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„Laible und Frisch“Bäckerkrieg mit messerscharfen Bildern

Tom Hörner, vom 24.12.2012 10:00 Uhr
„Laible und Frisch“ Foto: SWR
„Laible und Frisch“Foto: SWR

Stuttgart - Man kann nicht nur immer ­darüber jammern, dass uns, den Bürgern, zu wenig Gehör geschenkt wird. Man muss auch ­etwas dafür tun. Zum Beispiel Fernsehschauen. An den Weihnachtsfeiertagen. Und an Silvester und Neujahr. Dann wiederholt das SWR-Fernsehen sämtliche zwölf Folgen der Schwabenreihe „Laible und Frisch“. Wer ein modernes TV-Gerät hat und ganz ­genau hinschaut, wird erkennen, dass es ­keine Wiederholung ist. Erstmals wird die beliebte Miniserie aus den Jahren 2009 und 2010 – eine ­Koproduktion zwischen SWR und der in Dettingen/Erms beheimaten Firma Schwabenlandfilm – in hochauflösender Bildqualität ausgestrahlt, in HD (High ­Definition Television), auf gut Schwäbisch Hei Definischn Telewischn.

Hochaufgelöst waren viele Fernsehzuschauer, dass der Südwestrundfunk 2011 nicht noch eine dritte Sendestaffel in Auftrag gegeben hatte, hatte die Quote doch mit jeder „Laible und Frisch“-Folge weiter nach oben gezeigt. Am Ende versammelten sich ­bundesweit fast eine Million Menschen vor den Geräten, wenn es über weite Strecken in einem Dialekt zur Sache ging, den nördlich von Schwäbisch Hall angeblich kein Mensch versteht. Offensichtlich ist man bei der ­öffentlich-rechtlichen Anstalt weniger ­quotenhörig, als gemeinhin behauptet wird. Die Geschichte, hieß es damals lapidar, sei „zu ­Ende erzählt“ – als ob das je ein Argument gewesen wäre, um eine vom Erfolg ­verwöhnte TV-Produktion einzustellen.

Was das Wetter angeht, mag „Laible und Frisch“ nicht so recht ins Weihnachtsprogramm passen. In dem fiktiven Flecken Schafferdingen am Rand der Schwäbischen Alb, wo der norddeutsche Discountbäcker Manfred Frisch (Simon Licht) dem alteingesessenen Bäckermeister Walter Laible (Winfried Wagner) das Leben schwermacht, ­herrschen meist sommerliche Temperaturen. Die schwäbische Provinz zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Schaut man sich aber die Entstehungsgeschichte von „Laible und Frisch“ an, entdeckt man Züge eines Weihnachtsmärchens: Es kommt nicht oft vor, dass eine Studienarbeit der Filmakademie Baden-Württemberg im Fernsehen in Serie geht. Genau besehen, ist es noch nie vorgekommen. „Laible und Frisch“ gilt als echtes Eigengewächs: Absolventen der Filmschule kamen in Schlüsselpositionen wie Kamera, Regie, Schnitt und Produktion zum Zug.

Wer Produzent Frieder Scheiffele auf den hohen Unterhaltungswert von „Laible und Frisch“ anspricht, der bekommt zu hören, dass die Serie durchaus auch gesellschaftspolitische Relevanz besitze: Vom Bäckereisterben seien nicht nur Kleinbetriebe ­betroffen. Gut ginge es meist nur Bäckern, die mit hochwertigen Produkten eine Nische gefunden hätten.

Ihren Charme bezieht die Reihe auch aus dem Nebeneinander von bekannten und bis dato völlig unbekannten Gesichtern. ­Verdiente Mundartgrößen wie der Volksschauspieler Walter Schultheiß oder der Ex-„Tatort“-Bienzle Dietz Werner Steck sind neben Nachwuchsschauspielern wie Dominik Kuhn und Tedros „Teddy“ Teclebrhan zu ­sehen – ohne dass einer dem anderen den Rang abläuft. Der Reutlinger ­Werbefilmer Kuhn bekam später mit „Die Welt auf Schwäbisch“ eine eigene TV-Reihe. Der ­Comedian Teclebrhan gehört mit seinem millionenfach geklickten „Integrationstest“ zu den Helden des Internets.

Nun also haben die werten Seherinnen und Seher noch einmal die Chance, mit der Fernbedienung abzustimmen und den SWR zu seinem Glück zu zwingen. Offiziell heißt es zwar, eine weitere Staffel von „Laible und Frisch“ sei nicht geplant. Bei der Ausstrahlung handle es sich um die „Verwertung von Programmvermögen“. Aber wer weiß: Wenn genügend Leute zuschauen, vielleicht setzt sich bei dem Sender ja doch noch die ­Einsicht durch, dass es sich lohnen könnte, das Programmvermögen zu mehren.

SWR-Fernsehen, 25. und 26. Dezember, 16.30 Uhr; 31. Dezember und 1. Januar, 17.30 Uhr.
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