Kaisersbach Affenshow im Schwabenpark in der Kritik

Nils Graefe, 02.08.2012 17:30 Uhr
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„Die Affen haben Spaß. Sie wollen in der Show mitmachen“, sagt Thomas Hudelmaier. Links: Seine Frau Silvia. Foto: Habermann/ZVW
„Die Affen haben Spaß. Sie wollen in der Show mitmachen“, sagt Thomas Hudelmaier. Links: Seine Frau Silvia.Foto: Habermann/ZVW

Kaisersbach. Die Affenhaltung im Schwabenpark in Gmeinweiler steht auf dem Prüfstand. Grüne in der Landesregierung und Tierschutz-Aktivisten machen Druck. Das Veterinäramt Rems-Murr lässt in Absprache mit der Landestierschutzbeauftragten Dr. Cornelie Jäger ein Fachgutachten durch einen Primatologen erstellen. Wie es dazu kam?

Strauss' „Also sprach Zarathustra“ ertönt durch den mit rund 350 Zuschauern besetzten Massivholz-Rundbau an einem Feriennachmittag Ende Juli 2012. Vor allem Eltern oder Großeltern mit ihren unter zehnjährigen Kindern oder Enkeln sind gekommen. Der Vorhang zur Manege geht auf, heraus tuckert Pat, ein etwa 40-jähriger Schimpanse mit Frack und Zylinder bekleidet, in einem Oldtimer-Gefährt. Ganz nah bei ihm „Affentrainer“ und Schwabenpark-Geschäftsführer Thomas Hudelmaier. Der wie ein Zirkusdirektor gekleidete Moderator Sven Larch kommentiert derweil jede Handlung des Affen.

In der Manege stehen Requisiten bereit. Pat hängt zum Beispiel seinen Hut an einen Stillen Diener, setzt sich an einen Tisch und isst Bananenstücke mit der Gabel. Mit Lesebrille auf der Nase blättert er in einem Buch, geht ins Bett schlafen, putzt sich aber vorher die Zähne und setzt eine Zipfelmütze auf, deckt sich zu, bis der Wecker klingelt, und, und, und. Das Publikum lacht und klatscht.

In einer kurzen Pause sagt Sven Larch durchs Mikrofon: „In diesem Jahr gibt es den Schwabenpark seit 40 Jahren, und seit über 30 Jahren haben wir hier Schimpansen.“ Rund 40 Schimpansen seien seither im Schwabenpark zur Welt gekommen. „Das ist ein gutes Zeichen, dass sie sich hier wohlfühlen.“ In menschlicher Obhut würden Schimpansen 50 Jahre und älter, in der Wildnis nur 40 Jahre. „Wenn in freier Wildbahn die Affenmütter ihre Kinder abweisen, dann haben die keine Überlebenschance. Wir im Schwabenpark päppeln die Affenbabys mit Fläschchen groß.“

Unter der Fürsorge Silvia Hudelmaiers trennt eine Schimpansin rote und gelbe Bälle in zwei Eimer auf und zeigt andere Kunststückchen. Sven Larch kommentiert: „Kein Schimpanse wird hier zu irgendetwas gezwungen, wozu er keine Lust hat. Sie werden alle spielerisch herangeführt an die Show und es macht ihnen Spaß.“

Illegale Aktion: Tierschützer postiert Kamera

Dass es sich hier um Spaß handelt, das bestreiten Tierschützer. Vergangene Woche postierte einer im Vorraum zum Affengehege eine Kamera, dort wo die Hudelmaiers immer zweimal am Tag die Schimpansen für die Show mit dem „Affentaxi“ abholen und runter zum Manegen-Rundbau fahren. Die Kamera in Stiftform war jedoch nicht genügend befestigt, fiel zu Boden und den Hudelmaiers auf. Sie installierten daraufhin ihrerseits eine Überwachungskamera an einer Außenwand.

Thomas Hudelmaier sitzt im Restaurant des Schwabenparks und zeigt auf das auf seinem iPad ablaufende Video der Überwachungskamera: Zu sehen ist ein Typ, der während einer Nachmittagsshow am 26. Juli 2012 über die Absperrung springt, die Tür zum Vorraum öffnet und hineingeht – wohl um die Kamera wieder zu holen. Hudelmaiers Sohn schließt ihn von außen ein und wartet auf zwei Beamte des Polizeipostens Welzheim, die den Mann festnehmen.

„Da sehen sie, wie weit es gekommen ist“, sagt Thomas Hudelmaier. „Die Tierschützer denken wohl, ich würde die Tiere misshandeln. Dabei haben’s die gut bei uns. Die wollen schaffen und in der Show auftreten. Die stehen schon immer eifrig an der Tür, wenn’s losgeht.“

Nach Informationen der Polizeidirektion Waiblingen handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen Brasilianer von irgendeiner Tierschutzorganisation. „Wir wissen nicht, von welcher“, sagt Polizei-Sprecher Ronald Krötz. „Der Mann war gar nicht kooperativ. Er verweigerte die Aussage, gab an, weder Deutsch noch Englisch zu sprechen.“ Er konnte aber eine Zustellungsadresse im Rems-Murr-Kreis angeben und ist wieder auf freiem Fuße, die Kamera beschlagnahmt, auf ihn kommt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu.

Nicht erst seit kurzem haben Tierschutz-Aktivisten den Schwabenpark auf dem Kieker. Er wird zum Beispiel bereits 2008 in einem Beitrag des Magazins Peta’s Animal Times kritisiert – wogegen sich die Familie Hudelmaier am 11. Dezember 2008 in einem Schreiben an Peta e.V. verwahrte:

„Unsere Schimpansen werden fürsorglich und mit Liebe behandelt und von zwei namhaften Tierärzten betreut. Einen unserer Schimpansen, der an einer Netzhautablösung litt, haben wir in einem Krankenhaus von Humanmedizinern an den Augen operieren lassen, mit Erfolg, und somit wurde ihm das Erblinden erspart. (...) Unsere Schimpansen werden keinerlei Qualen ausgesetzt, weder geschlagen noch mit Elektrobändern oder mit Elektroschockern erniedrigt. Unsere Schimpansen in der Show haben sehr viel Spaß, da sie von uns nicht gezwungen werden, sondern selbst spielerisch und mit Lust ihr Können zeigen.“

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