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KunstberatungWenn Kunst ein Teil der Firma wird

olm, vom 12.11.2012 05:00 Uhr
Kunst im Unternehmen – im Bild die Volksbank in Kirchheim-Nürtingen – kann ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie sein. Foto: Mierendorf
Kunst im Unternehmen – im Bild die Volksbank in Kirchheim-Nürtingen – kann ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie sein.Foto: Mierendorf

Über Kunst lässt sich vortrefflich streiten. Eva Müller muss bei dieser Aussage ein wenig schmunzeln. Die diplomierte Sozialwissenschaftlerin ist Kunstberaterin. Sie berät seit über 20 Jahren Firmen in ganz Deutschland, wenn es um Kunst im Unternehmen geht. Zwar hat die zurückliegende Finanzkrise die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Kunst etwas getrübt, die Nachfrage sei dennoch vorhanden. Vor allem Unternehmen mit einer ausgeprägten Firmenphilosophie und 'einem anderen Umgang mit ihren Mitarbeitern' seien dem Thema weiterhin stark aufgeschlossen, vorausgesetzt, man kann ein schlüssiges Konzept präsentieren, erläutert Eva Müller. Wo allerdings Kunst in der Vergangenheit nur als Marketing-Gag gesehen wurde, falle die Realisierung heute meistens als Erstes dem Rotstift zum Opfer.

Die meisten ihrer Aufträge kommen über Empfehlungen, erzählt Eva Müller. Manchmal bewirbt sie sich aber auch spontan um ein Projekt, wenn es sie interessiert. Wer sich auf das Abenteuer Kunst im Unternehmen einlässt, erwarte von dem Berater ein Konzept, dass deutlich macht, was mit der Kunst überhaupt ausgesagt werden soll, erklärt Müller ihre Arbeit. Ihre Konzepte beginnen immer mit einer ausführlichen Analyse: Um was für ein Unternehmen handelt es sich? Welche Corporate Identity (Firmenphilosophie) gibt es bereits, was will man? Worin unterscheidet es sich von anderen? Gibt es ein Leitbild? 'Gerade bei der Kunstberatung kommt es darauf an, ein abgestimmtes Konzept zu haben, das all diese Fragestellungen mit aufnimmt.' Aber auch die Architektur, die Struktur der Räume, das Licht und vor allem die Mitarbeiter spielten eine wichtige Rolle bei der Frage, welche Kunst in welchem Rahmen zu dem jewei­ligen Unternehmen passt. Eva Müller macht dabei deutlich, dass es keinesfalls nur darum gehe, irgendwo in einem Büro oder in einer Empfangshalle 'etwas Kunst' hinzustellen oder aufzuhängen. 'Wer Räume nur aufhübschen will, indem er etwas mitbringt, hat die Bedeutung von Kunst im Unternehmen nicht verstanden.' Es gehe bei diesem Thema immer auch um ein strategisches Konzept. Und: 'Zum Glück hat die Willkür an Kunst abgenommen. Die Unternehmen haben erkannt, dass es immer ein sinnvolles Konzept braucht, um Kunst einzubinden', stellt die Kunstberaterin klar.

Das Kunstobjekt muss nicht jedem gefallen

Das sehen mittlerweile auch viele Architekten so, die mit Fachplanern wie Eva Müller zusammenarbeiten. Dass es manchmal im Gebälk auch knirschen kann, wenn Kunst auf Kunst trifft, sieht sie sportlich. 'Wir versuchen uns immer in die Planung des Architekten einzudenken. Schließlich können in den Kunstobjekten auf diese Weise auch das Konzept und die Idee des Architekten weitergeführt werden, erläutert Müller ihren Ansatz. Überhaupt sei es wichtig, beim Thema Kunst alle Beteiligten mit einzubeziehen und das Kunstkonzept logisch und nachvollziehbar zu vermitteln. 'Es nützt niemandem, wenn das Unternehmen, seine Mitarbeiter oder Kunden das Gefühl haben, dass in dem Konzept etwas fehlt.' Das bedeutet aber nicht, dass die ausgewählten Kunstobjekte auch jedem gefallen müssen, stellt die Kunstberaterin klar. Auch hier geht es wieder um das Konzept, das von den Beteiligten erkannt werden muss. Steht zum Beispiel der Mensch im Mittelpunkt eines Unternehmensleitbildes, sollte das auch in der ausgestellten Kunst deutlich werden, formuliert sie den Anspruch an ihre Arbeit. Dazu gehört für sie auch, darauf zu achten, dass die angekauften Kunstwerke auch ihren Wert für das Unternehmen behalten und nicht irgendwann entsorgt werden müssen, weil sie zum Beispiel nach einem Umbau nicht mehr in das Gebäude passen. Immer wieder würden sie Unternehmer um Rat fragen, weil sie nicht wüssten, was sie mit dem einen oder anderen monströsen Wandgemälde aus den 1970er Jahren machen sollten, erzählt die Kunstberaterin. 'Viele dieser alten Schinken sind auch nichts wert oder sehr zeitbezogen.' Auch um Rechtsstreitigkeiten mit Künstlern zu vermeiden, sollten Unternehmen darauf achten, bei der angekauften Kunst keine festen Einbauten zu erwerben, rät Müller. Nur variable Kunstwerke könnten auch nach einem Firmenumbau oder -umzug in anderen Raumzusammenhängen wieder verwendet werden. Welche Künstler letztendlich bei einem Kunstobjekt zum Tragen kommen, ist von vielen Faktoren abhängig. Unternehmen, die es sich leisten können, setzen schon mal auf große Namen. Aber das muss nicht sein: Regionale und lokale Künstler sind ebenfalls bei den Unternehmen sehr beliebt.

'Es sollten allerdings professionelle Künstler sein, die eine Ausbildung haben und bei denen man sieht, dass sie über die Jahre ihr eigenes Profil entwickelt haben', betont Müller. Wer sich für sein Unternehmen ein maßgeschneidertes Kunstkonzept entwickeln lassen will, muss etwa mit zehn Prozent der Ankaufsumme für die Kunst rechnen. Ein kleines Konzept soll es bereits ab 3000 Euro geben.

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