und gewerblichen Ausbildungsberufen wie Betonfertigteilbauern, Elektrikern oder Industriekaufleuten. In BWL, Marketing und Bauingenieurwesen bietet das Unternehmen ein duales Studium an. „Bei uns kommt es auf das Zusammenspiel von Fachwissen und sozialen Kompetenzen an”, betont Grimm. Bei einer Bewerbung sind nicht in erster Linie Kenntnisse in der Umwelttechnik wichtig: „Da wir hoch spezialisiert sind, müssen wir unsere neuen Mitarbeiter ohnehin einarbeiten und fortbilden. Deshalb reicht uns ein klassisches Studium in den Ingenieurwissenschaften.”

Die Windkraft entwickelt sich ebenfalls zum Jobmotor. „Die Windreich AG hat ihre Mitarbeiterzahl in gut einem Jahr mehr als verdoppelt. Insgesamt waren 2010 in der deutschen Windbranche etwa 100.000 Arbeitnehmer direkt oder indirekt tätig. 2004 lag die Zahl noch bei knapp 64 000 Beschäftigten”, so Dr. Walter Döring, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Windreich AG. Auch in den nächsten Jahren rechnet er mit einem weiteren Bedarf an Mitarbeitern, da die Offshore-Windkraft einen neuerlichen Wachstumsschub auslösen werde. „Wir brauchen in unserer Branche Bau- und Maschinenbauingenieure, aber auch Elektriker, Mechatroniker, Baufachleute und Kranarbeiter.”

Im Green Business ist auch die Firma Festo AG & Co. KG aktiv, die pneumatische und elektrische Antriebstechnik herstellt und für energieeffiziente Innovation in der Industrie- und Prozessautomatisierung steht. „Aktuell haben wir einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Mint-Bereich. Wir suchen derzeit etwa 150 neue Mitarbeiter, insbesondere Ingenieure, Konstrukteure und Projektmanager”, berichtet Boris Wörter, Leitung Human Ressources bei Festo in Esslingen. Noch kann die Firma ihren Arbeitskräftebedarf decken. Aber Wörter gibt zu bedenken: „Wir erwarten in Deutschland eine weitere Verknappung qualifizierter Fachkräfte aus dem Mint-Bereich.” Deshalb sieht er beste Chancen für Ingenieure und Konstrukteure im mechanischen, mechatronischen und elektrotechnischen Umfeld und für qualifizierte Facharbeiter im Bereich Mechanik, Mechatronik und Elektronik.

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