Samstag, 18. Mai 2013
 
 
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

PersonalplanungGut durch die Krise mit Planung

Jens Gieseler, vom 26.11.2012 05:00 Uhr
Mit engagierten und kreativen Mitarbeitern entwickelt die UFT Radebeul neue Produkte. Foto: UFT
Mit engagierten und kreativen Mitarbeitern entwickelt die UFT Radebeul neue Produkte.Foto: UFT

Wenn der IT-Dienstleister Easysoft neue Mitarbeiter sucht, schickt der Chef eine E-Mail an seine Mitarbeiter. Erst kürzlich hieß es wieder: 'Vielleicht kennt Ihr ja jemand Passendes für uns.' Geschäftsführer Andreas Nau macht bisher gute Erfahrungen mit dieser Form der Mitarbeitergewinnung, weil die Freunde seiner 30 Mitarbeiter gleiche Werte und Einstellungen teilen. Zwar spürt er die gegenwärtige Zurückhaltung angesichts der dräuenden Krise, doch der 42-Jährige aus St. Johann ist zuversichtlich, dass die aktuelle Diskussion um Einstellungsstopp und Kurzarbeit oder Investition in High Potentials ihm in die Karten spielt. Denn seine 30 Mitarbeiter programmieren Software zur Schulungsorganisation und Personalentwicklung. Durch Lizenzverträge ist der Mittelständler abgesichert und unterliegt nicht wie Produktionsbetriebe den starken Marktschwankungen.

Und Nau setzt seit zwei, drei Jahren auf neue Branchen: Als Marktführer in der Gesundheitsbranche - 1150 deutsche Klinken und Schulen verfügen über eine Lizenz - streckt Easysoft seine Fühler in die Industrie und Dienstleistungsbetriebe aus. Für ihn selbst sind Einstellungsstopp oder Kurzarbeit deshalb kein Thema. Im Gegenteil. Für das kommende Jahr ist eine Umsatzsteigerung um 15 Prozent geplant. Entsprechend sucht Nau vier neue Mitarbeiter für Entwicklung, Vertrieb und Schulung. Derartige Geschäftsstrategien gefallen dem Personalguru Jörg Knoblauch: 'Das Einzige, das gegen die drohende Stagnation hilft, ist, mit neuen, verblüffenden Produkten am Markt zu bleiben.' Unternehmen müssten jetzt Mut zu verstärkter Innovation zeigen. Und wer jetzt in hoch qualifiziertes Personal investiere, das ansprechende Produkte entwickle, habe auch in den nächsten Jahren volle Auftragsbücher, so der Mittelstandsberater aus dem schwäbischen Giengen. So brummt es etwa auch in der Produktionshalle der Umformtechnik (UFT) Radebeul: An sieben Pressen wird Aluminium geschmiedet. Die dünnwandigen, geome­trisch anspruchsvollen Schmiedeteile gehen an Premiummarken der Automotivbranche, Elektroindustrie oder Medizintechnik. Allein in diesem Jahr wuchs die Mitarbeiterzahl von 103 auf 138.

Die deutschen Unternehmen erhielten im September 3,3 Prozent weniger Aufträge

'Wir sind für 2013 zwar noch nicht ausgebucht', sagt Stephan Schneider, 'aber wir haben viele neue Aufträge akquiriert, die in der nahen Zukunft zum Tragen kommen.' Während die deutsche Industrie mit einem starken Auftragsrückgang kämpft - laut Wirtschaftsministerium erhielten die deutschen Unternehmen im September 3,3 Prozent weniger Aufträge -, ist der geschäftsführende Gesellschafter verhalten optimistisch fürs kommende Jahr. An Einstellungsstopp denkt er nicht. Denn die angestrebten 15 Millionen Euro Umsatz werden bis Jahresende wohl noch erreicht. Im kommenden Jahr soll der Schmiedespezialist nochmals zweistellig auf 17 Millionen Euro zulegen. Doch nach dem schnellen Wachstum der vergangenen Jahre setzt der 56-jährige Ingenieur auf ruhigere Zeiten und Konsolidierung: 'Die neuen Mitarbeiter benötigen ein Jahr, um ihre Aufgaben souverän zu beherrschen.' Das ist umso wichtiger, weil vor allem Zeitdruck und Qualitätsanforderungen seiner Kunden ständig steigen. Die Reifezeit für neue Projekte wird immer kürzer, sehr schnell müssen aus Prototypen Serien mit bis zu 200 000 Teilen werden. Schwierigkeiten sieht Berater Knoblauch für Unternehmen, die stark abhängig sind vom rückläufigen südeuropäischen Raum und vom stagnierenden deutschen Markt. Die im Ifo-Index erfassten Erwartungen der Unternehmen sanken im Oktober zum sechsten Mal in Folge. Der Einkaufsmanagerindex verschlechterte sich ebenfalls. Da auch die chinesische Wirtschaft an Tempo verloren hat, werden wohl Auto­mobilzulieferer Probleme bekommen. Doch grundsätzlich schätzt Knoblauch die Chancen für Intelligenz und Qualität aus Deutschland gut ein: 'Der Export ist nach wie vor beeindruckend.' Dass vorausschauende Planung und Forschung Arbeitsplätze sichern, zeigt das Beispiel von Phoenix Contact.

