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Leutenbach Der neue Kämmerer von Leutenbach

Eine der ersten großen Aufgaben des Kämmerers Heiko Nothacker wird die Umstellung in das neue Haushalts- und Rechnungswesen sein. Foto: Palmizi / ZVW

Leutenbach. Seit einem halben Jahr kümmert er sich um den Leutenbacher Haushalt. Seit März ist Heiko Nothacker der neue Kämmerer der Gemeinde. Im Interview spricht der 31-Jährige über die Aufgabe, das Haushaltswesen umzustrukturieren, über sein Faible für Zahlen und den bevorstehenden Rekordschuldenstand zum Jahresende.

Video: Heiko Nothacker spricht unter anderem über seine Lieblingszahl.

Herr Nothacker, bleiben die Ausgaben wie gehabt, wird Leutenbach Ende 2017 5,6 Millionen Euro Schulden haben. Weitere Schulden sind angekündigt. Wie kann die Gemeinde das lösen?

Wir müssen in den nächsten Jahren anfangen zu konsolidieren. Das heißt, dass wir genau überprüfen müssen, welche Investitionen notwendig sind und welche nicht. Wenn man die Gemeinderatssitzungen mitbekommen hat, weiß man, dass allen klar ist, dass etwas getan werden muss. Die Tatsache, dass die Sanierung der Rems-Murr-Halle geschoben wird, ist ein Zeichen dafür. Es stimmt, die Schulden werden weiter ansteigen (die Rede ist von 6,6 Millionen Euro Ende 2020, Anm. d. Red.), aber wenn man die Zinszahlung anschaut und sie vergleicht mit der von vor 17, 18 Jahren, da war diese viermal so hoch. Man sieht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Investitionen ist.

Die hohen Mehrkosten des Regenüberlaufbeckens in Weiler zum Stein haben der Gemeinde einen Stich versetzt!

Ja, es ist eine Pflichtaufgabe für das Neubaugebiet Schafäcker, was vom Landratsamt aus verpflichtend gebaut werden muss, sonst hätte man das Neubaugebiet nicht realisieren dürfen. Aber es ist auch so, dass das Ergebnis vom letzten Jahr so gut ist, dass da ein großer Teil der Kosten schon gedeckt ist. Und durch das Schieben der Rems-Murr-Halle sind die Zahlungen wieder gesichert.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Sanierung der Halle wird kommen, und es werden auch noch weitere Projekte folgen. Leicht wird es nicht ...

Ja, das stimmt. Allerdings verspreche ich mir vom neuen Haushalts- und Rechnungswesen, dass wir dem Gemeinderat Entscheidungen erleichtern können. Es wird in Leutenbach ab 2019 eingeführt sein. Künftig steht eine outputorientierte Steuerung im Vordergrund: eine Steuerung über Ziele und Kennzahlen. Zudem müssen Abschreibungen erwirtschaftet werden. Diese belasten zwar den Haushalt und müssen ausgeglichen werden, liefern aber transparente Informationen über die Finanzlage – etwas, was das kamerale System nicht bietet. Damit kann man eine Kommune besser und zielorientierter steuern.

Bei manchen Gemeinden könnte der Eindruck entstehen, dass sie die Umstellung als große Herausforderung sehen. Bei Ihnen ist das nicht so. Woran liegt das?

Das kommt sicherlich daher, dass ich bei meiner früheren Arbeit Kommunen bei der Umstellung begleitet habe. Bei mir ist es tatsächlich auch so, dass ich mich auf den Zeitpunkt der Umstellung freue. Früher stand ich bei Entscheidungen als Berater zur Seite, jetzt kann ich Entscheidungen selber treffen, was die Haushaltsstruktur betrifft – natürlich in Zusammenarbeit mit den Gemeinderäten und Bürgermeister Kiesl. Was die Vorarbeit zur Umstellung betrifft, habe ich in der Kämmerei ein sehr gut bestelltes Feld vorgefunden.

Was mögen Sie an Ihrer neuen Aufgabe?

