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NachwuchsEin hohes Qualifikationsniveau

Peter Ilg, vom 04.08.2012 14:22 Uhr
Das Ausbildungsniveau in der Immobilienbranche ist sehr hoch. Chancen für junge Leute bieten aber nicht nur die klassischen Wohnungsunternehmen.
 Foto: Mierendorf
Das Ausbildungsniveau in der Immobilienbranche ist sehr hoch. Chancen für junge Leute bieten aber nicht nur die klassischen Wohnungsunternehmen. Foto: Mierendorf

Stuttgart - Die Beschäftigung in der Immobilienbranche ist seit Jahren stabil. Rund 60 000 Mitarbeiter haben die 3000 Firmen, die dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) angehören. Weil nicht alle in der Wohnungswirtschaft tätigen Unternehmen in diesem Verband organisiert sind, dürften einige Tausend Beschäftigte dazukommen. Dass die Mitarbeiterzahl in der Branche weiter konstant bleiben wird, zeigt eine repräsentative Umfrage des Verbands. Allerdings erfordern gleichbleibende Beschäftigtenzahlen erhebliche Neueinstellungen aufgrund der Altersfluktuation. So geht der Verband davon aus, dass in den kommenden Jahren allein 15 000 Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Für diese Mitarbeiter brauchen die Unternehmen Ersatz. Die Branche hat deutlich weniger junge Mitarbeiter als die Wirtschaft insgesamt.

Insgesamt gab es zum Jahresende 2010 rund 6800 Auszubildende

„Die deutschen Wohnungsbauunternehmen brauchen gute Schulabgänger und talentierte Abiturienten als Auszubildende”, sagt GdW-Präsident Axel Gedaschko. Um dem Ausbildungsberuf Immobilienkauffrau/-mann zu mehr Bekanntheit zu verhelfen, betreibt der Verband eine Image- und Ausbildungskampagne im Internet. Weitere Informationen unter www.immokaufleute.de . „Immobilienkauffrau/-mann ist der einzige staatlich anerkannte Ausbildungsberuf für die Branche”, weiß Rainer Brötz, Abteilungsleiter am Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn und dort zuständig für kaufmännische und betriebswirtschaftliche Dienstleistungsberufe. Insgesamt gab es zum Jahresende 2010 rund 6800 Auszubildende, jährlich schließen etwa 2600 einen Ausbildungsvertrag ab. Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet im Wechsel zwischen Unternehmen und Berufsschule statt. Die allermeisten haben Abitur, etwa zwei Drittel der Auszubildenden sind Frauen. Während der Ausbildung steigt die Vergütung von 730 auf 840 und 950 Euro.

„Nach erfolgreichem Abschluss dürfte das Einkommen auf das Doppelte der Vergütung im dritten Ausbildungsjahr steigen”, schätzt Brötz. Ausbildungsunternehmen und künftige Arbeitgeber sind Bauträger, Wohnungsbauunternehmen, Immobilienmakler und Banken. Die Aufstiegsfortbildung zum Immobilienfachwirt erfolgt berufsbegleitend über circa zwei Jahre. „Das Interesse der Schulabgänger an einer Ausbildung ist durchaus vorhanden und wächst stark an, wen man ihnen einmal erklären konnte, wie abwechslungsreich der Beruf der Immobilienkaufleute ist und die Fortbildungsmöglichkeiten in der Branche sind”, sagt Thomas Schaefers, Referent für berufliche Bildung beim GdW und regelmäßig auf Ausbildungsmessen. Er geht davon aus, dass die Wohnungswirtschaft im Rennen um guten Nachwuchs im Augenblick aufholt. „Früher kannten junge Leute meist nur den Beruf des Maklers, der häufig negativ besetzt war.” Immobilienmakler wurden als Immobilienhaie bezeichnet. „Die Berufe und Bildungsabschlüsse in der Branche sind aber weit anspruchsvoller und vielfältiger als Wohnungen und Häusern zu kaufen und zu verkaufen, denn sie schließen die gesamte Dienstleistungs- und Wertschöpfungskette rund um die Immobilie und ihre Nutzer ein.” Die Landesbank Baden-Württemberg Immobilien bildet Immobilienkaufleute aus. Insgesamt sind es sechs Auszubildende, und bislang wurden alle übernommen. Außerdem hat sie vier Studenten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Facility Management.

Das Akademikerniveau in der Branche ist hoch

Im Fachbereich Wirtschaft bietet die Hochschule ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Immobilienwirtschaft an. An der Universität Stuttgart gibt es den Bachelor-Studiengang Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft. Die Fachhochschule Buxtehude hat Bau- und Immobilienmanagement, ebenfalls mit Bachelor-Abschluss, im Angebot. Immobilienbewertung nennt die Hochschule Anhalt-Dessau ihren Master-Studiengang. Neben diesen Beispielen gibt es eine ganze Reihe weiterer Studiengänge mit Schwerpunkt Immobilie, nachzulesen unter www.studieren-im-netz.org . Das Akademikerniveau in der Branche ist hoch. In der Berufsgruppe der Abteilungs- und Gruppenleiter liegt die Rate bei 41 Prozent, einen wohnungswirtschaftlichen Berufsabschluss haben 29 Prozent, 30 Prozent fallen unter die Gruppe der „Übrigen”. Das sind nach Angaben des Branchenverbands Bürokaufleute oder IT-Administratoren und damit branchenübergreifende Berufe. Von denen werden die unterschiedlichsten im Immobiliengewerbe gebraucht: bei der Landesbank Baden-Württemberg Immobilien sind das Architekten, Bauingenieure, Geografen, Landschaftsgärtner und Bürokaufleute, um einige Beispiele zu nennen.

Die Immobilienbranche beschäftigt überwiegend qualifizierte Mitarbeiter, hat der GdW in seiner Befragung herausgefunden. Dies gelte für Auszubildende, ebenso wie für Seiteneinsteiger. „Was Berufseinsteiger betrifft, so finden junge Menschen in der Wohnungswirtschaft nur eine Beschäftigung, sofern ihnen eine qualifizierte Ausbildung geboten werden kann oder sie diese mitbringen. Jobber oder junge Erwachsene ohne adäquate Berufsperspektive dürften in Wohnungsunternehmen nur in Ausnahmefällen Arbeit finden”, teilt der Verband mit. Das sei ein Strukturmerkmal, das die Wohnungswirtschaft deutlich von anderen Branchen unterscheidet.

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