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Murrhardt Der ökologische Erlebnisbauernhof

Murrhardt. Fernseher, Spielekonsole, Computer – und das Spielen in der Natur? Fehlanzeige. Viele Kinder wissen gar nicht mehr, was es heißt, Dämme zu bauen, auf Bäume zu klettern oder von Stein zu Stein zu springen. Abhilfe schaffen hier Angebote wie das vom Verein Wacholderhof.

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„Wir sind in vielen Dingen vollkommen untypisch.“ Mit dieser Aussage bekräftigt Hofleiter David Burkhardt das Bild, das sich Besucher jederzeit selbst vom Wacholderhof machen können: Hier draußen in Murrhardt-Steinberg muss man sich keinen Konventionen unterwerfen. Angefangen damit, dass Burkhardt, gelernter Gemüsegärtner, gerade die Limpurger Rinder einen schmalen Trampelpfad hinunter durch den Wald treibt, um sie bei der Hörter Mühle auf einer saftigen Weide in Hanglage grasen zu lassen.

Die kleine Herde stampft polternd über die Waldlichtung. Erst am Fuße des Berges, einer Ausbuchtung des Weges, stoppt der Tross, um Hufe und Schnauzen ins kühle Nass des Bachbetts zu stecken. Mit Futtereimer und Stock vorneweg treibt David Burkhardt den Zug weiter. Ein Befehl, schon setzt sich die Kolonne in Bewegung und schlängelt sich durch die Bäume.

Würden Spaziergänger oder Fahrradfahrer ihren Weg kreuzen, die Tiere wären nicht diejenigen, die ins Laub des Waldes ausweichen würden. Auf einem breiteren Waldweg sammelt Burkhardt seine Rinder. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, es sind 30 Grad im Schatten. Nur wenige Meter und ein Zaun trennen die Tiere von ihrer wohlverdienten Ruhepause.

Der Wacholderhof ist der einzige Betrieb in seiner Gegend, der die Rinder von Weide zu Weide treibt. Grund dafür ist, dass der Verein Wacholderhof – einfach leben und lernen e. V., der hinter dem Schulbauernhof-Projekt steht, die 36 Hektar Grünland nur über einen weiten Raum verstreut pachten konnte. Sie hätten aus der Not eine Tugend gemacht, erklärt Burkhardt: „Über die Hälfte hier sind relativ steile Weideflächen, die man nicht mit dem Traktor bearbeiten kann. Und die Tiere haben mit den Waldrändern tolle Bedingungen als Wetterschutz gegen Sonne, Regen und Wind.“

Erlebnis- und Lernort für jedermann

Der Wacholderhof, ein paar Hundert Meter von der Weide entfernt, ist nicht nur ein biolandwirtschaftlicher Betrieb, sondern gleichzeitig auch Erlebnis- und Lernort für jedermann. Seit 1980 gibt es den Hof. Damals kam Burkhardt mit seinen Eltern nach Murrhardt, um nachhaltig und ökologisch bewusst zu leben: Kein Fernseher, kein fließendes Wasser, alles, was zum Leben und Wirtschaften gebraucht wurde, wurde selbst angebaut. Die Eltern – ganz untypisch keine Landwirte – leiteten das Anwesen mit seinen damals fünf Hektar und den vier Mutterkühen.

„Heute gibt es zwar fließend Wasser, die Lebenseinstellung aber ist dieselbe geblieben. Etwas anderes als Ökolandbau war nie eine Option. Ich denke, dass die konventionelle Landwirtschaft langfristig ein Holzweg ist, mit der Chemie, der Gentechnik.“

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