So entwickelte der weltweit agierende Elektrospezialist aus dem nordrhein-westfälischen Blomberg in der Krise 2009 spezielle Stecker, die die Montage von Fotovoltaikanlagen auf Dächern beschleunigen. 'Kunden wollen auch in der Krise innovative Lösungen', erklärt Gunther Olesch das antizyklische Verhalten des Global Players. Vor allem im Aufschwung war das Unternehmen mit dem richtigen Produkt schon am Markt und machte gute Geschäfte. Angesichts der mauen Konjunktur schließen sich für den Personal-Geschäftsführer deshalb Überlegungen über Kurzarbeit und Einstellung von Fachkräften nicht aus: 'Notfallpläne, die mit Betriebsräten abgestimmt sind, liegen in der Schublade.' So können an einzelnen Standorten die Zeitkonten der Mitarbeiter mit 140 Stunden belastet werden. Damit kann das Unter­nehmen flexibel auf Krise und Aufschwung reagieren. Die unterschiedlichen Handlungsalternativen müsse man im ruhigen Gewässer aushandeln, so Olesch. Komme das Schiff erst in einen Sturm, sei es viel schwieriger, es zu steuern. Doch die Stärke der deutschen Wirtschaft seien Innovation, Komplexität und Qualität, sagt der 56-jährige Honorarprofessor. Diese Trümpfe dürfe man auch in schwierigen Zeiten nie aus der Hand geben. So liefert Phoenix Contact gegenwärtig Stecker für Elektrobusse nach China.

Denn etwa in Peking oder Schanghai werden die Busse auf Strom umgestellt. So findet das Unternehmen auch als Automobilzulieferer auf neuen Märkten Absatzmöglichkeiten. Auf Wachstum durch qualifizierte Mitarbeiter setzt auch die UFT Radebeul. Die bekommt es unter anderem durch familien- und seniorenfreundliche Personalpolitik. Seine engagierten Mitarbeiter entwickeln neue Techniken, wie sich vorher undenkbare Konstruktionen aus Aluminium schmieden lassen. 'Da nehme ich flexible Arbeitszeiten und dezentrale Arbeitsplätze gerne in Kauf', sagt Schneider, 'das ist eine Frage der Organisation.' Und er klinkt sich auch auf entsprechende Internetforen ein und wirbt dort um 'rückkehrwillige Sachsen'.

Kommentare (0)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Titel *  
     
Ihr Name *  
     
Kommentar *  
             
(optional)
E-Mail   (wird nicht veröffentlicht)
             
Straße     Hausnr.  
             
PLZ     Wohnort  
             
    (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
             
      * Pflichtfelder
Immobilienbranche sucht Fachleute
Investitionen in Immobilien sind attraktiv, das niedrige Zinsniveau sorgt zusätzlich für Interesse bei Anlegern. Die Branche wächst.
Kampf gegen Schadstoffe
Sauberes Wasser ist ein hohes Gut, und die Bevölkerung erwartet es. Das Abwasser wird gereinigt. Darum kümmern sich Experten.
Amoklauf Winnenden
Alle Berichte der Winnender Zeitung zum Amoklauf seit März 2009
Die gesamte Berichterstattung der Winnender Zeitung seit 2009 finden Sie hier.
 
 
Videos
Interaktiv
  • Umfrage
Weltbevölkerung alter immer schneller

Laut der Bundeskanzlerin wird es bis 2025 sechs Millionen Erwerbstätige weniger geben. Sie will das Problem durch Zuwanderung lösen. Was halten Sie von der Herangehensweise?

 
Gute Idee! Zuwanderung ermöglicht es Deutschland den demografischen Wandel abzuwenden!
Finde ich nicht gut! Die Bundesregierung sollte stattdessen Familiengründung attraktiver machen!
Ist mir egal.
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Neueste Artikel
Meist gelesen
Epaper
Von Administrator
  • Twitter
  • Facebook Lokalredaktion
  • Facebook Sportredaktion
Rundschlag
Symbolwechsel Mutlangen
The Symbols They Are A-Changin’: Vom Kalten Krieg zur Energiewende in einer Generation.
Heute ist „Tag des Rundschlags“
Wie alle großen Schöpfungen der Menschheit verdient auch der Rundschlag seinen Feiertag.
Bundesliga-Tippspiel
Tippen Sie mit!
Tippen und gewinnen Sie bei unserem Bundesliga-Tippspiel. Hier können Sie mitspielen >>
TV Bittenfeld
Viel Platz auf der Auswechselbank
TVB muss auf Michael Schweikardt und Dominik Weiß verzichten, Florian Schöbinger fraglich.
Weiß vor Operation, Schweikardt gesperrt
Außgerechnet in der Schlussphase der Saison hat TV Bittenfeld einen personellen Engpass.