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Gus Backus Der alte Häuptling wird 75

Auf der Bühne gibt Gus Backus seinem Publikum, was es haben will: Die alten Schlager. Foto: dpa

München/Stuttgart - Er kennt viele Leute. Zum Beispiel Beamte, die Bohnen in die Ohr’n haben; nur der beim Standesamt nicht. Und einen Häuptling, der schreiend aus seiner roten Haut fährt, als ihm seine Frau mit einem Pfeil ins Hinterteil sticht und ihm klar wird, dass der Westen wild ist. Und der Beruf schwer. Und natürlich den Mann im Mond, den man heute nicht verschont und der – bang von oben schauend – fragt: Wie lang hab’ ich noch Ruh’?

Das waren die Texte, mit denen Gus Backus in den 60er Jahren zu einer der Stimmungskanonen deutscher Unterhaltung wurde. Wobei zu seiner Ehrenrettung gesagt werden muss: Er hat die Texte nicht verstanden. Und so glaubte man ihm aufs Wort, als er sich offenherzig in einer Fernsehsendung an sein Publikum wandte: „Ich möchte mich entschuldigen für viele Dinge, die ich gesungen hab’.“ Einschließlich jener Polka, in der er verriet, dass er gerne Sauerkraut isst und Polka tanzt und seine Braut Edeltraut genauso denkt wie er. „Sie kocht am besten Sauerkraut und tanzt am besten Polka, deshalb ist auch die Edeltraut die beste Braut für mich.“ Prost Mahlzeit!

Im Juli 1957 war Backus als Soldat nach Deutschland versetzt worden. „Todtraurig“, wie er in seiner Autobiografie „Ich esse gar kein Sauerkraut“ bekennt. Schließlich hatte er in den USA erste Erfolge gefeiert. Backus war Sänger der Band The Del Vikings, die den Hit „Come Go With Me“ landete – den die Beach Boys erst vor wenigen Wochen in Stuttgart sangen und den mehrstimmigen Gesang von damals als Vorbild für ihren eigenen Gesangsstil bezeichneten. Trotzdem verpflichtete sich der Arbeitersohn aus dem Staat New York für vier Jahre bei der Luftwaffe. Als Sanitäter im US Air Force Hospital in Wiesbaden hatte er „allerhand berühmte Leute auf der Liege“, darunter König Farouk von Ägypten und Marlene Dietrich. Mit Elvis Presley, der als Soldat in Friedberg stationiert war, unternahm er einen Autoausflug.

Der US-Boy trällert in fast 30 Kino- und fünf Fernsehfilmen

Dann erlebt Backus sein Fräulein-Wunder. Er verliebt sich in eine 17-jährige Kosmetikverkäuferin und heiratet sie 1958, als sie schwanger ist. Sein Schwager ermuntert ihn, es als Sänger bei der Plattenfirma Polydor zu versuchen. Nach zwei erfolglosen Schlagern gelingt 1960 der Durchbruch mit der deutschen Version des Songs „Running Bear“ von Johnny Preston, „Brauner Bär und weiße Taube“. Danach soll er Elvis Presley mit dem Volkslied „Muss i denn“ zuvorkommen, aber der gewinnt die Gunst des Publikums. Trotzdem verkauft sich der Backus-Song besser – wegen der B-Seite „Da sprach der alte Häuptling“.

Insgesamt trällert der US-Boy in fast 30 Kino- und fünf Fernsehfilmen: in „Unsere tollen Tanten“ die „Sauerkraut-Polka“ und „So eine Hula-Nacht“. Die deutschen Fans sind hingerissen – auch vom Schlager „Der Mann im Mond“ aus dem Film „Im schwarzen Rössl“. Mit Heinos heutiger Ehefrau Hannelore singt er im Duett „Mein Schimmel wartet im Himmel“ im Film „Übermut im Salzkammergut“. Seinen Riesenhit „Bohnen in die Ohr’n“ landet er 1965 im Film „Ich kauf’ mir lieber einen Tirolerhut“ mit dem unvergessenen Billy Mo.

1966 verliebt er sich in die Fernsehballett-Tänzerin Heidelore Schimanski-Fuchs und verlässt Frau und drei Söhne. Die Ehe mit Heidelore dauert von 1968 bis 1974 und endet 1973 im Streit. Vor finanziellen Forderungen flieht er mit einem Flugzeug in die USA. Dort tingelt er erst als Sänger, verdingt sich dann aber als Arbeiter auf Ölfeldern. Nachdem seine amerikanische Ehefrau 2001 gestorben war, folgt er einer Einladung seines ältesten Sohns nach München und versöhnt sich mit Heidelore. Im Mai 2002 heiraten sie zum zweiten Mal.

An diesem Mittwoch wird Gus Backus 75 und singt noch immer vom Mann im Mond, dem weisen Häuptling und den Bohnen in die Ohr’n – zum Beispiel am 16. September. In Herne. Wild ist der Westen. Schwer ist der Beruf. Uff.

 

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