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MusikvideosYoutube gegen Gema: Der Streit geht weiter

Markus Holl, vom 30.03.2012 14:16 Uhr

Kennen Sie das auch? Im Radio läuft der aktuelle Mega-Hit. Die ganze Welt spricht vom Avantgarde-Video der Künstlerin oder des Künstlers. Man möchte es auch sehen und geht dafür auf Youtube. Und was kommt dann? - "Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar."

Das sorgt bei vielen Internetnutzern für Ärger. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die GEMA - die Rechteverwertungsgesellschaft, die in Deutschland knapp 65 000 Musikverleger, Textdichter und Komponisten vertritt. Youtube und die Gema können sich nämlich nicht darüber einig werden, wie man mit Lizenzgebühren umgeht. Den Gebühren, die beim Abspielen von Musikvideos auf Plattformen wie Youtube fällig werden. Bisher zahlt die Google-Tochter keine. Ein Unding, findet die Gema und prozessiert dagegen.

Andere Videoplattformen wie beispielsweise MyVideo oder Clipfish haben diese Probleme nicht (oder nicht mehr). Hinter diesen stecken Firmen wie SevenOne Intermedia (ein Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1-Gruppe) bzw. die RTL-Tochter "RTL Interactive". Sie haben mit der GEMA einen Vertrag geschlossen und führen pro Klick einen bestimmten Betrag an Gebühren an die Verwertungsgesellschaft ab. Refinanziert wird dies mit Werbung, die zum Beispiel kommt, bevor das Video losgeht. Youtube dagegen pocht auf eine andere Lösung. Mithilfe eines Filtersystems namens "Content ID" sollen Rechteinhaber Inhalte gegebenenfalls blockieren oder mit Werbeeinblendungen freischalten können (eine genauere Erläuterung des Rechtsstreits, auch um "Content ID", finden Sie bei heise.de).

Die Streitigkeiten zwischen GEMA und Youtube tragen zum Teil schon absurde Züge. So gibt es Künstler, die in dieser Sache mit "ihrer" Rechtevertretung im Argen liegen. Die Hamburger HipHop-Formation Deichkind bezeichnet die GEMA als "Evolutionsbremsen" und zeigt sich deutlich genervt (focus.de): "Ob Plattenfirma, Youtube oder Gema, egal wer dafür verantwortlich ist. Wir wollen, dass unsere Videos zu sehen sind."

Damit sprechen sie vielen Fans aus der Seele. Und werfen die Frage auf, ob die GEMA hier nicht etwas am Ziel vorbeischießt. Ihr geht es in erster Linie um "ihre" Gebühren. Viele Künstler hingegen wollen in Zeiten des Web 2.0 möglichst viel Publicity. Videoplattformen haben dem "altmodischen" Musikfernsehen in diesen Belangen den Rang abgelaufen. MTV ist mittlerweile nur noch im Pay-TV empfangbar und hat mit "Music Television" ohnehin nicht mehr viel zu tun (siehe "MTV ohne 'Music Television'" unter taz.de).

Wer heute erfolgreich sein will, geht ins Internet

Über Youtube und Co. erreichen die Künstler ein Millionenpublikum. Die Album-Verkäufe gehen immer weiter zurück, Geld verdienen Musiker heutzutage, wenn überhaupt, fast nur noch mit Live-Auftritten. Und Eigenwerbung betreibt man in Zeiten, da ohnehin der Großteil der Jugendlichen bei Facebook und anderen "Social Networks" Mitglied ist, am besten multimedial über solche Plattformen. Auch Newcomer fahren mittlerweile via Internet zum Teil große Kampagnen auf, um sich einem größeren Publikum bekannt zu machen. Manche Bands bieten Alben oder Sampler mit einzelnen Musikstücken zum kostenlosen Download an.

Vielen kommen da dann auch Videos bei Youtube entgegen. Entdeckt ein Musikfan im Internet eine Band und verschickt Links zu deren Videos an seine Freunde, betreibt er für die Künstler Werbung, ohne dass diese groß dafür einen Finger rühren müssen. Die einen, wie Deichkind, befürworten dies. Andere, unter ihnen Sven Regener, verteidigen das geltende Urheberrecht und wehren sich gegen eine "Gratis-Kultur" (Spiegel Online, siehe auch hier die gesamte "Wut-Rede" im Bayerischen Rundfunk).
Kritisiert wird insbesondere der Milliarden-Konzern Google, der nicht bereit sei, einen Beitrag an die Kulturschaffenden abzuführen.

Am 20. April soll das Landgericht Hamburg im Streit zwischen Youtube/Google und der GEMA entscheiden. Die Diskussion um das Urheberrechtsgesetz (das ursprünglich aus dem Jahr 1965 stammt) und sein Verhältnis zum Medium Internet geht aber weiter.

Kommentare (1)
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MRZ
30
18:57 Uhr, geschrieben von Keinhutjuchti
Reform des Urheberrechts dringend notwendig
Eine Reform des Urheberrechts ist dringend notwendig, und zwar insofern, als dass die Schutzfristen unter bestimmten Bedingungen gänzlich aufgehoben werden können. Beispiel: Der alleinige Rechteinhaber eines Werkes (Gedicht, Lied, etc.) stirbt und hat keine Nachkommen und erbberechtigten Verwandten. Dann, und auch wenn der Künstler es testamentarisch verfügt, sollen die Rechte nach dem Tode sofort freigegeben werden. Oder wenn er Erben hat, diese aber aus welchen Gründen auch immer, auf jegliche Rechteansprüche verzichten (dies müsste dann allerdings notariell beurkundet werden).
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