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Hobbit-Fieber „Ohne Glück geht es nicht“

Christian Ignatzi, vom 05.02.2012 08:00 Uhr
  Foto: Verleih
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Stuttgart - Die Magie mancher Bücher endet niemals. 1937 hat der Autor J. R. R. Tolkien seine ­Geschichte „Der Hobbit“ veröffentlicht. 75 Jahre später bereitet sich die ­Hobbitpresse im Stuttgarter Verlag Klett-Cotta im Jubiläumsjahr auf den Hype um die Verfilmung des Buchs vor, die im November ins Kinos kommen soll.

Wir schreiben das Jahr 1969. Niemand in Deutschland hatte sich bislang an eine Veröffentlichung des Tolkien-Bestsellers „Der Hobbit“ getraut. Fantasy war ein Genre, das zu dieser Zeit noch völlig unbekannt war. Bis zu dem Tag, an dem ein Verleger aus Stuttgart sich ein Herz fasste und die Tür für fantastische Literatur öffnete. Bis zu dieser Buchmesse. Ernst Klett lernte dort den Verleger George Allen aus London kennen. Kletts Sohn Michael, damals 27 Jahre alt, hatte das Buch „Der Herr der Ringe“, das Allen verlegt hatte, in Amerika gelesen und seinem Vater zur Veröffentlichung vorgeschlagen. Eine Erfolgsgeschichte, wie sich später herausstellte, denn die Fantasie-Saga entwickelte sich zum Bestseller des sich zu jener Zeit noch auf Schulbücher ­konzentrierenden Verlags. „Ohne Glück geht es nicht“, sagt Michael Klett heute dazu. Sein Vater schloss mit George Allen einen Vertrag über die Veröffentlichung der Tolkien-Werke in Deutschland ab – per Handschlag. „Damals galten Verleger als Gentlemen“, erklärt Stephan Askani, der im heutigen Nachfolgeverlag Klett-Cotta für das Lektorat der Fantasy-Werke zuständig ist. Er weiß, warum es so wichtig für den Stuttgarter Verlag war, die Rechte an den Tolkien-Werken zu bekommen:„Mit dem Hobbit von Tolkien beginnt quasi die ­moderne Fantasy“, sagt er.

Hobbitpresse ist weiter gewachsen

Seit den 1970er Jahren hat die Hobbitpresse – so nennt sich die Fantasy-Abteilung des Klett-Cotta-Verlags – immer weiter zugelegt und immer mehr Autoren aufgenommen. Wie wichtig J. R. R. Tolkien dabei ist, zeigt schon die Bekanntheit des Tolkien-Lektors Askani, der eigene Einträge in „Herr der Ringe“-Fan-Lexika im Internet hat. Oft gibt er Vorträge und Interviews zur fiktiven Welt, die Tolkien erschaffen hat. Im Herbst hat das Warten für die Fans schließlich ein Ende. Neun Jahre sind ­vergangen, seit der letzte Teil der Herr-der- Ringe-Reihe, „Die Rückkehr des Königs“, in den Kinos lief. Mit der Verfilmung der Vorgeschichte zur Trilogie, dem Buch „Der Hobbit“, die Peter Jackson in zwei Filme aufgeteilt hat, kommt wieder eine ganze Maschinerie an Marketing, Literatur und Fanartikeln auf den Markt.

Für die Hobbitpresse kommt das wie gerufen. „Das ist ein Glücksfall für uns“, sagt Askani.„Der Hobbit ist das Filmereignis seit den ‚Herr der Ringe‘-Filmen.“ Seit der „Herr der Ringe“-Trilogie hat der Klett-Cotta-Verlag viele Werke auf den Markt gebracht, die die Welt von Mittelerde erklären. Der Klett-Cotta-Verlag hat somit einen Tolkien-Kosmos erschaffen, der erfolgreiche Veröffentlichungen wie die Vorgeschichte „Das Silmarillion“, elbische Wörterbücher bis hin zu Atlanten von Mittelerde enthält. Vor der Hobbit-Verfilmung ziehen die Verkäufe wieder an. Schon im laufenden Jahr habe der Verlag seinen Umsatz um 20 Prozent steigern können, im Vergleich zu den Zahlen aus dem gleichen Zeitraum im Vorjahr, sagt Klett-Cotta-Sprecherin Katharina Wilts. „Und wir gehen davon aus, dass sich das zum Herbst hin noch deutlich verstärken wird“, sagt sie. Die„Herr der Ringe“-Welle aus den Jahren 2001 bis 2003 habe der Verlag deutlich in schwarzen Zahlen gespürt. Der Fantasy-Hype habe sich dabei nicht nur auf Tolkien ausgeweitet, sondern eben auch auf andere Autoren des Genres. „Und genau das könnte auch diesmal wieder passieren“, sagt Wilts. Schon jetzt hat der Verlag ein Buch über Hobbits und eine Sammlung mit Bildern Tolkiens veröffentlicht. „Im Herbst folgt eine ganze Reihe weiterer Werke“, sagt Wilts. In welchem Umfang das geschehen wird, wollen die Mitarbeiter des Verlags noch nicht verraten. Da viele Bücher direkt mit dem Film zusammenhängen, sind die Inhalte streng vertraulich und werden von den Produzenten überwacht. Auf jeden Fall werden wir verschiedene Zielgruppen bedienen“, sagt ­Stephan Askani.

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