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Leutenbach/Weiler zum Stein Historische Schreibmaschinen: Ausstellung im Heimatmuseum

Schreibmaschine von 1924: Sie funktioniert ohne Tasten mit einem Schieber. Foto: Ralph Steinemann

Leutenbach-Weiler zum Stein. Das Heimatmuseum ist um einen Ausstellungsbereich reicher geworden. Neben der Sattlerei und der alten Schmiede können Besucher im Erdgeschoss nun eine alte Setzerei und Druckerei begutachten. Außerdem gibt es in dieser Saison eine Sonderausstellung mit historischen Schreibmaschinen. Am Sonntag ist Eröffnung.

Video: Im Heimatmuseum in Leutenbach gibt es derzeit eine Ausstellung historischer Schreibmaschinen.

Klaus Nieratka greift in den Setzkasten. Flink reiht sich ein Bleibuchstabe neben den anderen auf dem sogenannten Winkelhaken – „das wichtigste Werkzeug eines Schriftsetzers“, erklärt Klaus Nieratka. Kaum hat er einen Buchstaben in der Hand, ertasten seine Finger die Signatur – eine Kerbe seitlich am Bleibuchstaben. „Die muss immer oben sein“, erklärt er. Nach wenigen Sekunden hat er die Wörter „Das Heimatmuseum in Leutenbach“ gesetzt.

Auch nach 40 Jahren kennt sich Nieratka noch aus

„1400 Zeichen hat ein Setzer einst in der Stunde gesetzt, wenn er gut war“, erklärt Nieratka. Auch wenn es nun etwa 40 Jahre her ist, dass Texte mit Bleisatz gedruckt wurden, weiß er noch immer, welcher Buchstabe in welchem Fächlein zu finden ist. 125 Fächer hat ein solcher Schriftkasten, verrät er. Die größten Fächer enthalten Buchstaben, die am häufigsten gebraucht werden. Außerdem gibt es Fächer für Satzzeichen, Sonderzeichen aber auch Abstandshalter, die zwischen die Wörter gesetzt werden. Besuchern bei der Eröffnung am Sonntag verrät er auch, welcher Abstand nach welchem Satzzeichen kommt.

Fachsprache gibt es auch 

Und da passiert es: „Ein Fisch“, sagt Klaus Nieratka. Zwischen die Wortreihe hat sich ein falscher Buchstabe eingeschlichen – Fachsprache also. So nennt man das, wenn ein Buchstabe des selben Typs im falschen Kästchen lag. Übrigens gebe es auch noch den Begriff Zwiebelfisch, erklärt der gelernte Schriftsetzer. Da hat sich der Aufräumer nicht nur am Fächlein vertan, er hat einen Buchstaben eines anderen Schrifttyps darunter gemischt.

Setzerei mit Druckerei stammt aus heutiger Gemeinschaftsschule

Die Setzerei mit der Druckerei gehörte einst der heutigen Gemeinschaftsschule. Schulleiterin Sonja Frech hat sie dem Historischen Verein Leutenbach vermacht. „Schüler haben es beim Aufräumen vermutlich nicht so genau genommen wie wir damals“, sagt Klaus Nieratka und lächelt.

"Das sind Klischees"

Unter dem Drucktisch reihen sich unzählige Schubladen ein. Klaus Nieratka zieht sie auf und bevor ein anderer einen ausgiebigen Blick drauf werfen konnte, gibt er die Größe an: „20 Punkt, 8 Punkt ...“ und schiebt sie wieder zu. Schließlich hat er gefunden, was er gesucht hat: „Das sind Klischees“, erklärt er. Damit wurden Druckbildchen bezeichnet. Einer stammt von einer Getränkefirma, die heute noch in Hertmannsweiler ansässig ist, ein anderes zeigt die ehemalige Bernharduskirche in Leutenbach. Die Klischees wurden beispielsweise bei Anzeigen verwendet, so Nieratka.

Als Mitarbeiter des Druckhauses Waiblingen hat Klaus Nieratka täglich mit so einer kleinen Druckwalze gearbeitet. Damit hat man Korrekturabzüge hergestellt, sagt er, „beispielsweise für Anzeigenkunden“.

Nieratka: Gautschbrief hatte fast mehr Bedeutung als Gesellenbrief

Wenn der Schriftsetzer an die Zeit zurückdenkt, als er noch mit dem Bleisatz gearbeitet hat, zieht er folgenden Vergleich: „Das war wie Arbeiten im Bergwerk“, sagt er. Die Schubladen mit den Buchstaben haben einiges gewogen. Dennoch ist er seiner Arbeit gerne nachgegangen.

Ein Relikt aus seinem Arbeitsleben hat er der Ausstellung im Heimatmuseum in Weiler zum Stein hinzugefügt: seinen Gautschbrief. „Der war fast noch wichtiger als der Gesellenbrief“, sagt er lachend. Den Gautschbrief hat ein jeder am Ende seiner Lehrzeit erhalten und bedeutete, dass man frei von seinen Fehlern und Sünden, die man in den vergangenen Jahren gemacht hat, gesprochen wird. „Damit war man in die Zunft der Jünger Gutenbergs aufgenommen“, erklärt er. Außerdem wurde man in einer Zeremonie, die in eine große Gaudi endete, in großen Fässern samt Bekleidung reingewaschen.

Sonderausstellung mit besonderen Schreibmaschinen

Passend zum Thema Druck bietet das Heimatmuseum im ehemaligen Schafhaus seinen Besuchern eine Sonderausstellung mit historischen Schreibmaschinen an. Die älteste stammt aus dem Jahr 1924 und funktionierte ohne Tasten. Tasten gab es erst in den Folgejahren. Franz Herrschlein nimmt dazu den Zeiger und bewegt ihn über die Buchstaben, gleichzeitig dreht sich hinten die Walze und per Hebeldruck wird der Buchstabe aufs Papier gebracht. Deutlich schneller ging es mit einem Nachfolgemodell aus den dreißiger Jahren. Richtig schwer, was das Gewicht betrifft, sind die Büroschreibmaschinen aus den fünfziger Jahren. „Sie sind höher gebaut, damit leichter darauf geschrieben werden kann“, weiß Franz Herrschlein. Übrigens wurden am Ende einer Ausbildung an der Berufsfachschule 120 Anschläge pro Minute verlangt, weiß er. Wer sich vertippte, dem halfen Tippex und Korrekturpapier.

Die Ausstellung

Besucher können die kleine Druckerei und Setzerei sowie die Sonderausstellung „Historische Schreibmaschinen“ im Heimatmuseum in Weiler zum Stein erstmals am Sonntag, 23. April, von 14 bis 17.30 Uhr anschauen. Klaus Nieratka, der gelernter Schriftsetzer ist und elf Jahre lang im Bleisatz gearbeitet hat, wird Besuchern die damalige Arbeitsweise erklären und einige Anekdoten aus seinem Berufsleben zum Besten geben. Außerdem führt er vor, wie früher gedruckt wurde.

Am Eröffnungstag werden 35 historische Schlepper das Museum besuchen. Sie treffen um 14 Uhr am Museum ein und brechen um 14.30 Uhr zur Sternfahrt durch alle Leutenbacher Ortsteile auf. Um 15 Uhr werden sie am Museum von Bürgermeister Jürgen Kiesl begrüßt.

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