Donnerstag, 17. Mai 2012
 
 
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [1.00/1]

Lana Del Rey Böse Mädchen kommen überall hin

Gunther Reinhardt, vom 27.01.2012 10:03 Uhr
Lana Del Rey Foto: dpa
Lana Del Rey Foto: dpa

Stuttgart - Erst schwört sie in „Blue Jeans“ diesem Typen, der total wie James Dean aussieht, ewige Treue, verspricht zum hypnotischen Beat, den ein verlorene Gitarre vorgibt, ihn mehr zu lieben als all die Flittchen, die er vorher hatte. Dann zieht sie sich in „Video Games“ verführerisch aus, und während die Geigen seufzen, ein Harfe wehmütig zuckt, fragt sie einen anderen Liebhaber, ob es denn wahr sei, dass er böse Mädchen bevorzuge. Nur um sich in dem mit dem Geist des Trip-Hop aufgeladenen Begehrstück „Off The Raices“ schon an den nächsten Schurken ranzuschmeißen, einen Typen, der sie mit jedem Schlag seines Kokain-Herzens liebt und bei dem sie sich kokett dafür entschuldigt, so verdorben zu sein: „God I’m so crazy, Baby / I’m sorry that I’m misbehaving.“Und schließlich, wenn ihr nur noch der Blues übrig ist, bekennt sie sich im gefährlich twistenden „Kinda Outta Luck“ zu ihrer verbrecherischen Seele, die immer wieder zum Vorschein kommt: „I was born bad / But then I met you / You made me nice for a while / But my dark side’s true.“

Elizabeth Grant, inzwischen besser bekannt als Lana Del Rey, liebt in ihren Songs verführerisch-böse Rollenspiele, bezeichnet sich selbst gerne als „Gangsta-Nancy-Sinatra“ und behauptet, ihr Erscheinungsbild solle den Eindruck erwecken, sie sei eine „Lolita, die sich im Ghetto verlaufen hat“. Seit den Singles „Video Games“ und „Blue Jeans“ gilt die 25-Jährige als die Topfavoritin auf den nächsten Hype. An diesem Freitag erscheint nun endlich Lana Del Reys Debütalbum „Born To Die“ – ein e wunderbare Platte voller schmerzhaft-schöner romantischer Gangsterdramen.

„Wie eine Zwölfjährige vor dem Spiegel“

Amy Winehouse musste zwei Alben veröffentlichen, bis sie endlich als Sensation entdeckt wurde. Lady Gaga mühte sich einige Jahre lang als Künstlerin im New Yorker Underground ab, bis man sie als die neue Madonna feierte. Lana Del Rey brauchte sich dagegen bloß einen Schmollmund spritzen zu lassen und auf YouTube ein vom trashigen Retrocharme beseeltes Video veröffentlichen, um als der neue Superstar gefeiert zu werden.

Dies ist die derzeit überaus populäre Lesart des unaufhaltsamen Aufstiegs der Lana Del Rey. Und weil deren Inszenierungen stets etwas Plakatives haben, wundert die Häme, mit der manche auf Fehltritte der New Yorkerin hoffen, nicht wirklich. So geschehen beim verunglückten Auftritt bei „Saturday Night Live“, dem TV-Klassiker der US-Samstagsabend­unterhaltung. Da wirkte sie überhaupt nicht böse und geheimnisvoll, sondern nervös und unbeholfen. Nach der Darbietung der Songs „Video Games“ und „Blue Jeans“ twitterte Juliette Lewis, selbst eine begabte Schauspielerin, aber eher mittelmäßige Sängerin, schadenfroh, dieser neue Superstar sei ihr vorgekommen wie eine Zwölfjährige, die in ihrem Kinderzimmer vor dem Spiegel singen übt.

Lana Del Ray, die in Lake Placid aufgewachsen ist und mit 15 von ihren Eltern aufs Internat in Connecticut geschickt wurde, hat sich angreifbar gemacht, weil sie große Auftritte liebt, sich gerne selbst als Klischee inszeniert und weil ihre Plattenfirma natürlich nicht nur Musik, sondern auch ein Image verkauft. Der Hype ist selbstverständlich Teil der Marketingstrategie, und es ist nicht unbedingt die Musik, sondern die Person Lana Del Rey, die als das entscheidende Verkaufsargument verstanden wird.