Es ist eine Aufgabe, die ich zusammen mit meinem Team erfüllen kann. Früher sah ich mich als Alleinkämpfer. Ich habe ein Faible für Finanzen, das kann ich jetzt gefühlt noch mehr ausleben (lacht). Und zugegeben – Thema Liegenschaften, also die Grundstücksgeschäfte, mit denen ich früher wenig zu tun hatte, da kann ich jetzt sagen, dass es ein sehr interessantes Sachgebiet ist. Kämmerer ist eine Position, mit der man eine Gemeinde mitentwickeln kann – etwas, worauf mich sehr freue.

Wann haben Sie entdeckt, dass Sie eine Vorliebe für Zahlen haben?

In der Schule war es schon immer so, dass Mathe mir wahnsinnig Spaß gemacht hat. Während meines Studiums habe ich ein Praktikum hier in der Verwaltung gemacht. Die Kämmerei hat mir am meisten gefallen. Und nach dem Studium hatte ich das Glück, dass ich weiter im Haushaltsmanagement arbeiten konnte.

Welche Kindheitserinnerung haben Sie an Leutenbach?

Nur schöne. An meine Grundschulzeit erinnere ich mich gerne, auch an die Zeit, als ich beim TSV Nellmersbach Fußball gespielt habe. Vor allem die Derbys gegen Leutenbach waren immer ganz wichtig. Heute ist die Hocketse eine Pflichtveranstaltung. Sie ist wie ein Ehemaligentreffen. Egal, wo es die Freunde von früher in die Weltgeschichte hinverschlagen hat, zur Hocketse kommen viele. Das ist jedes Jahr schön.

Was war dabei früher Ihr Lieblingsort?

Einen Ort gibt es heute schon gar nicht mehr. Da steht jetzt die neue Sporthalle Ob den Gärten. Zwischen den Hecken dort haben wir uns versteckt und Lager gebaut.

Wenn Ihr Sohn Ihnen später mal sagen würde: „Papa, ich will das Gleiche werden wie du!“, was sagen Sie ihm?

Ich weiß nicht, ob ich ihm jemals einen Wunsch ausschlagen könnte. Ich würde es ihm sicher nicht verbieten. Gerade was die Ausbildung und das Studium betrifft, werden einem viele Möglichkeiten geboten, weil sie in unterschiedliche Bereiche abzielen – sei es Hauptamt, Ordnungsverwaltung oder Bauverwaltung. Selbst die Kämmerei ist ein weites Feld, da geht’s nicht nur um Finanzen, sondern auch das Friedhofswesen ist bei uns oder das Thema Liegenschaften. Man hat diesen Querschnitt und kriegt viel mit. Ich würde ihn bestärken.

Herr Nothacker, vielen Dank für das Gespräch. Gerne.

Die Fragen stellte Diana Nägele

Heiko Nothacker

Heiko Nothacker (31, verheiratet, ein Sohn) ist in Leutenbach aufgewachsen. Nach der Grundschule besuchte er das Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden. An der Ludwigsburger Hochschule erlangte er den Grad des Diplom-Verwaltungswirts. Nach seinem Abschluss 2009 arbeitete er bei der Kommunalen Datenverarbeitung der Region Stuttgart. Als Berater hat er Kommunen bei der Umstellung ins neue Haushaltswesen begleitet. Er war der Ansprechpartner, „wenn der Schuh gedrückt hat“, wie er sagt. Hierbei hat er sich ein Netzwerk erarbeitet, was ihm bei seiner Arbeit als Kämmerer von Nutzen ist.

Die Leutenbacher Kämmerei besteht aus neun Personen mit unterschiedlichen Sachgebieten. Nach sechs Monaten zieht Heiko Nothacker das Resümee: „Ich habe weniger mit Zahlen zu tun, als ich dachte!“ Auf dem Schreibtisch in seinem künftigen Büro, das gerade renoviert wird, steht noch eine alte Rechenmaschine. Sie war eine treue Begleiterin von Christa Goisser. An einem ihrer letzten Arbeitstage als Kämmerin ist diese kaputtgegangen.

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