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IslamistenFreiheit für Allahs Messerstecher

Franz Feyder, vom 21.12.2012 10:55 Uhr
Soll freigepresst werden: Murat K. Foto: dpa
Soll freigepresst werden: Murat K.Foto: dpa

Stuttgart - Die Schlacht vor der König-Fahd-Moschee tobt seit einer halben Stunde: Radikale Muslime wüten gegen ein Häufchen Rechtsextremer. In der Mitte: Junge Bereitschaftspolizisten der 13. Hundertschaft. Sie schützen das Recht der einen, große Papptafeln mit Karikaturen des Propheten Mohammed zu schwenken. Und das Recht der Islamisten, gegen diese Provokation zu demonstrieren.

Ein Trommelfeuer faustgroßer Steine deckt die Polizisten ein, als sie eine Kreuzung räumen. Aus der Masse der Islamisten stürmt ein junger Mann in beigefarbener Jacke und grauer Pluderhose vor, den Oberkörper fast waagerecht vorgebeugt. In seiner Rechten blitzt ein langes Küchenmesser. Während in den Bundesligastadien an diesem 5. Mai 2012 die letzten Begegnungen der Saison angepfiffen werden, sticht in Bonn-Mehlem Murat K. auf die Polizisten Teresa M. (30) und Carsten S. (35) ein. Zehn Zentimeter lang ist die klaffende Oberschenkelwunde der Beamtin, 16 Zentimeter lang die des Polizisten. Nur knapp hat der Messerstecher die Beinarterien der beiden Schutzleute verfehlt.

„Sie sind der Prototyp des Fanatikers und brandgefährlich“, charakterisiert der Bonner Richter Klaus Reinhoff Murat K., bevor er ihn im Oktober für sechs Jahre ins Gefängnis schickt. Nach der Haft, so verfügt Reinhoff, solle der 26 Jahre alte Türke in seine Heimat abgeschoben werden.

Aus dem Kölner Knast wollen radikale Glaubensbrüder den Messerstecher im Dienste des Islam befreien. Dem „deutschen Löwen Murat K.“ wird auf mehreren Websites im Internet eine Ode gewidmet, die gleichzeitig eine Warnung an den Rechtsstaat ist: „Wir werden niemals ruhen, ehe wir dich nicht aus deiner Gefangenschaft befreit haben“, versichert eine Stimme in fließendem Deutsch in dem Drohvideo. Sie fährt fort: „Jeder Beleidiger des Gesandten wird geschlachtet, ob fern oder nah. Und wisse, oh Bruder, die Deutschen sind auch zum Greifen nah. Wir werden sie gefangen nehmen, bis du frei bist für deine edle Tat.“

Anders ausgedrückt: Wir werden deutsche Staatsbürger als Geisel nehmen, um sie gegen den Gotteskrieger Murat auszutauschen, wenn er nicht freigelassen wird. Verfasst hat die Drohung ein Mann, der sich Abu Talha al-Almani nennt. Hinter diesem Kampfnamen verbirgt sich der Berliner Denis Mamadou Cuspert, 37 Jahre alter Sohn einer Deutschen und eines Ghanaers, der zu den Aufwieglern bei der Bonner Straßenschlacht im Mai gehörte.

Obwohl Cuspert als sogenannter Gefährder von den deutschen Sicherheitsbehörden überwacht wurde, gelang es dem früheren Rapper, sich im Sommer dieses Jahres nach Ägypten abzusetzen. Dorthin haben sich bereits führende Salafisten der deutschen Szene seit Jahresbeginn abgesetzt: Mohammed Mahmoud, Gründer des im Juni durch den Bundesinnenminister verbotenen Vereins Millatu Ibrahim – der Nation Abrahams. Der frühere Ulmer Dschihadist und Veteran des bosnischen Bürgerkriegs Reda Seyam. Und dem Kölner Konvertiten und Predigerstar Pierre Vogel sollen sogar 50 Salafisten an den Nil gefolgt sein – schätzen Analysten des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV). Etwa 30 weitere Islamisten, darunter ganze Familien, säßen „auf gepackten Koffern“, weiß BfV-Vize Alexander Eisvogel: Die „Millatu Ibrahim hat in Ägypten einen Brückenkopf errichtet“.

Und offenbar ein Aufmarschgebiet für den Heiligen Krieg. Längst pendeln Mahmoud und Cuspert nach Recherchen unserer Zeitung regelmäßig zwischen der ägyptischen Salafistenstadt Alexandria und Bengasi. Die libysche Stadt gilt als Hochburg der Terrororganisation El Kaida. Auf deren Internetforen hatte sich Mahmoud informiert, wie er Anschläge während der Fußball-Europameisterschaft 2008 durchführen könnte. Deswegen steckte ihn ein österreichisches Gericht für vier Jahre ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung im Herbst 2011 zog er erst nach Berlin, dann nach Solingen, schließlich in den Odenwald. Im April verfügte der hessische Innenminister, Mahmoud müsse Deutschland verlassen.

Hierher zurückkehren wolle er nur in einem einzigen Fall, posaunte der Islamist in einer Audiobotschaft im Sommer aus: „Als Eroberer, um die Scharia in Deutschland einzuführen.“ Der strengen Rechtsauslegung des Korans schließt sich sein Freund und Weggefährte Cuspert an. Der erstellte im Mai in Köln eine Videobotschaft. Sein Abschiedsgeschenk an radikale Brüder und Schwestern. Und eine Drohung gegen den Rest der Menschen in Deutschland: „Ihr werdet nicht mehr in Sicherheit leben.“ Eine Steilvorlage, die Messerstecher Murat K. gerne annahm. „Wer den Propheten beleidigt, verdient die Todesstrafe“, sagte der Messerstecher während seines Prozesses. Jetzt soll er freigepresst werden.

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