Direkt aus einem überbelichteten David-Lynch-Film

Dass das ein großer Irrtum ist, sollte spätestens jetzt deutlich werden, wenn das lang erwartete Album auf dem Markt ist. Denn die Platte, die von Guy Chambers und Eg White produziert wurde, die zuvor für Robbie Williams gearbeitet haben, braucht den ganzen Reklamerummel um Botox und Trailerparks eigentlich überhaupt nicht.

Die Songs auf „Born To Die“ haben stets etwas Traumwandlerisches, scheinen direkt aus einem überbelichteten David-Lynch-Film zu stammen. Wirkt die nicht minder betörende Anna Calvi (die Sensation des Jahres 2011) wie die Königin der Nacht, die Heldin der Somnambulen, ist Lana Del Rey die Königin des Tages, die White-Trash-Queen der Tagträumer. Ihre Lieder quellen über von Verlangen, Sehnsucht, Begehren. Etwa wenn sie im Titelsong behauptet, dass ihr Liebeslieder nicht mehr genügen und sie sich Sex im strömenden Regen wünscht. Wenn sie sich zum sanft groovenden Beat von „Diet Mtn Dew“ auf den Weg nach New York City macht, sich die Sonnenbrille in Herzchenform aufsetzt und zu allem bereit ist, auch wenn sie weiß, dass es einmal böse enden wird.

Oder wenn sie in „Million Dollar Man“ einmal mehr mit dem Abgrund flirtet: „I would follow you down, down, down“ – Ich würde dir bis ganz nach unten folgen. Aber erst einmal geht es für Lana Del Rey ganz nach oben. Und genau da gehört sie auch hin.

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Titel *  
     
Autor *  
     
Kommentar *  
             
(optional)
E-Mail   (wird nicht veröffentlicht)
             
Straße     Hausnr.  
             
PLZ     Wohnort  
             
    (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
             
      * Pflichtfelder
Literatur und visuelle Wundertüten
Am Mittwoch werden die 65. Filmfestspiele in Cannes eröffnet – Persönliche Dramen dominieren.
Ein kleines bisschen Horrorshow
Bilder Duell der Popmonster – Gossip gegen Garbage und damit Beth Ditto gegen Shirley Manson .
Videos
Interaktiv
  • Umfrage
Ausschreitungen

Nach dem Skandalspiel von Düsseldorf: Die Spiele zwischen KSC und VfB Stuttgart II werden in Mercedes-Benz-Arena verlegt - aus Sicherheitsgründen. Und auch die Gewerkschaft der Polizei fordert nun harte Sanktionen bei Fan-Ausschreitungen. Brauchen wir härtere Strafen und höhere Sicherheitsmaßnahmen im Fußball?

 
Ja, das hat nichts mit Sport zu tun und muss auf jeden Fall bestraft werden.
Nein, das war nur eine Ausnahme.
Mir ist das ganze Theater um Fußball egal.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Neueste Artikel
  • Facebook Lokalredaktion
  • Facebook Sportredaktion
  • Twitter
Rundschlag
Die Windwende bei der CDU
Die CDU hat eine neue, zukunftsweisende Energiequelle für sich entdeckt: Die Windkraft.
Väter im Aufbruch
Weshalb lässt das Wort „Vatertag“ sofort an Alkohol denken? Woher rührt das Klischee?
Bundesliga-Tippspiel
Tippen Sie mit!
Tippen und gewinnen Sie bei unserem Bundesliga-Tippspiel. Hier können Sie mitspielen >>
TV Bittenfeld
Kein neuer Vertrag für Arni Sigtryggsson
Der Isländer muss Bittenfeld am Saisonende verlassen. Neue Aufgabe beim Ligakonkurrenten.
Der TV Bittenfeld hält nur zehn Minuten mit
Nach erfolgreichem Auftritt vor einer Woche hat der TV beim Vorletzten überraschend deutlich verloren.
Nachrichtenticker
03:58   Champions League der Frauen: Frankfurt will Titelpremiere
03:10   Wolfgang Schäuble erhält Karlspreis
02:55   Aufsichtsrat informiert über Konsequenzen aus Flughafen-Debakel
02:14   Auftakt der Proteste gegen Banken - Zeltlager in Frankfurt geräumt
02:10   Europäische Innenminister treffen sich in München
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren