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JahresrückblickDas Jahr 2012 im Rems-Murr-Kreis

ZVW, vom 27.12.2012 15:19 Uhr
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Das war 2012 im Rems-Murr-Kreis. Klicken Sie sich durch unseren Rückblick... Foto: ZVW
Das war 2012 im Rems-Murr-Kreis. Klicken Sie sich durch unseren Rückblick...Foto: ZVW

Schräges von der Schiene und Schrilles von der Straße: Eine kleine Mobilitätsgeschichte in vier Kapiteln

(pes)
Ärger über die Bahn, Jubel über die Bahn. Nichts Neues in Sachen B14, neue Maßstäbe setzende Doofheit in der Autoknackerbranche. Auf Straße und Schiene bot das Jahr 2012 im Rems-Murr-Kreis so viel Schönes, Schlimmes und Schräges wie selten.
Kein Wort an dieser Stelle zu Stuttgart 21! Aus drei Gründen. Erstens: Argumentiert man contra Tiefbahnhof, schmähen einen die Befürworter als Juchtenkäferversteher und Wutbürgerverherrlicher. Zweitens: Schimpft man nicht stramm genug auf das Buddelprojekt, schelten einen die Gegner als willfährigen Diener der Immobilienspekulanten und Bahnchefs. Drittens: Nächstes Jahr geht das Gezerf sowieso weiter. Stattdessen: Eine kleine Geschichte der Rems-Murr-Mobilität 2012 in vier Kapiteln . . .


Kapitel 1: Im Party-Waggon
„Die geballte Remsbahn-Wut“ – Schlagzeile vom 14. April. „Signalstörungen: Bahnfahrer gefrustet“ – Schlagzeile vom 28. November. „Wieder mal Ärger mit der S-Bahn: Weichenstörungen sorgen für Verspätungen“ – Schlagzeile vom 13. Dezember. Was im Jahr 2012 auf der Rems-und Murrschiene abging, machte selbst seit vielen Jahren an ärgerliche Zustände gewöhnte Berufspendler fassungslos: zu wenige, veraltete und überfüllte Waggons, nicht benutzbare Toiletten, Türen, die viel zu eng waren, sofern sie sich überhaupt öffnen ließen, Verspätungen wegen klemmenden Weichen, defekten Signalen oder am Hauptbahnhof entgleisten Zügen (siehe dazu die kleine Pannenstatistik im Text unter dem Foto oben), Null-Informations-Politik, keine oder hanebüchen falsche Durchsagen. Realsatirischer Höhepunkt: Eine Zeitlang kamen auf der Remsstrecke, weil es einen Waggon-Engpass gab, unter anderem Wagen zum Einsatz, die bei der Firma „Euro-Express“ angemietet worden waren. Zitat aus deren Homepage: „Wir verchartern unsere Wagen zum Beispiel für Betriebsausflüge, Fanzüge, Partytouren, Schulfahrten, Pilgerreisen, Ausstellungszüge und anderes mehr. Wie Sie sehen, sind der Fantasie für den Einsatz unserer Wagen nahezu keine Grenzen gesetzt.“ In der Tat: Man kann sogar Pendler reinstopfen. Wie glaubwürdig ist eine Bahn, die einerseits ihre alltäglichen Beförderungs-Hausaufgaben nicht macht, andererseits aber behauptet, das sinnvollste und bestgeplante Projekt sei . . . ähm, Entschuldigung, darüber wollten wir ja kein Wort verlieren.


Kapitel 2: Wir Nachtschwärmer
Lassen wir den Ärger hinter uns, feiern wir einen historischen Mobilitäts-Durchbruch: Seit Dezember gibt es endlich den S4-Ringschluss, die roten Flitzer verkehren nun auch zwischen Marbach und Backnang, mit Halt in Erdmannhausen, Kirchberg und Burgstall – und die S-Bahnen im VVS-Gebiet fahren wochenends auch die Nacht durch. Yappaduh! „Stürzen Sie sich ins Nachtleben der Region Stuttgart!“, stand in einem VVS-Flyer. „Abtanzen und dann mit Chauffeur spät in der Nacht oder am frühen Morgen sicher nach Hause!“ Bei allem mehr als angebrachten Bahn-Tadel – das loben, preisen und rühmen wir.


Kapitel 3: Der arme Nopper
Jetzt aber runter von der Schiene – auch die Straßenmobilität hatte ihr Jahres-Drama: die unendliche Geschichte um den B14-Weiterbau und den Anschluss Backnang-Mitte. Mit dem eigentlich für 2010 geplanten Anschluss wurde es auch 2012 wieder nichts, der Backnanger OB Frank Nopper hat schon Schaum vor dem Mund. Man kann ihn verstehen. Wie es aussieht, soll es im kommenden Jahr endlich Geld dafür geben; nicht aber für den B14-Weiterbau.


Kapitel 4: In der Mobilitätsfalle
Zum Mobilitäts-Versager des Jahres aber küren wir – nein, nicht Grube, nicht Kefer, nicht Hermann (Verkehrsminister Land), nicht Ramsauer (Kollege Bund). Der Siegerlorbeer im Wettbewerb um die größte Verkehrsdummheit gebürt einem 19-jährigen Fellbacher: Im Februar prüfte der Autoeinbrecher in der Christofstraße die Türen eines geparkten VW Golf, und als er sie verschlossen fand, begab er sich zur Heckklappe. Die ließ sich öffnen. Er stieg ein. Als er drin war, fiel hinter ihm der Kofferraumdeckel zu. Der Mann versuchte nun, von innen Türen oder Klappe zu öffnen. Vergeblich. Worauf er via Handy die Notrufnummer anrief und mit der Waiblinger Rettungsleitstelle von Feuerwehr und Rotkreuz verbunden wurde. Er erklärte, er komme nicht mehr aus seinem Auto heraus, man möge ihn bitte befreien. Auf Nachfrage wusste er das Kfz-Kennzeichen allerdings nicht zu nennen. Zitat aus dem Einsatzprotokoll: Der Mann habe „sehr viel Wert darauf gelegt, nicht mit der Polizei verbunden zu werden“. Der Notrufdienstler informierte dennoch (oder vielleicht wohl eher: deshalb) die Ordnungshüter. Als die Beamten in der Christofstraße eintrafen, war der 19-Jährige verschwunden – es war ihm gelungen, eine Passantin auf seine Not aufmerksam zu machen. Sie hatte die Heckklappe geöffnet. Nun aber griff die Polizei zu einem ausgekochten Fahndungstrick: Sie rief den Mann an. Seine Handynummer war ja bei der Rettungsleitstelle aufgelaufen. Ein Polizist erklärte dem 19-Jährigen, es habe da wohl Probleme mit seinem Wagen gegeben – ob er nicht bitte zu dem Auto kommen könne? Und siehe, der Kerl tauchte tatsächlich auf. Offenbar ein Mann ohne Arg.
 

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