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Mit dem Pedelec unterwegs Sicher auf dem Pedelec

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Waiblingen. Der Wolkenbruch bei der Ausfahrt über dem Schmidener Feld tat der guten Laune keinen Abbruch. Wohl dem, der beim Pedelec-Sicherheitstraining an Regenbekleidung gedacht hatte ... Wir anderen wurden eben nass. 18 Leserinnen und Leser unserer Zeitung haben das Angebot der Kreisverkehrswacht am Donnerstag genutzt, sich und ihr Pedelec besser kennenzulernen.

Video: Sabine Raetzel erzählt über ihre Erfahrungen mit dem Pedelec.

„Uh“, stöhnte eine Teilnehmerin, nachdem sie einigermaßen elegant den Kreis am Ende des Parcours gemeistert hatte. „Ich hätte nicht gedacht, wie schwer es ist, langsam zu fahren.“ Schnell fahren kann jeder. Aber im Schritttempo einen Slalom um eng gesteckte Pylonen zu meistern, ist kniffliger als gedacht und kann eine Radlerin oder einen Radler schon mal ins Straucheln bringen. Zum Glück verliefen beide Stürze beim Sicherheitstraining am späten Donnerstagnachmittag auf dem Zellerplatz in Waiblingen glimpflich.

Es war nicht das erste Sicherheitstraining, das Hans-Joachim Seibold von der Kreisverkehrswacht angeboten hat, wohl aber das mit den meisten Teilnehmern. Sinn des Trainings sei, sagte Seibold, „dass die Leute ihr Pedelec und ihre eigenen Möglichkeiten kennenlernen“. In einem sicheren Raum könnten sie ein paar Dinge üben, die sie später im Notfall gut gebrauchen könnten.

Für die älteren Pedelec-Fahrer hatte Seibold das Programm auf zwei Stunden gestrafft. Und vor allem für die ungeübten Radler war dies mehr als genug. Eine Teilnehmerin gestand am Ende der Ausfahrt, dass ihr bereits der Po schmerze.

Ohne Helm kein Sicherheitstraining, stellte Seibold klar. „Jeder Radler braucht einen Helm“, sagte der Trainer nach der Begrüßung und einer kleinen Einführung in die Technik der Pedelecs. Vor allem die schnelleren Pedelecfahrer. Ein normaler Radfahrer sei mit 15 bis 18 km/h unterwegs. Aus diesem Grund würden die flotten Pedelecs von anderen Verkehrsteilnehmern oft unterschätzt. Gegen ein Auto, einen Laster oder einen Traktor zieht der Zweiradfahrer jedoch immer den Kürzeren. Das Licht am Pedelec einzuschalten sei eine Möglichkeit, meinte Seibold. Noch besser sei es, auffällige Kleidung zu tragen, und schaute zu einer in Orange gekleideten Radlerin: „Sie gefallen mir richtig!“

Zweiter Programmpunkt: der Parcours. Auf dem Zellerplatz hatte Seibold ein paar Übungen für die Pedelecradler aufgebaut, die nur auf den ersten Blick einfach zu meistern waren. Es galt, durch eine schmale Gasse zu kommen sowie über ein schiefes und ein schmales Brett zu fahren, einen Slalom zu absolvieren und einen verdammt engen Vollkreis zu schaffen. „Gar ned so einfach“, schnaufte ein Radler. Vor allem mit den beiden Brettern habe er seine Schwierigkeiten gehabt, gab der Mann zu. Der Trick bei solchen Übungen ist, nicht gebannt auf den Boden zu gucken oder auf die Pylone zu starren, sondern den Blick nach vorn zu richten. Auch auf dem Pedelec gilt der Zweirad-Grundsatz: Man fährt dorthin, wohin man schaut.

„Ausprobieren, was man kann“

Rainer Galgenmüller ist schon seit drei Jahren Besitzer eines Pedelecs. Er hat sich gleichwohl beim ZVW-Sicherheitstraining angemeldet, „um auszuprobieren, was man kann“. Das abgeschrägte Brett auf dem Parcours zeigte ihm seine Grenzen auf.

Dass ein Pedelec nicht bloß ein Fahrrad mit Elektromotor ist, hat Sabine Raetzel am eigenen Leib erfahren. Der Umstieg aufs Pedelec sei ihrer schwerergefallen als gedacht, gibt die ehemalige Waiblinger Gemeinderätin zu. Im ersten Jahr hatte sie eine „Totalblockade“, räumt die einst begeisterte Radlerin ein. Jetzt, in ihrem zweiten Jahr auf dem Pedelec, läuft es besser – aber noch nicht gut. Sie benutzt das Pedelec auf Kurzstrecken, vor allem von ihrer Wohnung auf der Korber Höhe hinunter ins Freibad.

