Donnerstag, 17. Mai 2012
 
 
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Peinlichkeiten Vorsicht, Fettnäpfchen!

Julia Lutzeyer und Almut Siefert, vom 29.01.2012 09:34 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Um es gar nicht erst zu peinlichen Begebenheiten kommen zu lassen, gibt es nur eines: Man muss dem Leben entsagen. Wer einmal Luft in der Lunge hat, wird es nicht verhindern können, dass er irgendwann ins Fettnäpfchen tappt. Bei folgenden Gelegenheiten stehen sie besonders eng.

Hobbys

Wer ein Hobby hat, kann schnell als peinlich gelten. Man darf Interessen und Leidenschaften haben, kann sich als Amateur versuchen, aber bitte keine Hobbys pflegen. Ihnen stehen Vereinsordnungen im Weg oder das angestaubte Image von Sammelalben für Briefmarken und Münzen. Meistens gehen sie zudem mit zuviel Ambition einher, die sich selten einlöst. Mindestens ein halbes Jahr lang klingen die Mundharmonika- oder Akkordeontöne zum Davonlaufen. Und verzweifelt wirkt das Bemühen mit seiner Sport-Mannschaft, wenigstens in der Regionalliga hässliche Pokale einzuheimsen. Richtig unangenehm wird's mit Hobbys, wenn sie durch laute Ausrufe wieder ans Licht gezerrt werden: Wie, du hast früher Bauchtanz gemacht? Hockey gespielt? Einen Seidenmalereikurs besucht?

Mode

Wer mit der Mode geht, macht Fehler. Auch die stellen sich oft im Nachhinein heraus. Aber das macht Geschmacksverirrungen nicht besser. Wer geblümte Leggings trug, kann sich nicht damit herausreden, dass das damals der letzte Schrei war. Die viel zu engen Beinlinge mit den rosaroten Rosen bleiben ein Fehlgriff. Auch damals gab es Spiegel. Schlimmer noch sind bleibende Spuren der Trend-Gefolgschaft: ein - pardon! - Arschgeweih, ein Augenbrauen-Piercing oder gedehnte Löcher in den Ohrläppchen, wie sie momentan in und trotzdem hässlich sind. Ändert sich die Mode, sind sie noch immer da. Wie gut dagegen haben es die Liebhaber klassischer Kleidung. Ihre immer gleichen dunkelblauen Merino-Pullis zu gerade geschnittenen Jeans gehen immer. Sie müssen sich später beim Blick auf Fotos nicht für so manche Karottenhose oder eine Lederkrawatte schämen.

Facebook

Die auf Facebook lauernden Peinlichkeitsfallen enttarnen sich oft erst, wenn man bereits knietief darin versunken ist. Da heißt es: Vorbeugen so gut es geht! Die eigenen Eltern oder gar den Chef in naiver Leichtigkeit als "Freunde" im sozialen Netzwerk hinzuzufügen, wird sich irgendwann bitter rächen. Die entstellenden Fotos der letzten Partynacht, hochgeladen von Mitfeiernden, oder ein unbedachter Hinweis auf einen Flirt in der überzogenen Mittagspause können gar nicht so schnell gelöscht werden, dass hämische Kommentare von Mama, Papa oder den Kollegen ausbleiben.

Hochzeitsfeste

Treffen Verwandte auf Freunde, lauern Peinlichkeitsfallen bei jeder Wortmeldung. Erst recht bei Sketchen, Spielen und ähnlichen unterhaltsamen Einlagen. Das Bild, das die eigene Sippe von der Lebensgeschichte der Braut oder des Bräutigams ikonenhaft hochhält, passt so gar nicht zu den Abstürzen und Verzweiflungstaten, bei denen der engste Kreis Zeuge war. Bisher waren die Freunde verschwiegen. Doch bei Hochzeiten gibt's kein Halten. Da wird der gesamten Festgesellschaft samt Kellnerbrigade die akribisch geführte Liste aller Verfehlungen und verflossenen Herzensbrecher serviert. Das Gedächtnis der Freunde erweist sich dabei als weitaus besser als das der Vorgeführten. Nicht viel besser, nur anders, sind die Reden: Wie um die zu erwartende Image-Beschädigung abzumildern, wird da jede Eins in Sachkunde abermals belobigt, jede Frechheit in frühe Anzeichen von Cleverness umgemünzt. Und das nur, um den Anwesenden mitzuteilen, dass die eigene Tochter oder der Sohn eigentlich etwas Besseres verdient hätte als den Ja-Sager oder die Ja-Sagerin des heutigen Tages.

Elternschaft

Wer ein Kind bekommt, wird früher oder später als peinlich gelten. Wer nicht gleich nach der Geburt in einen Bärchenpullover schlüpft oder plötzlich in Babysprache mit seinen Mitmenschen verkehrt, hat gnädige 11 bis 13 Jahre Zeit, sich darauf einzustellen. Doch spätestens wenn der Nachwuchs pubertiert, sind Mama und Papa nur noch ätzend. Nun rächt sich die jüngere Generation dafür, dass sie vor einigen Jahren der Grund dafür war, dass die Eltern am liebsten in Grund und Bogen versunken wären. Als der oder die süße Kleine bei einer Einladung außer Haus plötzlich darauf bestand, sein Essen unter dem Tisch einzunehmen und damit sogleich die Schuhe polierte. Und weil das Gebrüll der ersten Jahre irgendwie ausgeglichen werden muss, sind es nun die Eltern, die zornig Widerstand leisten: Weil der Teenager meint, seine Hose müsste den halben Hintern belüften, er müsse Sieger beim Komasaufen sein oder mit 12 Jahren eine süße Maus als Übernachtungsgast mitbringen. Ausgerechnet dann, wenn Oma zu Besuch ist. Die versteht die Welt erst recht nicht mehr.

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