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PflegeberufeSichere Jobs in Krankenhäusern

Michael Vogel, vom 25.08.2012 13:32 Uhr
In den Operationssälen großer deutscher Krankenhäuser fehlt medizinisches Pflegepersonal. Foto: Vario Images
In den Operationssälen großer deutscher Krankenhäuser fehlt medizinisches Pflegepersonal.Foto: Vario Images

Stuttgart - Vielleicht hätten die Verantwortlichen das „Krankenhaus Barometer 2011” in „Krankenhaus Thermometer 2011” umbenennen sollen. Denn bezogen auf den Mangel an nichtärztlichem medizinischem Pflegepersonal steigt die Fieberkurve weiter nach oben: Ende 2011 kommt die vom Deutschen Krankenhaus Institut (DKI) durchgeführte Befragung zu dem Schluss, dass 37 Prozent der Kliniken Probleme haben, offene Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Im Vergleich zum Jahr 2009, der letzten Untersuchung des Fachkräftemangels, habe sich der Anteil betroffener Krankenhäuser damit mehr als verdoppelt, so die Studienautoren. Damals lag der Wert noch bei 16 Prozent. Mit 1,1 Millionen Beschäftigten sind die Kliniken innerhalb der Gesundheitswirtschaft der größte Arbeitgeber - auch für das medizinische Pflegepersonal. Laut der Gesellschaft Deutscher Krankenhaustag gibt es in der Bundesrepublik derzeit rund 2080 Krankenhäuser.

Überproportional betroffen vom Fachkräftemangel sind laut der DKI-Studie große Einrichtungen ab 600 Betten. Jedes zweite Krankenhaus dieser Kategorie gab an, Probleme bei der Besetzung von Stellen zu haben. Hochgerechnet auf die Grundgesamtheit der Allgemeinkrankenhäuser ab 50 Betten, die das „Krankenhaus Barometer” erfasst, seien damit bundesweit rund 3000 Vollkraftstellen im Pflegedienst unbesetzt, so das DKI. Die Bereiche OP- und Anästhesie sowie die Intensivpflege sind dabei fast gleich stark betroffen. Etwas entspannter sei die Situation bei den Medizinisch-Technischen Assistenten, so das DKI. Rund ein Fünftel der Allgemeinkrankenhäuser ab 50 Betten kann derzeit entsprechende Stellen nicht besetzen. Im Vergleich zur Befragung des Jahres 2009 hat sich die Situation bei den MTAs damit aber nicht weiter verschärft. Keinen Fachkräftemangel gibt es laut DKI dagegen bei Physiotherapeuten und Krankengymnasten. Auch Hendrik Laxa, Business Manager Arbeitsmarktprojekte beim Personaldienstleister Manpower, bestätigt, dass medizinische Pflegekräfte gesucht sind: „Je spezialisierter die Tätigkeit, umso schwieriger wird es für die Arbeitgeber, eine Position zu besetzen.” Neben den vom DKI identifizierten Mangelbereichen OP, Anästhesie und Intensivpflege nennt Laxa Frühchenstationen und Gerontologie-Abteilungen, die teils händeringend Fachkräfte suchen. In der Grundpflege verschärfe sich die Personalsituation ebenfalls langsam.

Die Überstundenentgelte liegen zwischen 16 und 19 Euro

„Diesen Mangel an qualifizierten Kräften”, so Laxa, „gibt es überall in Europa.” Und da Nachbarländer wie Luxemburg oder die Schweiz Krankenpflegefachkräfte deutlich besser vergüten als die Bundesrepublik, tun sich für deutsche Arbeitnehmer, die grenznah wohnen, zusätzliche Alternativen auf. „Doch in diesen Ländern sind nicht nur die Einkommen der Krankenpflegekräfte höher”, sagt Johanna Knüppel, Referentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), „der Beruf genießt dort auch eine höhere Wertschätzung.” Mit Blick auf die Gehälter macht sich der personelle Mangel in der Gesundheitswirtschaft bislang nicht so recht bemerkbar. Vor allem nicht, wenn man bedenkt, dass Schichtbetrieb, Wochenendarbeit und Überstunden in diesen Jobs die Regel sind, wie ein Blick in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes zeigt. Zwar ist die Zahl der Krankenhäuser in öffentlicher oder freigemeinnütziger Trägerschaft in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken, weil es inzwischen immer mehr private Träger gibt. Aber trotzdem gilt der Tarif des öffentlichen Dienstes noch immer als Referenz bei der Bezahlung der Beschäftigten, zumal die freigemeinnützigen Träger sich schon immer an ihn angelehnt haben. Laut dieser Tariftabelle bekommt eine examinierte Krankenpflegekraft je nach Einstufung ein Grundgehalt zwischen 2040 und 2770 Euro monatlich. Die Überstundenentgelte liegen zwischen 16 und 19 Euro.

Als Schichtzulagen kommen 15 Prozent (Nachtarbeit) bis 25 Prozent (Sonntagsarbeit) hinzu. Feiertagsarbeit wird nach einem separaten Schlüssel vergütet. Dass der Bedarf deutscher Kliniken an spezialisierten Krankenpflegekräften hoch ist, zeigt auch die Zeitarbeit. Gemeinhin zahlt die Branche ihren Mitarbeitern ja weniger, als der Leihbetrieb bei direkter Anstellung zahlen würde. Bei Krankenpflegekräften mit Intensivweiterbildung zum Beispiel ist die Situation jedoch gerade umgekehrt. Sie verdienen in der Zeitarbeit in aller Regel mehr. „Sie können dort jede angebrochene Überstunde aufschreiben und haben auch noch fast 100 Prozent Dienstplansicherheit”, sagt Johanna Knüppel. Eine Situation, von der die meisten Pflegekräfte, die direkt bei Krankenhäusern angestellt seien, nur träumen könnten. Die Personalsituation in der Krankenpflege wird sich in den kommenden Jahrzehnten weiter verschärfen. So rechnet eine gemeinsame Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers und des Forschungsinstituts Wifor aus dem Jahr 2010 hoch, dass 2020 rund 140 000 Vollzeitstellen für Pflege- und nichtärztliche Fachkräfte fehlen werden. Bis zum Jahr 2030 wird diese Personallücke sogar nochmals deutlich wachsen.

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