Auf Tour ist Sabine Raetzel mit ihrem Pedelec noch nie gegangen. Umso verblüffter zeigte sie sich über das flotte Tempo, das Hans-Joachim Seibold an der Spitze der Gruppe anschlug. „Ich bin eine eher vorsichtige Fahrerin“, meinte Raetzel, hielt aber tapfer mit. Die Ausfahrt führte vom Zellerplatz an der Rems entlang über die Rinnenäcker-Siedlung und das Schmidener Feld zurück in die Innenstadt – und zog die Radlergruppe ziemlich auseinander. Schon am Zellerplatz hatte sich der Himmel merklich verdunkelt. In den Rinnenäckern schauten wir misstrauisch hinüber nach Fellbach, wo es bereits regnete. Über dem Schmidener Feld begann es zu tröpfeln. In der Innenstadt waren die meisten Teilnehmer nass. Ein Teil suchte Unterschlupf. Ein anderer flüchtete zu seinen Autos. Und ein kleines Häufchen Unentwegter schaffte es zurück zum Zellerplatz und fand unter den Bäumen ein einigermaßen trockenes Plätzchen, bis sich das Gewitter verzogen hatte.

Sicher Rad fahren

Der Deutsche Verkehrssicherheitstag und das Bundesverkehrsministerium hat in einer Broschüre „Sicher Rad fahren mit und ohne Elektroantrieb“ ein Tipps für sicheres Verhalten im Straßenverkehr gegeben.

  • Machen Sie sich sichtbar! Wer bei Dämmerung oder Dunkelheit gut beleuchtet ist, wird nicht so leicht übersehen. Eine funktionierende Beleuchtung sowie Reflektoren sind Pflicht. Auch helle Kleidung und zusätzliche Leuchtbänder machen es Autofahrenden leichter, Sie rechtzeitig zu erkennen. Jacken oder Westen mit hellen, fluoreszierenden Farben machen Sie am Tage gut sichtbar. Mit retroreflektierender Kleidung fallen Sie in der Dunkelheit auf.
  • Fahren Sie mit Helm – zu Ihrer eigenen Sicherheit!
  • Verhalten Sie sich eindeutig! Nur wer weiß, was Sie vorhaben, kann sich auch darauf einstellen.
  • Geben Sie rechtzeitig und eindeutig Handzeichen, wenn Sie abbiegen oder die Spur wechseln möchten.
  • Beanspruchen Sie den Platz, den Sie brauchen! Behaupten Sie selbstbewusst den nötigen Platz auf der Straße. Je eindeutiger Sie sich verhalten, desto sicherer wird die Situation für Sie und alle anderen.
  • Beachten Sie das veränderte Fahrgefühl bei Pedelecs 25! Pedelecs können schneller gefahren werden und sind meist schwerer als normale Fahrräder. Man muss mit ihnen früher anfangen zu bremsen. Auch das Anfahren und Fahren in Kurven ist ungewohnt.
  • Andere Verkehrsteilnehmer: Bedenken Sie, dass andere Verkehrsteilnehmer Ihre Geschwindigkeit eventuell unterschätzen und nicht mir ihrem schnellen Herankommen rechnen.
  • Fahren Sie vorausschauend! Kreuzungen und Einmündungen bergen Gefahren, auch wenn Sie alles richtig machen. Fahren Sie defensiv, achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmende und suchen Sie den Blickkontakt mit ihnen.
  • Nehmen Sie Rücksicht! Denken Sie immer auch an andere Verkehrsteilnehmer, insbesondere an Fußgänger, Kinder und Senioren.

Die Kreisverkehrswacht Rems-Murr

Die Kreisverkehrswacht Rems-Murr bietet die Sicherheitstrainings für Pedelecfahrer an. „Die Resonanz ist im Allgemeinen sehr gut“, sagt Hans-Joachim Seibold, der diese Kurse durchführt. „Die Teilnehmer sind begeistert, weil sie für sich etwas mitnehmen.“

Die bisherigen Kurse hatten das Problem, dass sie nur sehr kleine Gruppen zusammengebracht haben. „Dann ist das Angebot etwas unwirtschaftlich“, sagt Seibold. Wer Interesse an einem Sicherheitstraining für Pedelecfahrer hat, kann sich an die Kreisverkehrswacht Rems-Murr wenden:  0 71 51/56 59 45 (Anrufbeantworter), Telefax 0 71 51/56 59 46 oder E-Mail: info@verkehrswacht-rems-murr.de.

Die Kreisverkehrswacht Rems-Murr wurde 1975 gegründet. Zweck des als gemeinnützig anerkannten Vereins ist die Förderung der Unfallverhütung im Straßenverkehr. Die Verkehrswacht bildet junge Radfahrer aus und nimmt in der vierten Klasse die „Radfahrprüfung“ ab.

Darüber hinaus bietet sie Sicherheitstrainings für Auto- und Motorradfahrer an. Speziell für Senioren gibt es die Programme „sicher fit unterwegs“, in denen die Verkehrswacht über Neues und Geändertes im Verkehrsrecht und der Fahrzeugtechnik informiert, sowie „Mobil bleiben ... aber sicher“. Bei diesem Mobilitätstraining stehen Übungsmöglichkeiten für die Alltagssituationen im Mittelpunkt, wie enge Parklücken, Parkhäuser, Fahrspurwechsel, Bremsen oder Rückwärtsfahren.

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