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Jean Dujardin „The Artist“ – Die stumme Sensation

Axel Schock, vom 24.01.2012 16:00 Uhr
Jean Dujardin  in „The Artist“ Foto: dapd
Jean Dujardin in „The Artist“ Foto: dapd

Berlin - Am Donnerstag startet „The Artist“, der mit drei Golden Globes ausgezeichnete französische Schwarz-Weiß-Stummfilm, in dem Jean Dujardin (39) einen US-Stummfilmstar spielt, dessen Karriere mit dem Aufkommen des Tonfilms schlagartig endet.


Monsieur Dujardin, wie war Ihre erste Reaktion, als Sie das Angebot für diesen Stummfilm bekommen haben?
Ich dachte, die sind völlig krank. Ich hielt es für völlig ausgeschlossen, dass man so einen Film finanziert bekommt. Als es dann konkret wurde, bekam ich Panik. Ich war kurz davor, einen Rückzieher zu machen. Es war das erste Mal, dass ich Zweifel hatte, eine Rolle wirklich ausfüllen zu können.

Was hat Sie verunsichert?
Ich kam mir vor, als würde man mir die Arme hinter dem Rücken zusammenbinden. Wie sollte ich eine Rolle ohne Text vorbereiten?

Auch wenn man es nicht hören kann: Sie ­haben Dialoge gesprochen. Oder haben Sie einfach nur stumm den Mund bewegt?
Ein paar Dialoge waren geschrieben, anderes haben wir improvisiert. Und im Lauf der Zeit haben wir festgestellt: Alles, was man spielen kann, muss man nicht auch noch sagen.

Fiel es Ihnen schwerer, die expressiven Stummfilmgesten einzuüben oder sie sich hinterher wieder abzugewöhnen?
Ich habe das nicht antrainiert. Diese besondere Arbeit mit den Gesten und dem Körper passierte eher instinktiv. Es wäre auch nicht gut gewesen, sie mir speziell vorab anzueignen, sonst hätten die Bewegungen auf der Leinwand womöglich viel zu aufgesetzt und zu sehr wie eine Pantomime gewirkt.

Wie lange haben Sie für Ihre phänomenale Stepptanznummer geprobt?
Sechs Monate, ich hatte zuvor überhaupt keine Stepptanzkenntnisse. Das ist einerseits sehr lang, andererseits aber auch kurz – man musste mir wirklich alles beibringen.

Ihr schmaler Oberlippenbart erinnert an Clark Gable. War er Ihr Vorbild für diesen Part?
Inspiriert haben mich auch Gene Kelly und Douglas Fairbanks. Den Bart habe ich aber tatsächlich Clark Gable geklaut.

Terrier Uggy ist Ihr Partner im Film. War es schwierig, mit ihm zusammenzuspielen?
Alle Kollegen sagen, dass sie nie mit einem Kind und nie mit einem Hund drehen möchten. Ich kann Ihnen aber verraten: Ich habe nicht mit einem Hund, sondern mit einer Maschine gespielt. Er hat wie ein kleiner Roboter alle Bewegungen seines Trainers nachgemacht. Dieser Hund macht, was der will. Man braucht nur ein paar Würstchen in der Tasche – viele, viele Würstchen.

Haben Sie den Erfolg des Filmes erwartet?
Überhaupt nicht. Aber dies unterscheidet diesen Film nicht von anderen. Die Reaktionen auf die Uraufführung in Cannes waren allerdings eine Riesenüberraschung. Ich war nur für einen Tag zum Festival angereist und musste am nächsten Tag noch mal hin, weil mir ein Preis überreicht wurde.

Auch in den USA bekommt „The Artist“ große Aufmerksamkeit. Freuen Sie sich auf Angebote aus Hollywood?
Nein. Ich habe diesen Traum nie gehabt. Schauspielerei ist für mich etwas sehr Persönliches, und ich sehe eigentlich nicht, wie ich in einer anderen Sprache als meiner eigenen Schauspieler sein kann. Ich habe mein Leben in Frankreich, hier ist auch meine ­Familie. Ich bin nicht der Typ wie Antonio Banderas, der in die Staaten geht und dort eine amerikanische Kollegin heiratet. Ich wäre allerdings schon mal neugierig darauf, eine Auslandserfahrung zu machen, egal ob in Italien, Deutschland oder in den USA.

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