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InvestmentInvestition Studentenbude

olm, vom 09.06.2012 15:26 Uhr
Die Stuttgarter Hochschulen sind beliebt bei Studenten – das schlägt sich auch auf dem Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt nieder. Foto: Mierendorf
Die Stuttgarter Hochschulen sind beliebt bei Studenten – das schlägt sich auch auf dem Wohnungsmarkt der Landeshauptstadt nieder.Foto: Mierendorf

Stuttgart - Der Immobiliendienstleister Savills hatte erstmals Ende 2011 den Markt für Studentenapartments in 51 Städten Deutschlands untersucht. Dabei nehmen die baden-württembergischen Hochschulstandorte Karlsruhe, Stuttgart, Freiburg, Tübingen und Heidelberg Spitzenplätze (sogenannte Core-Märkte) ein, während Konstanz und Mannheim als künftige Wachstumsmärkte in diesem Investmentsegment gesehen werden. Die jetzt aktualisierte Studie kommt außerdem zu dem Schuss, dass aufgrund des starken Anstiegs der Studentenzahlen, des prognostizierten Bevölkerungswachstums für die Landeshauptstadt und des extrem niedrigen Leerstands am Wohnungsmarkt sich die bestehende Wohnungsnot im studentischen Segment in Stuttgart noch verstärken dürfte.

Diese Einschätzung wird auch größtenteils von den Maklern in Stuttgart geteilt. Roland Waidmann, Prokurist bei der Immobilienvermittlung BW, einer Tochter der BW Bank, stellt eine zunehmende Kaufnachfrage nach größeren Eigentumswohnungen in Stuttgart fest. „Sobald feststeht, wo die Kinder studieren, beginnen die Eltern mit der Suche”, ist die Erfahrung von Waidmann. Am meisten nachgefragt würden dabei Drei- bis Fünfzimmerwohnungen, in denen der Sohn oder die Tochter mit mehreren Kommilitonen wohnen kann. Gekauft wird dann alles ab 70 Quadratmeter Wohnfläche. Und nach oben gebe es fast keine Grenzen. Allerdings müssten die Objekte eine gute Verbindung zur Universität haben. Besonders begehrt seien die Standorte in Vaihingen und im Stuttgarter Westen.

Während noch vor ein paar Jahren die Eltern nach dem Studium ihrer Kinder die Eigentumswohnung wieder verkauften, werden sie derzeit eher gehalten und weiter vermietet, so Roland Waidmann.

„Der Bau von neuen Studentenwohnheimen ist in Wohngebieten unwirtschaftlich"

Der Degerlocher Immobilienmakler Alfred Hildebrandt hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. „Die meisten Eltern, die eine Immobilie am Studienort kaufen, bevorzugen keine WG-Lösung, sondern eine Ein- bis Zweizimmerwohnung für ihr Kind. Auch weil das Investment für eine Vier- bis Fünfzimmerwohnung in der Regel zu hoch ist. Außerdem sei der Markt für große Wohnungen in Stuttgart praktisch leergefegt. Auch im Bereich der Vermietung wird grundsätzlich das Einzelapartment oder eine kleine WG-Lösung mit maximal ein bis zwei Mitbewohnern gesucht. Alfred Hildebrandt weiß, wovon er spricht. Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich der Degerlocher Unternehmer mit dem studentischen Immobilienmarkt - als Makler im Bereich Verkaufs- und Vermietungsmanagement wie auch als Berater für Investmentgesellschaften und Bauträger. Im letzten Jahr vermietete Alfred Hildebrandt eigenen Angaben zufolge rund 450 Zimmer in Zweier- und Fünfer-WGs in Vaihingen und Stuttgart. „Der Markt ist schon seit vielen Jahren für die Studenten schwierig”, so Hildebrandt. In der heißen Phase im zurückliegenden Herbst hatte er innerhalb weniger Wochen mehrere Tausend Anfragen nach den angebotenen Zimmern, erinnert er sich. „Der Bau von neuen Studentenwohnheimen ist in Wohngebieten in der Regel unwirtschaftlich, und Probleme mit den Nachbarn sind vorprogrammiert. Auf freien Bauplätzen in Gewerbegebieten und Mischgebieten, die sich für den Bau von Studentenwohnungen eignen würden, wird nur selten von der Landeshauptstadt eine Befreiung erteilt und damit der Bau von neuen Studentenwohnheimen verhindert”, so Hildebrandt.

Der Bedarf der Wohnungen wird um 400 bis 1000 steigen

Dabei werden Investments in dieses Segment immer beliebter. „Heute springen immer mehr Kapitalanleger auf diesen Zug auf”, stellt er fest. Es würden mittlerweile mehrere Immobilienfonds aufgelegt, die sich auf dieses Segment konzentrierten. Kleinanleger bevorzugten aber immer häufiger anstelle eines Fondsanteils lieber ein einzelnes Studentenapartment. Im Schnitt müsse man für ein Apartment, abhängig von Größe, Lage und Ausstattung, in Stuttgart rund 80 000 bis 100 000 Euro Investitionssumme kalkulieren. Weil für kleinere Wohnungen höhere Mietpreise je Quadratmeter verlangt werden, sei bei diesen Objekten die Rendite höher als bei einer großen Wohnung, rechnet er vor. Es müsse aber mit einer höheren Fluktuation gerechnet werden.

Das Ludwigsburger Immobilienunternehmen Pflugfelder, das im zurückliegenden Jahr eine Dependance in der Landeshauptstadt errichtet hat, schätzt den Bedarf an zusätzlichen studentischen Apartments in den nächsten Jahren aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge auf 400 bis 1000 Wohnungen allein in der Landeshauptstadt. Um zusätzlichen Wohnraum für diese Klientel zu schaffen, überlegt man bei Pflugfelder derzeit, einen Teil der Bürofläche des in der Kriegerstraße (gegenüber dem Hauptbahnhof) ansässigen Unternehmens in Apartments für Studenten umzuwandeln.

Diese Schätzung wird indirekt auch von der Savills-Untersuchung gestützt. Danach bevorzugen nur zehn Prozent aller befragten Studierenden das Studentenwohnheim. Die Mehrzahl zieht eine Mietwohnung vor. Das kann auch der Stuttgarter Immobilienmakler Erich Hildenbrandt bestätigen. Am gefragtesten seien von den WGs große, bezahlbare Altbauwohnungen. Allerdings seien es zunehmend nicht mehr nur Studenten, die sich in einer Wohngemeinschaft zusammenfinden. Immer öfter würden auch ganz normale Berufstätige diese Wohnform für sich entdecken, so Hildenbrandt.

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