Heilbronner Polizistenmord War das FBI doch Zeuge des Mordes?

Andreas Förster, 28.05.2014 13:30 Uhr
Geheim eingestufte Akten des Bundestagsuntersuchungsausschusses zur Aufklärung der NSU-Morde. In ihnen finden sich Hinweise, dass FBI-Beamte in Heilbronn waren, als die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde. Foto: dpa
Geheim eingestufte Akten des Bundestagsuntersuchungsausschusses zur Aufklärung der NSU-Morde. In ihnen finden sich Hinweise, dass FBI-Beamte in Heilbronn waren, als die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde.Foto: dpa

Stuttgart - Ein für die „Koordinierung der US-Geheimdienste in Süddeutschland“ verantwortlicher Agent wandte sich am 2. Dezember 2011 an deutsche Sicherheitsbehörden. In dem Telefonat mit Soldaten des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) in der Stuttgarter Theodor-Heuss-Kaserne räumte der Agent ein, dass möglicherweise zwei Beamte der amerikanischen Bundespolizei FBI in Heilbronn waren, als dort am 25. April 2007 die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurde.

Das geht aus geheimen Unterlagen des Bundesnachrichtendienstes hervor, die die Stuttgarter Nachrichten einsehen konnten. Der Polizistenmord wird dem rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund (NSU)“ zugeordnet.

Nach den Dokumenten meldete am 2. Dezember um 15.18 Uhr die damals für Bayern und Baden-Württemberg zuständige BND-Verbindungsreferentin mit dem Dienstnamen „Ingrid Corell“ der Zentrale des deutschen Auslandsnachrichtendienstes, der US-Agent habe erst dem MAD und dann der Stuttgarter BND-Verbindungsstelle 2I71 berichtet, bei einer Operation am 25. April seien zwei FBI-Männer auf deutschem Boden in Heilbronn eingesetzt gewesen. Diese seien nach dem Scheitern ihrer Operation wieder abgereist.

In einer weiteren E-Mail drei Tage später heißt es sogar, der US-Geheime ließ „erkennen, dass eine eigene Untersuchung der Ereignisse die Beteiligung von zwei Mitarbeitern des FBI ergeben habe“.

Die US-Nachrichtendienste regten an, „mit 2I71 in diesem Fall offiziell in Verbindung treten zu dürfen“. Ein Ansinnen, das der Geheimdienst ausschlägt. Er scheint sich stattdessen mehr darum zu sorgen, dass der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Mordserie des NSU unangenehme Fragen stellen könnte. In diesem Fall verfüge der BND „über auch juristisch abgesicherte Textbausteine, die in den letzten Untersuchungsausschüssen, in denen der BND beteiligt gewesen ist, erfolgreich eingesetzt wurden“, heißt es in einem Aktenvermerk vom 27. April 2012.

 
Kommentare (4)
Dick Gerd-Bodo Ist schon länger als 1 Jahr her
Vom Kriegsroman zum Kriminalroman nur ein kleiner Sprung. Was Strafverfolgungsbehörden, Richter des 6. Strafsenats des Münchner Oberlandesgerichts und der Bundesgerichtshof (BGH) nicht schaffen, ist für den Buchautor und Redakteur Andreas Förster mit weiteren Autoren "Geheimsache NSU - Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur" vollkommen klar. Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind die Täter und haben die Morde verübt. Die gleiche Meinung teilt Herr Dr. Franz Feyder (sein Name bis 2009 Franz-Josef Hutsch) von den Stuttgarter Nachrichten. Quellen: Schwarzwälder Boote, www.pi-news.net/2014/03, Rems-Zeitung, Ausgabe Freitag, 30. Mai 2014, Seite 3 Warum folgt das Oberlandesgericht München nicht den Ausführungen der Buchautoren und Herrn Dr. Franz Feyder? Sicher gibt es rechtsstaatliche Gründe dafür. Ist die Beweislage zu dünn? Bis zur Verurteilung der Beschuldigten gilt in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung. Achtung und Respekt vor Personen und der Justiz, Fehlanzeige. Fragwürdiger Journalismus wird dem Leser präsentiert. Abgedroschene Kriegsromane lassen sich wahrscheinlich nicht mehr gut verkaufen. Nun sind Kriminalromane an der Reihe. Fakten und belastbare Beweise sind für ein Urteil gefragt damit Opfer und Hinterbliebene ihren Frieden finden können. Aufreissende Berichterstattungen ohne sichere Beweislasten in Tageszeitungen und Büchern leisten nach vorliegender Meinung keinen brauchbaren Beitrag zur Urteilsfindung der Justiz. Der Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn wird nach dem gleichen Romanstil abgehandelt. Belastbare Beweislasten für die Justiz werden auch hier nicht aufgezeigt. Ich vermisse wie in vielen Artikeln von Herrn Andreas Förster und Herrn Dr. Franz Feyder die wertfreie informative Berichterstattung über das doch sehr heikle Thema. Im Mantelteil der Rems-Zeitung "Hintergrund", Ausgabe 30. Mai 2014, Seite 3, wird das Buch des Autors Andreas Föster mit weiteren Autoren "Geheimsache NSU"; umfänglich beworben. Die Frage darf erlaubt sein, was möchte der Redaktuer Andreas Förster, die Leser informieren oder als Autor sein Buch vorstellen? Nach vorliegender Sichtweise, Werbung der neusten Generation in einer modernen Welt. Querdenker
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Schiebedach Ist schon länger als 1 Jahr her
Da fällt mir ein: Die Gebrüder Sass wurden "auf der Flucht" erschossen und somit stand fest, daß sie die Bankräuber waren -danach war am Wittenbergplatz kein Tunnel mehr gegraben worden. Nachdem die NSU-Bankräuber sich selbst erschossen hatten -oder vielleicht doch nicht (?)- , steht fest, daß sie die Bankräuber und Mörder waren -danach haben diese Morde ebenso wie die Bankraubtaten nicht mehr stattgefunden. Warum dann überhaupt noch die Frage nach FBI Zeugen? Also wird die Frage unter de Teppich zu kehren sein: Es war die Neonazi-Gruppe und damit Basta!
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imperator Ist schon länger als 1 Jahr her
"Der BND verfüge über juristisch abgesicherte Textbausteine " So sieht Wahrheit im Jahre 30 n. Orwell aus.
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Hans Ist schon länger als 1 Jahr her
Unser letzte Hoffnung ist Kinderfreund Edathy, der als in die Enge getriebener Mann in seiner Verzweiflung die ganze Sauerei auffliegen lässt.
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