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NetzwerkeDie Zukunft fest im Blick

olm, vom 26.11.2012 05:00 Uhr
Das IWS Zukunftsforum strebt einen Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft sowie die Bildung von persönlichen Netzwerken an. Foto: IWS
Das IWS Zukunftsforum strebt einen Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft sowie die Bildung von persönlichen Netzwerken an.Foto: IWS

Stuttgart - Im Rahmen des neuen IWS Zukunftsforums, das künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit dem IWS Immobilien Award geplant ist, sollen innovative, zukunftsgerichtete Themen und Projektbeispiele der Immobilienwirtschaft vorgestellt und diskutiert werden. 'Dabei soll sowohl die Sichtweise der immobilienwirtschaftlichen Praxis mit einbezogen werden als auch die Sichtweise jener Hochschulen der Region, die sich in Lehre und Forschung mit der Immobilienwirtschaft befassen', erklärt Peter Brenner, Vorsitzender des Vorstands des Verbandes IWS Immobilienwirtschaft Stuttgart, die Idee des Forums. Axel von Goldbeck vom Zentralen Immobilien Ausschuss Zia nahm die Veranstaltung in der Aula der Hochschule für Technik in Stuttgart zum Anlass, vor rund 200 Zuhörern auf den noch immer viel zu geringen Stellenwert der Immobilienwirtschaft bei den Politikern in Berlin und Brüssel hinzuweisen. Dabei sei die Wertschöpfung der Branche etwa viermal so groß wie die der Automobilbranche.

Zukünftige Generationen könnten ganz anders wohnen als heutige Generationen

Während die Automobilwirtschaft seit Jahren außerordentlich gut organisiert und vernetzt sei, entwickele sich dies bei der Immobilienwirtschaft bislang nur allmählich. Mit Blick auf die Zukunft sieht Axel von Goldbeck in der demografischen Entwicklung eines der großen Themen, mit dem sich vor allem auch die Immobilienwirtschaft auseinandersetzen müsse. 'Die Menschen werden immer älter. Sie werden andere Wohn- und Arbeitsformen verlangen', sagt er. Einhergehen werde dies auch mit einer Veränderung der Vermögensverhältnisse. Er stellte infrage, ob sich künftige Generationen 150-Quadratmeter-Loft-Wohnungen, wie sie heute noch vielfach gebaut werden, überhaupt noch werden leisten können. 'Wer heute Immobilien entwickelt, die 50 oder 100 Jahre halten sollen, müsse auch dies im Blick behalten. Zukünftige Generationen könnten unter Umständen ganz anders wohnen als heutige Generationen, die vergleichsweise wohl­habend seien. Die Zukunft werde seiner Ansicht nach auch mehr Verteilungskämpfe um öffentliche Gelder bringen. Denn der Staat werde künftig aufgrund der Schuldenlasten der öffentlichen Haushalte sicher nicht mehr so großzügig Gelder ausschütten können wie bisher. Deshalb müsse sich die Immobilienwirtschaft auch stärker als bisher gegenüber der öffentlichen Hand in Stellung bringen und ihre Positionen verdeutlichen, zumal nicht auf allen Ebenen der Politik die Kenntnis vorhanden sei, was bestimmte Entscheidungen auslösen können. Gleichzeitig dürfe die Branche aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass viele wichtige Entscheidungen gar nicht mehr in Berlin, sondern in Brüssel getroffen werden. Für den Stuttgarter CDU-Bundestags­abgeordneten Dr. Stefan Kaufmann könnten die zunehmenden Engpässe auf dem Wohnungsmarkt noch zu einer großen Herausforderung für die Immobilienwirtschaft und die Politik werden. Kaufmann wehrte sich aber gegen den Vorwurf, die Politik habe dieses Thema verschlafen. Die Kritiker übersähen dabei, dass die Ursachen des Wohnraummangels vielfältig seien.

Neben der zunehmenden Verstädterung, dem hohen Anteil an Singlehaushalten, dem Rückgang bei den Neubauten, habe auch der Bevölkerungszuwachs dazu geführt, dass es vor allem in den Metropolen Engpässe beim Wohnraum gebe. Aber auch die Energiewende erfordere von der Branche große Anstrengungen. Gerade im Bereich der Gebäudesanierung gehe es darum, Energie zu sparen und Energie effizienter einzusetzen. In Anbetracht der leeren Staatshaushalte und der zunehmenden Aufwendungen für den sozialen Wohnungsbau sollte man aber nicht zu sehr auf zusätzliche Fördermaßnahmen hoffen, so Kaufmann. Aus Sicht der Hochschulen biete die Metropolregion deutlich mehr Chancen als Risiken, so Professor Dr. Dieter Rebitzer von der HfWU Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, auch wenn sich fast unbemerkt von der Praxis ein tiefgreifender Wandel in der Hochschullandschaft vollzogen habe. Vorangetrieben durch den Bologna-Prozess gebe es heute eine deutlich höhere Studienneigung, die zu einer größeren Nachfrage nach Studienplätzen führe. Auf der anderen Seite würde ein Großteil der Studenten aus den immobilienwirtschaftlichen Fachrichtungen nach dem Studium nicht in der Region bleiben. 'Wir haben enorme Wanderungsverluste bei den Absolventen', so Rebitzer. Die Erfolgsfaktoren für die Zukunft liegen nach seiner Ansicht deshalb auch in einem stärkeren Dialog zwischen Hochschulen und Unternehmen. 'Das muss aber noch deutlich weiter ausgebaut und intensiviert werden', so Rebitzer.

Aber auch im Dialog zwischen den einzelnen Hochschulen sei noch sehr viel zu tun. Nur dadurch könnten künftig zielgruppengerechte Bildungsangebote konzipiert und weiterentwickelt werden. Denkbar wäre zum Beispiel auch ein fakultätsübergreifender Ansatz wie in den USA, bei dem die Technik, die Wirtschaft und das Recht in einer speziellen Immobilien-Fakultät zusammengefasst wären. Allerdings scheitert dies in Deutschland bislang an den stark traditionell geprägten Hochschulen. Während schon die Zusammenarbeit von Universität zu Universität von Befindlichkeiten geprägt sei, gestalte sich unter heutigen Gesichtspunkten eine mögliche Zusammenarbeit von Universi­täten und Fachhochschulen erst recht als schwierig, so Rebitzer.

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