Mit dem Pedelec unterwegs Radwege im Rems-Murr-Kreis

Martin Winterling, 23.08.2016 00:00 Uhr
Das Radnetz in Baden Württemberg. Foto: Landratsamt Rems-Murr-Kreis/ Karte: maps4news/ Grafik: ZVW
Das Radnetz in Baden Württemberg.Foto: Landratsamt Rems-Murr-Kreis/ Karte: maps4news/ Grafik: ZVW

Waiblingen/Stuttgart. Baden-Württemberg soll zum Radland werden. Der Weg dahin führt über 7000 Kilometer Radwege. Zwei Stränge des geplanten Radnetzes queren den Rems-Murr-Kreis. Zusammen mit dem Landkreis und den Kommunen werden derzeit noch die idealen Streckenführungen gesucht.

Video: Winfried Hermann über Fahrradfahren in Baden-Württemberg

Mit dem Pedelec verschwindet ein Teil der Nachteile des Radelns. Aber nur ein Teil. Denn nach wie vor ist das Radnetz im Land nicht alltagstauglich. „Wer nur die Freizeit-Perspektive kennt, tut sich schwer zu verstehen, wie ein guter Radweg für den Alltag funktionieren muss“, sagt Arne Koerdt. Er leitet im Stuttgarter Verkehrsministerium das Referat „Rad- und Fußverkehr, kommunale Verkehrskonzepte und Bürgerbeteiligung“. Sobald das Rad nicht nur am Wochenende ausgepackt wird, verändert sich die Perspektive. Um das Fahrrad auch für längere Distanzen nutzen zu können und schnell voranzukommen, seien andere Verkehrskonzepte notwendig als die, die den überwiegend touristischen Radwegen zugrundeliegen. Der kreuz und quer durch die Gegend geführte Remstal-Radweg ist ein schlechtes Beispiel, wie Rad-Pendlern der tägliche Weg zur Arbeit vermiest werden kann.

Der Boden für die Verbreitung ist bereitet. Das teure High-Tech-Rad ist zum Statussymbol geworden. Mit ihm im Gartencafé vorzuradeln, gilt als chic. Mit dem Projekt Radnetz schiebt die Landesregierung neue Radwege in den Städten und Gemeinden an und unterstützt dies mit 15 Millionen Euro. „Klassisches Infrastrukturgeschäft“, nennt der Stadtplaner diesen Ansatz, ein durchgängiges Radwegenetz zu erschaffen. Tausende Kilometer Radwege im Land wurden abgefahren und bewertet. Die Bestandsaufnahme ergab, dass es zwar viele Radwege gibt, doch manche Wege fangen irgendwo an und hören ebenso oft unvermittelt wieder auf.

Manche Radfahrer erleben den Verkehr als permanenten Kampf

Folge der miserablen Infrastruktur ist: „Rüpelradler“ wurden zum Thema in den Medien. Manche Radfahrer erleben den Verkehr als permanenten Kampf. „Wir gegen die!“ Gegen die Autofahrer, die auf ihren Wegen parken. Gegen die Fußgänger, die ihnen ins Rad laufen. Gegen andere Radler, von denen sie sich behindert fühlen. Auf dem Rad gebe es jedoch nicht mehr Rüpel als solche am Steuer eines Autos, sagt Koerdt. Dieser Konflikt legt sich, sobald Radfahren angenehmer wird und Radfahrer ein anerkannter Teil des Verkehrssystems werden. „Wir brauchen mehr Gelassenheit!“

Zwei Radnetz-Fäden durchziehen den Kreis

Im Rems-Murr-Kreis sollen nun im Zuge des Radnetzes BW zwei Strecken geschaffen und miteinander verbunden werden. Die Strecken sollen bis 2020 in Form gebracht werden, teilt das Landratsamt mit. „In Form“ heißt: Die meisten Radwege bestehen schon heute, sie entsprechen aber nicht den Standards, die das Landesverkehrsministerium an moderne Radwege stellt.

Die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes hat für das Radnetz BW im Rems-Murr-Kreis detaillierte Streckenführungen ausgearbeitet. Der Maßnahmenkatalog und die Mängelliste liegen derzeit beim Land, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit.

Das Radnetz entsteht in der Zusammenarbeit zwischen dem Land und den Kommunen beziehungsweise Landkreisen. In den Kommunen wird entschieden, wo und wie radgefahren wird.

„Das Land versteht sich als Partner der Kommunen“, heißt es in der Rad-Strategie Baden-Württemberg. Das Land lockt mit Geld, verknüpft die Vergabe aber an bestimmte Standards.

Radschnellwege

Zum Radwegenetz der Zukunft gehören auch zehn Radschnellwege. In der grünschwarzen Koalitionsvereinbarung wurde festgelegt, dass bis 2025 zehn solche Verbindungen in Baden-Württemberg geschaffen werden.

          0
 
Kommentare (2)
Radfahrer • vor 7 Monaten
"Erste Priorität HATTE der Radweg entlang der Kreisstraße 1911 zwischen Waiblingen und Winnenden. In den Pfingstferien ist im Zuge der Fahrbahnerneuerung auch ein 1,7 Kilometer langer Radschutzstreifen angelegt worden" Leider sind Waiblingen und Winnenden weiter als 1,7 km voneinander entfernt. Der Radschutzstreifen, der für mich ein großer Fortschritt ist, beginnt jetzt immer noch erst am Kreisel bei Schwaikheim. Und auf der Karte sieht man, dass auch in der weiteren Planung einer der "Radnetz-Fäden" den Radfahrer dazu zwingen will, die Kreisstraße zwischen Waiblingen und diesem Kreisel nicht zu benutzen, obwohl das eindeutig der direkteste und schnellste Weg ist. Warum werden die Radschutzstreifen nicht auch auf der Strecke zwischen Waiblingen und dem Kreisel bei Schwaikheim installiert? Und von einem echten Netz ist man mit den "zwei Radnetz-Fäden" noch weit entfernt. Wenn alles in dem bisherigen Tempo weitergeht, wird das Netz in 100 oder 200 Jahren bestimmt noch fertig. Aber immerhin hat man schon eine ganze Zeitungsseite mit dem Thema gefüllt.
2
Antworten
Antipedalo Radfahrer • vor 7 Monaten
Es wäre bestimmt sinnvoll, dass eine Art Fahrradsteuer eingeführt wird. Somit wäre eine Finanzierung des Radwegenetzes bestimmt gesichert. Ich als Nicht-Radfahrer sehe nicht ein, weshalb ich mit meinen (KFZ) Steuern ein Radwegenetz unterstützen soll, nur damit noch mehr Zweiradfahrer zu dritt oder viert nebeneinander den Radschutzstreifen benutzen. Dies führt zu unnötig gefährlichen Situationen auf unseren Strassen.
1
Antworten