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Waiblingen. Ein Leben ohne Handy und Facebook – undenkbar für die meisten Jugendlichen. Ist doch verständlich. Dazugehören möchte jeder gern. Die Kehrseite: Handy und Facebook lassen sich für Mobbing missbrauchen. Cybermobbing heißt das dann, und das ist die besonders fiese Variante. Weil sich die Gemeinheiten ganz schnell ganz weit verbreiten.
Es funktioniert ganz einfach, und meist fängt es ganz harmlos an. Hier eine kleine Stichelei gegen einen Klassenkameraden, übers Handy an alle verschickt. Dort eine fiese Bemerkung an der Pinnwand, wo sie sichtbar wird für ganz ganz viele. Die Pinnwand in Facebook oder anderen sozialen Netzwerken im Internet gleicht einem schwarzen Brett, das viele, sehr viele einsehen können. Solche Einträge lassen sich zwar vom Adressaten löschen. Nur hat vielleicht jemand unter den hunderten, die das schon entdeckt haben, den Eintrag bereits kopiert und an anderer Stelle weiter verbreitet.
Peinliche Fotos von anderen ins Netz zu stellen, ist verboten
Dasselbe gilt für Fotos und Videos. Die sind eh leicht manipulierbar. Wer wo überall Fotos schießt von wem in welchem Zustand, kann kein Mensch nachprüfen. Natürlich ist es verboten, peinliche Bilder von irgendwem ins Internet zu stellen. Es geschieht trotzdem. Facebook macht’s gar möglich, dass Nutzer Personen auf Fotos markieren – ohne die betreffende Person extra um Erlaubnis zu fragen. Das Spiel geht noch weiter, viel weiter: Facebook vergleicht markierte Gesichter mit anderen Fotos im Netz und stellt fest: Guckt mal, der ist da und dort noch mit drauf.
Gruslig. Damit lässt sich übelster Missbrauch betreiben. Wer andere gezielt fertig machen will, findet im Netz ungeahnte Möglichkeiten. Das ist das Neue. Mobbing indes gab’s schon immer.
Das bestätigten jüngst Eltern und Pädagogen, die beim Workshop „Cybermobbing“ bei einem Kongress des Landesmedienzentrums in Stuttgart dabei waren. Ein paar Einschätzungen aus dieser Runde: „Es gibt immer mehr ich-bezogene Kinder.“ – „Bereits in der Grundschule wird massivst gemobbt.“ – „Für Außenstehende ist Cybermobbing oft schwer wahrnehmbar.“ – „Das Internet vergisst nichts.“ – „Vielleicht tragen die Gemobbten halt doch ihr Teil dazu bei?“
Nein, das tun sie nicht. Dass Mobbing oft so lange so ungebremst funktioniert, hat mit genau diesem Verdacht zu tun. Irgendwie sind die doch selbst mit schuld. Was sind die auch so komisch. Die wollen sich doch gar nicht integrieren.
Dieser Eindruck entsteht leicht, nachdem Mobbing längst begonnen hat, aber fürs Umfeld noch längst nicht als solches zu erkennen ist. Opfer begeben sich in dieser Phase in eine Abwehrhaltung, reagieren vielleicht aggressiv, verhalten sich auffällig – und provozieren damit ungewollt den fatalen Eindruck, sie seien selbst an allem schuld. Es kann jeden treffen, auch Kinder und Jugendliche, „die wunderbar sozial integriert sind“, sagt Katrin Schlör, medienpädagogische Referentin am Landesmedienzentrum. Sie zeigt Erwachsenen anhand eines Rollenspiels, wie sich Mobbing anfühlt – für (Mit-)-Täter wie für Opfer: Alle sitzen im Kreis, einer steht in der Mitte. Die Sitzenden rutschen in rasantem Tempo immer einen Stuhl weiter. Der arme Kerl in der Mitte muss versuchen, sich irgendwo dazuwischen zu drängen, einen Sitzplatz zu ergattern. Wessen Stuhl er erorbert, der muss fortan in der Mitte stehen.
Es kommt, wie es kommen muss: Keiner will das Opfer reinlassen. Jeder ist peinlich drauf bedacht, seinen Stuhl zu verteidigen. Wobei manche mit besonders viel Eifer vorgehen, und eine Frau räumt später gar ein: Irgendwie hat es sogar Spaß gemacht, den Außenstehenden draußen zu halten.
Für Betroffene kann das allerübelst enden. Es haben schon Mobbing-Opfer ihrem Leben ein Ende gesetzt.
Jugendliche Mobbing-Opfer wechseln in der Hoffnung auf einen Neuanfang oft die Schule. Kartin Schlör hält das nicht für die beste Lösung: „Bei ganz vielen beginnt der Prozess an der neuen Schule wieder von vorn.“
Die Referentin nennt einige Punkte, wie Schulen, Lehrer und die Jugendlichen selbst Cybermobbing vorbeugen können: So wenig Persönliches wie möglich im Internet preisgeben, rät Schlör, und: Niemals anderen Passwörter verraten etwa für den Zugang zu Facebook. Wer das Passwort kennt, kann übelst wüten.
Sich im Mobbing-Fall aus allen Netzwerken abzumelden, hilft auf Dauer auch nicht, findet Katrin Schlör: Denn dann ist der Betroffene ja erst recht von den Kommunikationswegen abgeschnitten, die alle anderen nutzen. Besser wär, sich sehr genau über die Fallstricke zu informieren: Genau aufpasssen, wer Zugang zu welchen Informationen im Netz hat. „Freunde“ im Netz lassen sich in Listen sortieren, auf diese Weise sieht nur ein ausgewählter Personenkreis, welche Infos man selbst ins Netz stellt. Betroffenen rät Katrin Schlör, den Mobber im eigenen sozialen Netzwerk zu sperren, sich trotz allem nicht auf eine Diskussion mit ihm einzulassen und die Gemeinheiten zu dokumentieren.
Totschweigen hilft niemandem weiter
Schulen und Lehrer können aus Schlörs Sicht ein Bewusstsein schaffen für diese Themen, und sie können positiv aufs Klassenklima einwirken, Wertschätzung füreinander fördern, Schüler in ihrem Selbstbewusstsein stärken. Tritt ein Cybermobbing-Fall auf: Nicht totschweigen. Alle Beteiligten einbeziehen. Beweise sichern, das heißt, die fiesen SMS nicht einfach löschen, sondern speichern.
Von Handyverboten an Schulen hält Referentin Katrin Schlör wenig. Solche Verbote lösen das Problem nicht, und moderne Handys bieten super Möglichkeiten für sinnvolle Nutzung, auf die dann alle verzichten müssten. Trotz aller Risiken betont Katrin Schlör die positiven Potenziale der neuen Medien: „Sie können das Leben ganz stark bereichern.“
Wie verhalten bei Cybermobbing? 10 Tipps für Jugendliche:
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Wie wär’s mit einem Spaziergang, der einen tollen Nebeneffekt hat: Schmackhaftes mit Bärlauch.
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