Industrie 4.0 Ein Studium für kleine Steve Jobs

Mathias Ellwanger, 31.08.2015 00:00 Uhr
Auch so ein Ding mit Internet: Prorektor Heinz-Peter Bürkle mit einem Anschauungsobjekt aus dem Labor der Hochschule Aalen. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales Display, bei dem sich die Leuchten extern im Raum per internetfähiger Bedienung steuern lassen. Foto: Bernhardt / ZVW
Auch so ein Ding mit Internet: Prorektor Heinz-Peter Bürkle mit einem Anschauungsobjekt aus dem Labor der Hochschule Aalen. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales Display, bei dem sich die Leuchten extern im Raum per internetfähiger Bedienung steuern lassen.Foto: Bernhardt / ZVW

Remshalden/Aalen. Wenn die Dinge intelligent werden, müsse das auch in der akademischen Ausbildung berücksichtig werden, fand Heinz-Peter Bürkle von der Hochschule Aalen. Und entwarf den Plan für den Bachelor-Studiengang „Internet der Dinge“. Ab diesem Wintersemester kann er dort nun studiert werden.

Kaffeemaschinen, die sich vom Bett aus bedienen lassen, oder Heizsysteme, die sich selbst regulieren, je nachdem, wie viel Strom die Solaranlage auf dem Dach gerade produziert: Was vor wenigen Jahren noch Stoff für Science-Fiction-Filme lieferte, ist längst schon Realität. „Die Digitalisierung verändert unsere Welt gerade tiefgreifend“, sagt Heinz-Peter Bürkle, Prorektor der Hochschule Aalen.

Am Anfang einer Revolution: Die zunehmende Vernetzung der Dinge

„Wir stehen am Anfang einer Revolution“, da ist sich der Remshaldener sicher. Denn, so seine Prognose, die technische Entwicklung immer kleinerer und zugleich leistungsstärkerer Computer würde mindestens bis 2030 so weitergehen. Erst dann sei mit technischen Grenzen zu rechnen. Künstliche Intelligenz habe noch nie so wenig Raum und Energie benötigt wie heute. Ein Chip sei heute kaum größer als eine Cent-Münze.

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre für die gleiche Leistungsfähigkeit eine Halle voller Großrechner nötig gewesen. Kleinste Chips und Sensoren machten die Geräte zugleich internetfähig, wodurch sie sich immer leichter vernetzten. Sie lernten, untereinander zu kommunizieren. Das sei es, was man gemeinhin unter dem Internet der Dinge verstehe. Das Smartphone werde dabei zur Schnittstelle und Schaltzentrale.

„Die Welle rollt im Moment über uns hinweg“, so Bürkle. US-amerikanische Firmen wie Apple und Google würden bereits seit langem voranschreiten – da könne sich die deutsche Industrie nicht einfach auf dem bereits Erreichten ausruhen. Da könne aber auch die Hochschule – zumal eine mit technischem Fokus wie die in Aalen – nicht einfach stur das gleiche lehren wie bisher. Eine Entwicklung von so grundstürzender Wirkung müsse notwendigerweise auch die akademische Lehre verändern. „Wir müssen auf dem Stand der Zeit sein“, sagt Bürkle. „Es gibt ihn nicht mehr, den Elfenbeinturm, in dem man vor sich hinwerkeln kann“, betont der 51-Jährige.

Um diesen Geist des Silicon Valley in den Südwesten zu bringen, hat sich Bürkle vor gut einem Jahr dafür starkgemacht, dass in seinem Bereich, der Technischen Informatik, ein neuer Studiengang aufgebaut wird. Einer, der auf die Veränderungen in der Industrieproduktion eingeht Und der die Analyse von großen Datenmengen ebenso thematisiert wie die Kommunikation zwischen Maschinen. Denn „wir müssen als Hochschule heute viel stärker in die Anwendung gehen“.

Industrie und Land unterstützen die Entwicklung des Studiengangs

Vorangetrieben wurde diese Entwicklung auch ganz direkt von der Industrie. Zum Beispiel von Michael Kaschke, dem Vorstandsvorsitzenden des branchenführenden Optik-Konzerns Zeiss mit Sitz in Oberkochen, einer Nachbargemeinde von Aalen. Der 58-Jährige ist zugleich Hochschulratsvorsitzender der Hochschule Aalen und sitzt im Wissenschaftsrat der Bundesregierung.

Bei Zeiss habe man die Bedeutung der Digitalisierung frühzeitig erkannt, sagt Bürkle. Es sei damit beileibe nicht das einzige Unternehmen auf der oft unterschätzten Ostalb.

Auch das Land Baden-Württemberg und der Ministerpräsident höchstpersönlich hätten die Entwicklung des Studiengangs unterstützt und ziemlich unbürokratisch gehandhabt: „So viel Rückenwind haben wir noch nie gehabt“, sagt Bürkle, der nicht zum ersten Mal einen Studiengang entwickelt hat. Nach einem knappen Jahr stand der Studiengang.

Gerade weil das Thema strategisch so bedeutend sei, habe man bei der Konzeption neben einem starken Praxisbezug auch das Thema Datenschutz betont. IT-Sicherheit, Verschlüsselungstechniken und Technikfolgenabschätzung stünden daher ebenso selbstverständlich auf dem Lehrplan wie das nutzerzentrierte Design.

Denn Produkte so zu gestalten, dass der Nutzer sie auch verstehen und richtig bedienen kann, das sei eine der zentralen Herausforderungen. Begleitet werde das Studium konsequenterweise von Gruppenprojekten, in denen digitale Produkte von der Idee bis zur Markteinführung gemeinsam mit Designern entwickelt werden.

Als Studienstandort und Kooperationspartner habe man daher auch ganz bewusst die Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd gewählt, genauer: das eigens für die Landesgartenschau errichtete Forum Gold und Silber.

Das Interesse an dem Studiengang sei bisher groß, freut sich Bürkle. Und wer weiß, vielleicht gelingt ja dann demnächst auch, was sich der Prorektor insgeheim erhofft: „So ein kleiner Steve Jobs an der Hochschule, das wär’s.“

Der Studiengang

„Das Internet der Dinge“ ist ein vollwertiger Ingenieurs-Studiengang, so das Versprechen der Hochschule Aalen und der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.

Als Bachelor of Engineering lässt sich das Fach mit den zwei Schwerpunkten „Gestaltung vernetzter Systeme“ und „Digitale Technologien in der Anwendung“ studieren.

Studienbeginn ist immer zum Wintersemester. Interessierte sind dazu eingeladen, sich bei einer persönlichen Beratung über die Möglichkeiten eines Studienstarts noch zum Wintersemester 15/16 zu informieren.

Ansprechpartner: Lothar Grunwald unter 0 73 61 / 5 76-41 94 oder auch per E-Mail unter: Lothar.grunwald@hs-aalen.de

Weitere Informationen online unter www.hs-aalen.de sowie www.hfg-gmuend.de.

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